Review: The Invincible Spirit – ‚Anyway‘

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The Invincible Spirit - Anyway

Das ausklingende Jahr 2015 wartete noch mit einem Paukenschlag auf, denn die EBM- und Wavelegende The Invincible Spirit kehrte mit einem kompletten Album namens Anyway zurück. Großer Name, hohe Erwartungen, wie löst Altmeister Thomas Lüdke diesen Anspruch ein?

The Invincible Spirit – Anyway

Einen derart balladenhaften Auftakt, wie das Titelstück Anyway ihn bietet, hätte man im Vorfeld sicher nicht vermutet. Und doch leiten die sich im Verlauf des Titels intensivierenden Töne das Comebackwerk nachdenklich ein.

The Invincble Spirit ließ sich schon damals nicht nur auf den Überhit Push reduzieren und bot viele Facetten, das bleibt in der Gegenwart ebenfalls so.

Danach startet der erste „richtige“ Output seit der gemeinsamen EP mit The Fair Sex im Jahre 2004 – von der Anthology-Compilation und der CD im Rahmen der EBM Klassiker Serie des Infacted Labels mal abgesehen – durch.

Mit Erase holt T. Lüdke zunächst die alten Fans ab: Eine dynamische und extrem antreibende Nummer voll klassischer Sounds; sie ist mit den so typisch akzentuierten und „rezitierend“ tönenden Vocals ausgestattet, welche dem Track einen unverwechselbaren Charakter verleihen. Das sitzt schon mal.

Diese klassischen Nuancen treten im Verlauf des Albums immer wieder auf, sei es beim im Vorfeld als Video präsentierten EBM-lastigen Knaller Hate You oder in Nummern wie Frustrated.

Vergangenheit und Gegenwart fusionieren

Mit Have You integriert TIS auch modernere Sounds, ohne seinen Ansatz dabei zu verleugnen.

Diese neue Route zieht sich ebenfalls durch das gesamte Album und markiert eine Stärke von Anyway, weil sie nicht wie ein Kompromiss, sondern wie eine bewusst gewählte Entscheidung klingt.

Alte Follower werden ebenso angesprochen wie offene Electrohörer jüngerem Jahrgangs, die nicht nur auf lieblose Baukastenmukke stehen.

Gut manövriert: Das Projekt bändelt zum Beispiel selektiv mit modernem Electropop an, lässt es aber auch mal gekonnt (z.B. mit Dark Eye) technoid krachen.

Eine gnadenlose Nummer, die zwischen Fixmer/McCarthy und Covenant pendelt und sich fett-dröhend durch die Boxen schält.

Die bisher genannten Titel „funktionieren“ sofort, doch das Album bietet neben wenigen schwächeren Stücken auch Abschnitte, die sich fast unerkannt einschleichen.

Sie benötigen etwas Zeit, um dann nachhaltig zu überzeugen. Zu nennen sind Decide, das hintergründige House Of A Liar oder das etwas spöttisch erzählte Everytime I Move.

Thomas Lüdke setzt hierbei nicht nur auf Wucht, sondern lässt Raum für Erzählungen, für subtile Melodien und Stimmungen. Klar strukturiert umgesetzt, beschwören diese Titel immer wieder eine klassische TIS Stimmung herauf, ohne zu sehr im damals zu verharren.

Ein gekonnter Widerspruch, der schlichtweg mit Songwriting-Qualitäten gelöst wird.

Anyway stellt ein abwechslungsreiches Comeback dar

Besonders überzeugend setzt die gewählte Mixtur das kraftvolle und dominant-charmante Final in der zweiten Albumhälfte um.

Mit A Nation findet sich dort ebenfalls eine extrem stark vorgetragene, düster gehaltene und doch sehr tanzbare Nummer, die angesichts ihres packenden Charakters gar nicht aus dem Kopf weichen will. Ohne Zweifel ein Highlight.

Geschickt bugsiert sich der Protagonist durch die hohen, vielleicht sogar divergierenden Erwartungshaltungen.

Alte Wavefans erfreuen sich zum Beispiel am ausladenden und fast soundtrackartigen Devil Heart – eine fragile und sehr dunkle Nummer voller Zweifel, die im machtvollen Refrain aufblüht. Hätte er früher nicht besser machen können.

Den fast trendigen Gegenpol setzt Where Are Your Dreams, ein lupenreiner und stimmiger Futurepop-Song mit Qualität.

Passend zum ruhigen Auftakt klingt Anyway weitläufig aus: Your God In Me entschleunigt nochmals und rückt die Stimme Lüdkes und seine Geschichte des „Masters“ in den Vordergrund.

Fazit: Ein ebenso authentisches wie sehr abwechslungsreiches Comeback von The Invincible Spirit. Im Vortrag wahrt die Künstler seine Kontinuität, scheut sich aber gleichzeitig nicht davor, frische & überraschende Elemente zu implementieren, was Anyway vielschichtig erklingen lässt. Mal treibend, mal poppig, oft melodisch akzentuiert. Satten Stoff für die Clubs stehen einige schleppende Stücke gegenüber, denen man angesichts des klaren Vortrags gerne lauscht. Ein Album für alte Fans, aber auch für Menschen, die TIS jetzt kennenlernen.

Wertung: 8.5 von 10 Punkten (8.5/10)

Release Infos

Interpret: The Invincible Spirit
Label: Invincible Spirit Media
Release: Dezember 2015
Stil: EBM/Electropop/Wave

Tracklisting:
01. Anyway
02. Erase
03. Have You
04. Afraid Forever
05. Dark Eye
06. Naked Soul
07. Soul Control
08. Everytime I Move
09. Decide
10. Final
11. Hate You
12. House Of A Liar
13. Devil Heart
14. Frustrated
15. A Nation
16. Where Are Your Dreams
17. Your God In Me

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