Familientreffen 6: Der Samstag – ein Rückblick

Posted on 7th Juli 2010 by klangwelt in Schwerpunkt Electronic Body Music (EBM) - Tags: ,
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ft VINach dem Schlammbad des letzten Jahres folgte beim diesjährigen Familientreffen VI die Wüstenausgabe des EBM-Meetings. Normales Wetter auf dem Familientreffen? Fehlanzeige – ist ja auch kein normales Festival.

Familientreffen VI – ein Festival zwischen Gluthitze, WM und EBM-Kultur

Das Wochenende war das heißeste des Jahres – natürlich. Aber irgendwie hatten die Tremorianer das ja gewusst, denn als als ‚Special‘ war entweder durchgehender Regen oder unmenschliche Hitze angekündigt.

Dies hielt allerdings die EBM-Fans – die teilweise lange Anfahrten aus diversen Teilen Europas nach Sandersleben in Kauf genommen hatten – nicht davon ab, ihre Bands zu unterstützen und zu feiern.

Das Drumherum war wie immer gut organisiert, die Preise für Eintritt, Trinken und Essen absolut fair und die Stimmung entspannt. Im Gegensatz zu vielen großen Szenefestivals merkt man mit jedem Atemzug: Das Familientreffen ist ein Festival von Fans für Fans; es zielt nicht darauf ab, den Gästen möglichst viel Geld abzuluchsen.

Ein reichlich genutzter Planschpool zum Abkühlen, das legendäre Fußballspiel Traktor Sandersleben – EBM United (diesmal mit unglaublicher 3:0 Führung für EBM United) und der erste Kornlauf in skurillen Kostümen sorgten für den perfekten Rahmen.

Knapp 40 Grad auf der Bühne und ein paralleles WM-Spiel

Dennoch war der Auftakt für Frontal und EkoBrottsMyndigheten zunächst undankbar. Die Hitze trieb die Gäste meist in den Schatten und natürlich wurde auch die Übertragung des WM Viertelfinales Argentinien – Deutschland verfolgt.

Frontal & EkoBrottsMyndigheten

ekobrottsmyndigheten
EkoBrottsMyndigheten – Pic by Vulpia

Frontal begannen daher in der Halbzeit, ein vitaler, kurzer Auftritt, der ihre Fans zum Tanzen brachte. Die Band ließ sich zu keinem Zeitpunkt anmerken, dass sie unter sehr ungünstigen Bedingungen starten musste. Respekt.

Nach dem 3:0 enterten die Schweden EkoBrottsMyndigheten die Bühne. Gleich ein erstes Highlight – auf die Jungs hatte ich mich gefreut. Die beiden energischen Shouter gaben alles, harmonierten prächtig und sorgten mit ihren kleinen, recht alkohollastigen Szenehits Eine Tasse Jäger, Totally EJBEÄM und dem viel geforderten Kangdans für gute Stimmung.

Die Resonanz war dafür, dass Teile des Publikums noch Fußball schauten, ansprechend. Eine Band, die es sich verdient hat, mehr Zeit zu bekommen. Leider war das neue Album doch noch nicht erhältlich – soll aber noch folgen.

Hitze – EBM – Wasser marsch!

Auch Astma, Combat Company, Groupe. T und die Turnbull A.C´s mussten bei sehr hohen Temperaturen ran.

Astma & Combat Company

Wenn man sich umhörte, fanden viele Gäste Astma einfach ‚gut‘ – den gradlinigen Schweden fehlt eigentlich nur noch ein Ausreißer nach oben, um bekannter zu werden.

Die danach spielenden Combat Company sind eine noch sehr junge Band. Manchmal hätten der Gesang und die Basslinien ruhig lauter kommen können. Dass die Jungs musikalisch durchaus überzeugen, zeigt ihr Beitrag Guardian Angel auf dem FT VI Sampler. Er bietet einen Topüberblick über alle beteiligten Bands.

Turnbull A.C`s

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Turnbull A.C´s – Pic by Vulpia

Den nächsten Knaller lieferte Sänger Pontus Stalberg von Spetsnaz mit seinem Projekt Turnbull A.C´s ab. Als einer der besten Frontmänner der gesamten EBM-Szene bot er mit dem Ersatzdrummer der Band eine dynamische Show mit klasse Vocals, gewohnt bissiger Mimik und perfekt sitzenden Gesten.

Den Song Man Made Modern Machines widmete er mit ironischem Unterton der deutschen Elf, Knaller wie Rejected und We Can Drink Without Having Fun folgten.

Zwei neue Songs waren offensichtlich dermaßen frisch, dass Pontus den Text von einem großen Zettel ablesen musste, um ihn dann voller Inbrunst ins Mikrophon zu shouten – das hatte was. Das zweite neue Stück klang zudem verdächtig nach Hit – her mit dem Album!

Jetzt war es vor der Bühne zum ersten Mal gut gefüllt und man konnte im Sprühregen der Freiwillige Feuerwehr (gute Idee) seinen Spaß haben.

Groupe. T

Von Groupe. T hatte ich mir irgendwie mehr erwartet: Die Titel von ihrem wirklich ansprechenden Front 242 Tribut Album Electronic Warfare
– erhältlich auf der Groupe. T Myspaceseite – kamen zwar ganz gut rüber, ältere Aufnahmen der Band sind hingegen recht technoid und übersteuert umgesetzt. Und das schimmerte immer wieder beim Sound durch, dieser klang leider zeitweilig zu überladen und matschig.

Schräges zum Abend

Langsam wurde es ‚frischer‘ und Teile des Geländes lagen im Schatten. Es folgten zwei Acts, die das straighte EBM-Festival musikalisch auflockerten.

As Able As Kane (AAAK) & Schwefelgelb

aaak
AAAK – Pic by Vulpia

AAAK boten ihre komplette musikalische Breite von EBM über Elektronik-Spielereien bis hin zu rockabillyartigen Einflüssen. Sicher für einige eine ungewöhnliche Mischung, aber auf jeden Fall hörenswert.

Bei Schwefelgelb betraten u.a. zwei als Hasen verkleidete Bandmitglieder die Bühne und jagten Pop-Electro-Trash gepaart mit einem Schuss NDW durch die Boxen. Die witzige Band kam überraschend gut an und spielte einige Zugaben.

EBM United in der Dunkelheit

Container 90

„We try to make our songs a little bit faster and shorter“

Mittlerweile war es dunkel und Zeit für die härtere und – wie die Band selbst betont – schnellere Gangart: Genau dafür stehen die Schweden Container 90 mit ihrem High-Speed-Minimal-EBM . Container 90 agierten klasse: Oldschool 84, das anklagende Richard Is A Racist, EBM United, der neue Song Straight Jacket und weitere Tracks garantierten viel Tumult vor der Bühne und brachten die Stimmung auf den Siedepunkt.

Der Auftritt gefiel mir noch besser als der vor zwei Jahren. Mit Sharp Dressed Man fand sogar die Coverversion des ZZ Top Stücks überraschend ihren Weg ins Liveset. Sänger Ron war sichtlich gut aufgelegt und pushte fast jeden Track kräftig. Der Auftritt hätte gerne länger gehen können.

Langsam forderte der Tag bei einigen seinen Tribut und so konnten wir uns leider Pankow nicht mehr ansehen. Vielleicht aber jemand, der das gerade liest – Kunst oder Wahnsinn?

Fazit: Ein Topfestival in einzigartiger Form und ein fetter Dank an die Veranstalter.


Ein Kommentar

  • […] [Nachtrag 7.7.]  Take One von Klangwelt hat einen flott geschriebenen Artikel über den Samstag verfasst, der die Atmosphäre des Festivals aus Göttinger Sicht beschreibt und zusätzlich sehr viel detaillierter auf die Bands eingeht, als ich das hier tue. Liest sich gut – wer sich dafür interessiert, klicke bitte HIER. […]

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