EBM Konzertbericht: ‚Winter Stomp 2013‘ am 9.2.2013 in Kassel

Posted on 14th Februar 2013 by klangwelt in Schwerpunkt Electronic Body Music (EBM) - Tags: , , , ,
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winter-stomp-ebm-2013Das hat gefetzt: Der Winter Stomp 2013 bescherte in der Besetzung MRDTC, Frontal (90), Jäger 90 und Orange Sector Anhängern der Electronic Body Music einen schweißtreibenden Auftakt 2013. Das Festival markierte den bisherigen Höhepunkt der Winter Stomp Reihe. Es bahnte sich schon länger an: Hier geht was.

EBM Winter Stomp 2013 – das Festival mit dem Kick

Wahre Arbeit – Wahrer Lohn. Ein Slogan, der immer wieder passt: Die Mühen und der Aufbau des Winter Stomps haben sich mehr als gelohnt. Noch nie war der Body-Event im Kasseler K19 so gut besucht und die Stimmung dermaßen am Brodeln.

MRDTC, Frontal, Jäger 90 und Orange Sector bescherten sich und den Gästen einen Abend, den man so schnell nicht vergessen wird. Ein straightes Stück Electronic Body Music Kultur ohne faule Kompromisse.

Intensiv im Feeling, schweißtreibend bis blaufleckig im Verlauf und pur in Sachen Spaß. So geht das.


Die Auftritte beim Winter Stomp 2013

Endlich früh was los, so der erste Gedanke beim Betreten des K19 gegen 20h.

Über Facebook hatte man es anhand der vielen Zusagen kommen sehen: Die beiden vorausgehenden Winter Stomps – und die 2010 und 2011 gelaufenen Ungehörsam-Festivals – bewegten in Sachen EBM eine Menge in der Region.

Sie boten von Anfang an auch jungen Elektronik-Bands härterer Gangart eine Plattform.

Folgen sollte am 09.02.2013 ein toller Abend mit ausgelassener Stimmung, einigen Überraschungen und begeistertem Publikum.

MRDTC

Den Auftakt machten MRDTC. Ein Newcomer, bestehend aus erfahrenen Musikern (Tino Claus – Amnistia / Mr. Dupont – NordarR), deren versierte Mischung klassische EBM und ausgetüftelte Dark Electro Passagen mit variantenreicher Rhythmik bündelt.

Während Tino Claus seine Vocals druckvoll und aggressiv ins neugierige Publikum jagte, widmete sich Mr. Dupont dem Synthesizer-Spiel und der gleichzeitigen, geschickten Soundmanipulation.

Die Band wurde freundlich aufgenommen. MRDTC mussten zu Beginn das Publikum an diesem eiskalten Tag natürlich etwas warmspielen, fast alle Titel sind ja noch unbekannt.

Inbrünstig der Vortrag von Liar, eine wütende Abrechnung mit den Massenmördern, Diktatoren und Propagandisten dieser Welt.

Das Debüt #2 We Transfer war nach dem visuell untermalten Auftritt jedenfalls heiß begehrt. Mission erfüllt.

Von MRDTC und ihrem skeptischen Blick auf den (Facebook-) Zeitgeist wird man sicher noch hören.

Frontal

Lieder fielen A.D.A.C. 8286 erneut aus. Der eigentlich als „Tourist“ angereiste Alex Wobig von Frontal sprang kurzerhand mit Drummer-Support von Jäger 90 ein – und räumte ab.

Es sind diese unverhofften Momente, die ein besonderes Flair provozieren. Locker, extrem gut aufgelegt und mit mächtig Druck im Stimmorgan brachten Jäger Alex/Frontal 90 (sucht´s Euch aus) den Saal schnurstracks zum Kochen und zum ausgelassenen Pogen.

Vieles erinnerte positiv an den letztjährigen Auftritt von Frontal beim Winter Stomp 2012.

Ob auf der Bühne, im Publikum oder sonst wo – die gradlinigen (frontalen) Titel wie Zeig Mir, Laufen, Meine Kleine Welt oder Muskelkraft brachten die Adern zum Pulsieren, die Arme zum Anschwellen und die Körper zum Zucken.

More Than A Party, nicht nur der Titel der Zugabe, es war das Motiv der kurzfristigen Improvisation. Frontal sammelten nicht nur fette Sympathiepunkte, sondern vermutlich viele neue Fans. Zum Beispiel Gäste, die 2012 noch nicht da waren, aber jetzt sicher wiederkommen.

Stark der ungewöhnliche Auftakt: Die erste Frontal-Nummer trug Alex mit Combat Company Sänger Eli Van Vegas zweistimmig vor. Auch wenn Kritiker der Electronic Body Music das nicht kapieren (wollen), das war künstlerisch ambitioniert und ein echtes Hörerlebnis.

Mehr als nur improvisiert – ein starker Moment für Bands und EBM Fans. Vorteil Frontal.

Jäger 90

Jäger 90 und Kassel, das passt einfach. So geschehen bei den beiden Ungehörsam-Festivals oder nun beim dritten Winter Stomp. Die Jäger locken ihre Leute ins K19 und feiern mit ihnen jedes Mal eine ausgelassene EBM Party.

Mit einem Cover von Space (Magic Fly) baute das sequenzerfixierte Duo die Stimmung melodisch-nostalgisch auf, um dann mit dem neuen und zackigen Zeig´s Mir nahtlos an die grandiose Frontal-Action anzuknüpfen.

Hier war Kondition gefragt, denn die Jäger feuerten ihre Highlights, begleitet von passenden Lichteffekten, gezielt ins Publikum. Wie immer gut aufgelegt und ausgestattet mit einer Menge Interaktion.

In der EBM Szene braucht man keine gezüchteten Hochglanzstars, es geht um Einsatz, Authentizität und Spaß an der Sache. Alles war bei der der Band und im Publikum mehr als vorhanden. Ich Schwitze singen die Jäger, nicht nur Ihr!

Klar, dass sie ohne Zugaben nicht davonkamen: Achtung – Ein Jäger, Wir Brauchen Kein Feuer, Stiefelblitz und Beim Ersten Mal Tat´s Nicht Weh hinterließen eine ausgepowerte und nahezu selig dreinblickende EBM Fraktion.

Flüssigkeit nachschenken, Körper checken. Alles OK? Dann geht´s weiter.

Orange Sector

Der Headliner folgte: Orange Sector. Eine echte Größe aus den 90er Jahren und seit ihrem Comeback im letzten Jahrzehnt ein Fixpunkt der aktuellen Electronic Body Music Szene. Lars Felker fiel leider kurzfristig aus und wurde von Rene Nowotny (AD:keY / Armageddon Dildos) würdig ersetzt.

Obgleich man angesichts der vorherigen Auftritte schon derbe am Schnaufen war, es blieb wenig Zeit zur Erholung: Krieg Und Frieden zog die EBM-Heads gnadenlos vor der Bühne. Tanzbefehl-Zeit.

Man merkte Orange Sector in jeder Sekunde die Freude beim Spielen an, so häufig sieht man sie ja nicht live.

Zahlreiche unvergessene Klassiker wie Götter, Für Immer, Arbeit Ist Not, Die Zukunft oder der kantige Kulthit Kalt Wie Stahl holten das Letzte aus Gästen und Sänger Martin Bodewell heraus.

Ruppige Action, aber immer mit freundlichem Unterton. So muss es sein.

Heftig abgefeiert wurde die aktuelle Single Der Maschinst. Band und Publikum im Simultanshouten. Ein toller und stimmungsvoller Moment.

Dazwischen eine (neue?) Up-Tempo-Nummer, die sich mehr als gewaschen hatte.

Die Zugaberufe nahmen an diesem speziellen Abend kein Ende. So gaben Orange Sector nochmals zwei Nummern (u.a. nochmals Krieg Und Frieden) zum Besten. Der souveräne Headliner rundete diesen nahezu perfekten Abend ab.

Keine Frage, in dieser Form kann man sich auf das kommende Orange Sector Album Vorwärts Nach Weit extrem freuen.

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Der EBM Winter Stomp – gerne wieder!

Gewohnt faire Preise und die musikalische Aftershow-Sause komplettierten den Winter Stomp. Verdiente Klassiker und die zahlreichen Vertreter der aktuellen EBM Generation hielten sich die Waage, hier kam jeder Tanzwütige auf seine Kosten.

Vielleicht lernen es ja langsam mal die Zeitungen (und teilweise auch schlecht informierten Szenezeitschriften), EBM als vitale Gegenwart zu akzeptieren und nicht auf nur die große Front 242 / Nitzer Ebb Vergangenheit der 80er Jahre zu reduzieren. Journalismus ist auch fundierte Recherche.

Abschließen soll dieser Bericht aber mit dem Hinweis auf die Schweigeminute von Bands und Gästen, die dem viel zu früh verstorbenen Christian M. (1979-2013) gewidmet war. Beileid an Familie, Freunde und Bekannte.


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