Review: Dead When I Found Her – ‚Eyes On Backwards‘

Facebooktwittergoogle_plus

Das schon recht eindrucksvolle Dead When I Found Her Album All The Way Down liegt gerade mal ein Jahr zurück, schon folgt mit Eyes On Backwards die konsequente Fortführung eines kreativen Flows, welcher im Bereich des Dark Electro seinerzeit recht konkurrenzlos ist. Eine Band auf dem Höhepunkt ihres Schaffens?

Dead When I Found Her – Eyes On Backwards

Kreative Phasen weisen eine immense Eigendynamik auf: Nutzt man sie, so geschieht vieles von selbst, alles ist im Flow: Vision, Fähigkeit, Kraft und Motivation spielen perfekt zusammen.

Dead When I Found Her geht es derzeit wohl so, anders ist es nicht zu erklären, wie man in recht kurzer Zeit zwei Alben auf derart hohem Niveau generieren kann.

Mastermind Michael Arthur Holloway geht gerne einen Schritt zurück zu den musikalischen Ursprüngen düster-elektronischer Klänge mit Mut und Anspruch; namentlich: Skinny Puppy, Doubting Thomas, Mentallo & The Fixer oder gar die frühen NIN.

Und von dieser Position folgt der musikalische Step nach vorne. Mit der Folge, dass er oftmals so klingt, wie man moderne Skinny Puppy mitunter gerne hätte. Gotteslästerung als Kompliment?

Die Rückkehr der Faszination

Eyes On Backwards funktioniert als Gesamtwerk und als Album, auf dem einzelne Nummer auch isoliert eine mächtige Faszination ausstrahlen.

Denn genau das bewirken die komplexen und mitunter wuchtigen Soundkonstruktionen sowie der dosiert agierende und angemessen effektbesetzte Gesang häufig.

Dazu tritt ein virtuoses Sampling, welches etwa bei Tantrum das Album stilvoll eröffnet, ehe die Rhythmik die Nummer kapert.

Man spürt beim Sampling die aufgenommen Emotionen und das Unheimliche, was in ihnen mitschwingt.

In seinem musikalischen Ansatz schafft es der Protagonist insgesamt, das Düstere, das Harte und das subtil Melodische zu einer ganz eigenen – mitunter durchaus tanzbaren – Klangästhetik zu verschmelzen.

Eine Welt, die den geneigten Hörer schnell bindet; der Vortrag einer Band, welcher in dieser Welt einfach mehr Hörer verdient hat.

Kreative Highlights

Einige gradlinige Nummern sind natürlich an Bord: So etwa The Big Reverse, bei welchem wütende und tanzbare Dancebeats mit analogem Charakter dominieren. Typisch das Zusammen- und Gegenspiel aus analogen Ideen mit aktuellen Produktionsmethoden und den dazu passenden Sounds.

Derart straighten und typischen Dark Electro Nummern stehen düster-differenzierte Songs gegenüber. Etwa Braille und Unsolved History – gibt es vielschichtige & intelligente Albträume? Wenn ja, dann klingen sie in ihrem leicht schleppenden Vortrag und klangmäßig abwechslungsreichen Design auf akustischer Ebene genau so.

Nummern, die schlichtweg unter die Haut gehen und die sich wahrhaft als Untermalung für anspruchsvolle bis abstruse Filme anbieten.

Doch es geht durchaus verrückter, denn der kreative Flash folgt am Ende der Scheibe: Verrückt-treibende Drums und Klänge eifern beim schnellen und bösen Midlife Eclipse um die Wette, ehe die Nummer ruhiger wird und ihre Geschichte erzählt.

The Pines treibt die Kunst des Samplings anschließend in neue Sphären: Hier ist man ganz nah bei Doubting Thomas und schafft zugleich etwas Wunderschönes mit enormer Eigendynamik. Elektronische Musik kann sehr emotional sein, vielleicht einer des besten Tracks des Jahres.

Mit Stil verabschiedet das fast acht Minuten lange und sich langsam entwickelnde und mit Wendungen ausgestattete Servus Mundi den Hörer.

Fazit: Ganz ohne Zweifel ist das Album ein Statement, wie man faszinierenden(!) und variantenreichen Dark Electro heutzutage umsetzen kann. Es bündelt so ziemlich alle Stärken, welche dieser Musikgattung innewohnen können, aber oftmals vergessen werden. Düster, aber nicht übertrieben dunkel, bedrohlich und durchaus mit tanzbaren Momenten ausgestattet erschaffen Dead When I Found Her eine respektvolle und gleichzeitig zeitgemäße Idee des Skinny Puppy Ansatzes und leben selbige in einem eigenen Klangkosmos aus.

Wertung: 9.5 von 10 Punkten (9.5/10) Klangwelt Musiktipp

Eyes On Backwords Release Infos

Interpret: Dead When I Found Her
Label: Artoffact
Release: November 2016
Stil: Dark Electro

Tracklisting:
01. Tantrum
02. The Big Reverse
03. Shining Path
04. Braille
05. High Anxiety
06. Unsolved History
07. Midlife Eclipse
08. The Pines
09. Serus Mundi

Anzeige


Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar zu:
Review: Dead When I Found Her – ‚Eyes On Backwards‘

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Achtung: Der Kommentar muss noch freigegeben werden.

  • Interview: Eli van Vegas

  • Klangwelt Archiv

  •  

    © 2008-2016 Klangwelt: Electronic Body Music (EBM) – Synthie Pop – Electro
    Theme "Klangwelt" designed by Klangwelt based on Theme 'Blue Fusion' by andrej