Konzertbericht: ‚5 Jahre EBM Winter Stomp‘ im Savoy Elgershausen

Posted on 23rd März 2016 by klangwelt in Schwerpunkt Electronic Body Music (EBM)
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EBM Stomp 2016 - KonzertbildWar das ein Fest! Das Jubiläum des EBM Stomps versprach viel und bot noch mehr. Gleich sechs tolle Bands begeisterten die Fans. Extremer Einsatz bis zum Umfallen und ein absolut stimmiges Ambiente kennzeichneten den Abend im Savoy in Elgershausen. So geht EBM im Jahre 2016, dabei waren fünf deutsche und eine finnische Formation.

Der EBM Stomp feiert mit sechs Bands sein Jubiläum

Zum zweiten Mal fand nach einigen Umzügen der EBM Stomp im Savoy in Elgershausen statt. Eine ideale Location in Hinblick auf Flair und Fassungsvermögen.

Beim Debüt des neuen Orts sorgten im Herbst 2015 Parade Ground (mit der so typischen künstlerisch hochwertiger Mimik) und Pankow bereits für wunderbar stimmungsvolle Auftritte verdienter Bands.

Dieses Mal gab´s eine mehr rhythmisch fokussierte und satte Stomper-Attacke von gleich sechs jüngeren Formationen auf die Ohren.

Und alle – wirklich alle – hatten ihre Momente. Die Projekte überzeugten komplett und brachten die willige Meute bei jedem Gig in Wallung. So etwas gibt´s selten und dieses Phänomen kann als Qualitätssiegel des Events gelten, welcher richtig gut besucht war und somit zu den vollsten Stomps überhaupt zählte.

Hier trafen sich Freunde und Bekannte sowie alte und einige neue Gesichter, um die EBM Subkultur richtig zu feiern.

Die Auftritte

Zweite Jugend

Kaum war man eingetroffen, schon legten Eli und Marcel mit ihrem neuen Projekt Zweite Jugend los. Und sofort war Betrieb vor der Bühne und der Raum zeigte sich bereits jetzt gut gefüllt.

Kein Wunder, ihre reduzierte und von DAF angestoßene analoge Mixtur geht konzentriert nach vorne und setzt die scharfzüngigen Vocals zwischen Witz und beißender Ironie extrem gut und launig in Szene. Auch die Bühnenpräsenz überzeugte: Musik, Geste und Ausdruck harmonierten gekonnt.

Das Duo schien angesichts der klasse Resonanz fast selbst überrascht zu sein – sicher eine wonnige Überraschung. Neben den Titeln der ersten EP kamen ergänzend frische Nummern zum Einsatz, die richtig Lust auf das kommende Album weckten. Die zweite Jugend ist bekanntlich die schönste. Was soll man sagen? Weitermachen!

Bodykomplex

Zügig trat der nächste Act auf und man fragte sich: „Was machen die langhaarigen Mexikaner mit den Wrestlingmasken auf der Bühne und warum sind das Finnen?“ Tja, es war Zeit für Bodykomplex, die – angereist aus sehr nördlichen Gefilden – ihr Debüt in Deutschland gaben.

Und das kam ebenfalls gut an: Zu hören waren sehr schnelle Bodyklänge aus ihrem Erstwerk Karma. Die Musiker legten einen Gig hin, welcher gespickt mit einigen weicheren Sounds und vielen netten kleinen Melodien war. Diese Mischung verlieh dem Ganzen einen ebenso charmanten wie antreibenden Unterton.

Je länger der Auftritt ging, desto selbstbewusster agierte das oft simultan shoutende Duo, man freute sich merklich über die Bewegung im Publikum. Angesichts der nicht so großen Bekanntheit ein echter Erfolg, der dazu führte, die ein Teil der Band sich auszog. Muskeln gab´s zwar nicht so viele, aber dafür noch mehr gute Laune. Gut gemacht!

Pokémon Reaktor

Es folgte der schrillste Auftritt des gesamten Festivals, denn Pokémon Reaktor polarisieren bekanntlich gerne. Ihre Quote für diese Haltung war am 19.03. richtig gut, denn die elektronische Crossover-Mixtur brachte nicht nur den sich schnell formierenden Pit mächtig in Wallung.

Ob Steam, Pressure, Drill & Kick It oder War mit der kleinen Wall Of Death für zwischendurch, hier ging´s mit viel Power zur Sache. Nur die Stimme des Sängers befand bei 1-2 Titeln zu sehr im Hintergrund, was wohl dem bandtypischen Getöse geschuldet war.

Die Band genoss ihren Auftritt, sprang auf der Bühne und zwischen den Fans herum. Eine große Luftbanane mutierte bei den letzten Fegern zum steten Begleiter im Publikum.

Es muss nicht immer typisch EBM sein, wild und verquer wird auch gern gesehen und gehört. Puh, das ging in die Beine, eine tolle Party für alle, die eine gewisse Selbstironie als belebend empfinden.

Full Contact69

Nun stand der anspruchsvollste Part an: Full Contact69 traten zum zweiten Mal bei einem EBM Stomp auf. Waren die Reaktionen beim ersten, durchaus gelungenen Auftritt noch etwas verhalten, so setzten sich die Musikfans an diesem Abend sofort in Bewegung – und sie blieben es bis zum Schluss.

Völlig zu Recht, denn der komplexe, extrem variantenreiche und dosiert pumpende Sound zog einen als Hörer sofort in den Bann.

Oft nahe bei Ikonen wie Front Line Assembly angesiedelt, faszinierte die Mixtur aus differenzierter Rhythmik und fast magischen Arrangements total. Lenker Andreas Schubert, nun mit modischer Kurhaarfrisur unterwegs, saugte die positiven Reaktionen natürlich gerne auf.

Einige neue Tracks die Albums ZOMBIE3 MA4CHINE machten mächtig Appetit auf dieses Werk, welches augenscheinlich die Möglichkeit hat, kultige FLA Alben wie Tactical Neural Implant zu beerben, ohne als einfache Kopie zu enden.

Die Vorliebe für Gun schimmerte etwa bei WE NEE3D SOME3 BA4CKUP deutlich und vor allem extrem gekonnt durch. Auch System Crash sorgte für eine gepflegte Breitseite mit kanadisch anmutendem Habitus.

Ohne zu übertreiben, Full Contact69 zählen zu den stärksten deutschen EBM/Industrial Projekten der Gegenwart und müssen sich vor großen Namen bestimmt nicht verstecken. Review des neuen Albums folgt demnächst.

NordarR

Den Award für Kampfgeist sackten anschließend NordarR ein, denn Sänger André trat mit doppeltem Rippenbruch auf.

Eine Powershow, die fast jedermann in der Halle zum mitunter manischen Stompen brachte, folgte. Mr. Dupont sorgte beim Auftritt für die passenden Soundmanipulationen, während der sicher schmerzhafte und beinharte Pressgesang nahezu perfekt saß und die Fans antrieb, alles zu geben.

Neben den Szeneerfolgen wie Ich bin, Ein Mann Mehr oder Alarm setzte man zudem auf einige neue Tracks, die sich nahtlos einfügten. Durch den Vorwärtsdrang des gesamten Auftritts hatte man irgendwann das Gefühl, dass der Sauerstoff in der Halle zur Hälfte weggeatmet war.

All das zusammen generierte ein besonderes Livefeeling, nur die letzte Zugabe ging aufgrund der Verletzung nicht mehr über die Bühne. Jeder verstand das. Respekt, das war NordarR pur: Rau und ausgestattet mit unfassbar treibenden und zackigen Bässen, dazu der Kick in den Allerwertesten. Kompromisse? No.

Was bleibt zu sagen? Gute Besserung!

Frontal

Sollten sich Frontal Sorgen gemacht haben, ob die Leute noch ausreichend Kraft und Bock auf Party mitbringen würden, so konnten sie diese schnell begraben.

EBM Stomps sind für die beiden sympathischen Musiker einfach ein guter Ort; sie werden hier immer gefeiert. Ihre vielen Interaktionen mit dem Publikum sorgen für Nähe, Drive und Dynamik – und natürlich wurde auch wieder gepogt, eifrig geshoutet und geknuddelt. Die etablierte Dreifaltigkeit ihrer Gigs.

Eine Reise durch die besten Titel der Band und gute neue Nummern folgten. Passend dosiert die Mischung aus schnellen und leicht schleppenden Titeln, denn manch einem tat eine kleine Verschnaufpause zwischendurch angesichts des im positiven Sinne mörderischen Abends dann doch ganz gut.

Den Jungs gehörte verdienterweise den Headliner-Status, denn die Geschichte des Stomps ist auch die Geschichte von kraftvollen Frontal-Momenten.

Für die abschließende Zugabe nach dem letzten Auspowern bei Muskelkraft und somit den idealen Abschluss sorgten dann Frontal und Zweite Jugend gemeinsam. Und zwar mit dem thematisch so passenden Depeche Mode Cover More Than A Party. Over and out, jetzt war erst mal dringend Flüssigkeitszufuhr angesagt.

Ausklang des EBM Stomps

Wer noch Saft in den Beinen hatte, der oder die nutzte die Aftershow, um sich noch mehr EBM um die Ohren zu hauen. Damit ging ein nahezu perfekter Jubiläums-Abend zu Ende, welchen die beteiligten Menschen sicher so schnell nicht vergessen werden.

Der Dank gilt allen: Den Organisatoren, den Mitarbeitern des Ladens, allen Bands und den Fans. Genau die richtige Mixtur.

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