Review: The Juggernauts – ‚Phoenix‘

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The Juggernauts bitten auf ihrer ersten EP Phoenix zum Tanz. Und den kann man der erfahrenen Newcomer-Formation kaum abschlagen. Old school Attitüde, ungewöhnliche Rhythmik und ein düsterer Industrialversatz generieren ein mechanisch-organisches Erlebnis moderner Art.

The Juggernauts – Phoenix

Hinter The Juggernauts stecken Borg (Bimfest DJ, zeitweiliges Mitglied von The Klinik, Sonar u.a.) sowie Glenn Keteleer, der mit Radical G undergroundige und bisweilen experimentelle Klänge produziert.

Das Duo ist fest verankert in der belgischen EBM und Industrialszene, kann auf einen großen Erfahrungshorizont zurückgreifen. Und die Juggernauts haben eine gemeinsame Idee, eine Vision, die von Kontrasten lebt.

Retromoderne EBM belgischer Prägung

Zunächst springt dem Hörer eine sehr variantenreiche und für das EBM-Segment ungewöhnlich verspielte Rhythmik entgegen. Verspielt bedeutet aber nicht harmlos – pumpend und fordernd kommen die Schläge angerollt. Harter Stoff.

„Watching YOU – every move!“ – keine Frage, der gepresst-wütende Gesang des Titelstücks Phoenix schlägt mental ein. Er wirkt in Verbindung mit den durchdacht arrangierten Bässen pointiert und erfrischend direkt.

So verneigen sich die Juggernauts einerseits vor dem klassischen belgischen Electronic Body Music Sound (Klinik, Vomito Negro), setzen diesen aber dermaßen modern in Szene, dass sicher nicht nur old school Heads darauf anspringen.

Die Phoenix EP bietet messerscharfe, harte Elektronik für anspruchsvolle Szenegänger und neugierige Elektronik-Freaks gleichermaßen. Angesprochen sind alle, denen die 08/15-Düster-Techno-Einheitskultur einfach nur noch auf die Nerven geht. Hört man sich um, dann sind das nicht Wenige.

Dabei lassen es die Juggernauts auch mal moderat angehen. Etwa bei dem langsam anrollenden Damaged Illusions. Nicht täuschen lassen, die Nummer mit dem subtil militanten Unterton entfaltet sich stetig. Fanfarenartige Elemente gemahnen im Verlauf fast an die Official Version Phase von Front 242.

Organische und synthetische Impulse im Einklang

Die Musik der Juggernauts bebt und lebt, raue Industrialeinfüsse aus den frühen 80ern verleihen der kämpferischen Symphonie eine belebende Unruhe – ein organisches Feeling inmitten einer klar dargebotenen synthetischen Klangformation. Die Band forciert diese scheinbaren Gegensätze mit lockerer Selbstverständlichkeit.

Einziges Manko: Wer die beiden bisherigen Samplerbeiträge – Phoenix und Damaged Illusions – schon kennt, bekommt „nur“ ein neues Stück zu hören.

Doch Infected hat es in sich: Die Nummer ist ein richtiger Bastard, legt von Sekunde zu Sekunde zu und fusioniert alle Stärken des Duos: Aggressive, gleichermaßen betonte Vocals und frische Rhythmik, kombiniert mit einer industriellen und dezent lärmenden Kultur im Hintergrund.

Die vier Remixe runden die EP ab, Spetsnaz statten Damaged Illusions mit einem passenden, fast schleichenden Bass aus. Eine neue Nuance, welche den Track sinnvoll akzentuiert.

Lediglich die Implant-Version von Infected trimmt den Song auf Club nimmt ihr etwas den speziellen Reiz.

Fazit: The Juggernauts zählen zu den interessantesten Newcomern der letzten Zeit. Ihre Gestalt umfasst Retroelemente ebenso wie perspektivische Ideen. Ein schlüssiges optisches Konzept rundet den positiven Eindruck ab, den die Band hoffentlich auf einem kompletten Album bestätigt.

Wertung: 9.0 von 10 Punkten (9.0/10) Klangwelt Musiktipp

Phoenix Release Infos

Interpret: The Juggernauts
Label: Out Of Line
Release: 15.02.2013
Stil: EBM / (klassischer) Industrial

Tracklisting:

1. Phoenix
2. Damaged Illusions
3. Infected
4. Phoenix (Melted)
5. Damaged Illusions (Again)
6. Infected (Boiled)
7. Damaged Illusions (And Again)

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