Karl Bartos – ‚Cummunication‘ (Vö. März 2016)

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Karl Bartos - Communication

Communication hieß das erste wirkliche Soloalbum des ex-Kraftwerkers Karl Bartos, das 2003 erschien – 13 Jahre nach seinem Ausstieg bei den Düsseldorfer Elektronikern. Das Thema des Konzeptalbums: Kommunikation in Zeiten elektronischer Medien. Nun steht, nicht ganz zufällig, die remasterte und mit Camera Obscura als Bonustrack erweiterte Wiederveröffentlichung an. Alles zum inhaltlichen Anspruch des Werks.

Re-Release des ersten Solowerks von K. Bartos

Communication handelt davon, wie Bilder unsere Sicht auf die Welt bestimmen und wie sich durch elektronische Medien die Inhalte unserer Kultur verändern

(Karl Bartos, 2003)

Im Jahr 2016 hat dieses Thema an Dringlichkeit und Wahrhaftigkeit nichts eingebüßt. Ganz im Gegenteil: Heute ist die Medienwelt, die das Album beschreibt, Realität geworden. Communication ist ein Klassiker mit hoher Brisanz für die aktuelle Gegenwart. Dies allein würde den Re-Release von des Werks rechtfertigen.

Communication hat somit nicht den Anspruch einer bloßen Wiederveröffentlichung, es ist der Reload eines Pop-Klassikers, der heute thematisch aktueller ist denn je und musikalisch nichts an Kraft und ungebremster Freude am Musikmachen vermissen lässt. Das Album erscheint 2016 erstmalig auch digital und als Stream.

Bartos fand auf seinem Weg seine eigene Musiksprache – unabhängig von Zeitgeist oder musikalischen Moden. Ein zeitloses Statement auf allen Ebenen, das letztendlich Off The Record (2013) beerbt, obgleich es eigentlich älter ist.

Es ist nicht die Aufgabe von Musik, modisch zu sein. Ihr Sinn ist die Kommunikation zwischen den Menschen

(Karl Bartos, 2016)

Cummunication Tracklisting

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01. The Camera 3.56
02. I´m The Message 5.02
03. 15 Minutes Of Fame 4.11
04. Reality 4.39
05. Electronic Apeman 5.36
06. Life 3.29
07. Cyberspace 6.33
08. Interview 4.43
09. Ultraviolet 4.08
10. Camera Obscura 6.30 (Bonus-Track)
11. Another Reality 3.26

Das verlorene Album von Karl Bartos?

Gleichzeitig schwingt ein kleiner Fingerzeig mit: „Hey, da wurde was übersehen!“ Denn ist es Ironie des Schicksals oder dummer Zufall? Fakt ist, dass die ehemaligen Kraftwerk-Kollegen seinerzeit einen Monat vor der Veröffentlichung von Communication ihr eigenes, erstes Album nach über zehn Jahren Pause und Bartos‘ Ausstieg veröffentlichten.

Woraufhin sich die geballte Medienaufmerksamkeit auf Tour de France Soundtracks richtete.

Da half es auch nicht, das Bartos einer der Co-Autoren des Kraftwerk-Klassikers Tour de France ist – neben Das Model, Die Roboter, Nummern oder Taschenrechner einer der prägenden Titel, die während der Zeit des klassischen Line-ups von 1975 bis 1990 entstanden.

Bis heute gilt „der zweite von links“ als der Melody-Maker der signifikanten Alben Die Mensch-Maschine (1978) und Computerwelt (1981).

Personalwechsel und Einsparungen innerhalb der Plattenfirma Sony erschwerten die Promotion der Bartos-Veröffentlichung zusätzlich. Durch die Synchronität der beiden Album-Veröffentlichungen sowie des beginnenden Zusammenbruchs der Musikindustrie konnte das neue Bartos-Album nicht die Dynamik entwickeln, die sich der Künstler wünschte.

Und so zeugt es von großer Selbstironie, dass Communication intern oft als „The lost Album“ bezeichnet wird.

Promobild: Karl Bartos

Lag mit vielen Inhalten bereits 2003 richtig: Karl Bartos. Durch die aktuelle Relevanz erscheint der Klassiker Communication 2016 in erweiterter Form erneut

Überblick: Aktivität in den 90ern

Untätig war Bartos bis dahin jedoch auch nicht. Unter dem Projektnamen Electric Music veröffentlichte er die beiden Alben Esperanto (1993) und Electric Music (1998), 1995/1996 komponierte er zusammen mit Bernard Sumner (New Order) und Johnny Marr (ex-The Smith) das zweite Electronic-Album Raise The Pressure.

Zwischendurch schrieb er Songs für und mit Andy McCluskey (OMD) und arbeitete international als Produzent.

Communication produzierte Bartos zwischen August 2002 und Januar 2003 gemeinsam mit dem Toningenieur Mathias Black in seinem Hamburger Studio. Konzipiert hatte er es jedoch bereits um die Jahrtausendwende als Reaktion auf den allumfassenden Einfluss digitaler Medien auf die Gesellschaft, auf das Kulturbewusstsein und die Kommunikation, Basis allen menschlichen Miteinanders.

15 Minutes Of Fame – bekannte und in die Zukunft blickende Single aus den Clubs

Bereits im Jahr 2000 erschien mit dem programmatischen 15 Minutes Of Fame eine durchaus viel beachtete Single als Ausblick auf das kommende 2003er Album – erstmals unter seinem eigenen Namen.

Inspiriert von Andy Warhols Statement „In the future, everyone will be worldfamous for 15 Minutes“ kommentiert Karl Bartos hier die zunehmende Celebrity-Kultur – ausgelöst durch Casting-Shows, Container-Formate, Kochsendungen etc.

Berühmt kann jeder werden oder wieder sein: mit Singen, Tanzen, Kochen, Abnehmen oder im Dschungel-Überleben. Da ist es am Ende kein Unterschied, ob die Paparazzi einen C-Promi oder Princess Diana wegen eines Fotos jagen.

Communication setzt diesen Ansatz weiter fort, erweitert ihn um viele Aspekte der neuen Medienrealität – und wer einen Blick in die heutig Medien-Landschaft wirft stellt fest, dass der Protagonist damals mit seinem skeptischen Blick Kommendes zielsicher enthüllte.

Ausgearbeiteter visueller Ansatz

Für das Album konzipierte der ex-Kraftwerker Bartos eine piktografische Bildsprache, welche die Hamburger Agentur für Kommunikation Weissraum weiterentwickelte und in allen Formaten gestaltete.

Piktogramme waren für Bartos das geeignete Mittel der grafischen Umsetzung, da sie mit einfachen Symbolen Information vermitteln. Auch die Regie für das piktografische Animationsvideo zu I’m The Message übernahmen Weissraum. Ihre Arbeit wurde anschließend mit zahlreichen internationalen Design- und Kommunikations-Preisen ausgezeichnet.

Wie schon bei 15 Minutes Of Fame widmete sich Bartos der Celebrity-Kultur: Ein Dada-Text. Kein Plan, nur Zufall und Willkür. Wie beim Zappen durch die Fernsehkanäle.

Cyberspace und Electronic Apeman thematisieren in fast schon romantischer Tonsprache den Umgang mit den elektronischen Medien, während The Camera, Another Reality und Ultraviolet den Einfluss und die Auswirkungen von Foto und Film in den Massenmedien kommentieren.

Erste Single Life

Autobiografisch geprägt zeigt sich Life, welches die erste Single der Wiederveröffentlichung sein wird.

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