Review: TSTI – ‚Endings‘

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TSTI - Endings Cover

Endlich mal wieder ein Synthpop-Album mit ergreifenden Momenten, welches sich tief in die Emotionen des Hörers eingräbt. TSTI rufen mit Endings etwas hervor, was sich nicht immer präzise skizzieren lässt. Doch genau dieses Diffuse und gleichermaßen Packende markiert eine herausragende Qualität des Projektes, welches sicher nicht nur Depeche Fans der Black Celebration Phase ansprechen dürfte.

TSTI – Endings

TSTI ist ein Soloprojekt von S. Smith, das bereits seit 2003 aktiv ist und dessen Bekanntheit sich noch in Grenzen hält. Der gewählte musikalische Kontext ist spür- und hörbar, es geht um besondere Qualitäten der 80er Jahre. Den Mut zum eigenwilligen Sound, zum Experiment und zur packenden und bisweilen düsteren Melodie.

Einerseits merkt man Endings natürlich den Bezug zur frühen mittleren Depeche Mode Periode an. Andererseits tritt die Vorliebe für stimmungsvollen Dark Wave hinzu.

Dunkel und mitunter subtil tönen die Tracks, das bewirkt der stets leicht hallende und extrem performante Gesang. Oftmals ist dieser nahezu unauffällig in den Songs verankert und doch prägt die ausdrucksstarke Stimme den jeweiligen Verlauf.

Um einen Vergleich zu ziehen: TSTI lösen auf diesem Album vieles ein, was etwa Second Voice in ihrer Frühphase versprachen und leider nicht langfristig halten konnten.

Packende Wendungen und Wirkungen

Bei Vergleichen sollte man allerdings nicht stehen bleiben, denn natürlich kommt immer etwas Eigenes hinzu. So zieht es sich komplett durch das Endings Album, dass der Sound ständig in Bewegung ist und nie vorhersehbar wirkt.

Viele Klänge sind eigen, experimentell angehaucht, in sich stimmig konzipiert und im Gesamtkonzept wendungsreich integriert. Das gilt für die Balladen (Sincertity) ebenso wie für die griffigen Nummern – herausragend hier der düster-faszinierende Opener Things I Would Do. Klar distanziert sich das Projekt damit vom eingängigen und schnell konsumierbaren Synthiepop vieler Projekte.

Ihm wohnt mehr Tiefe, Mut und Melodramatik inne, die Musik packt den Hörer von innen, ruft alte, diffuse und doch so erfreuliche Gefühle hervor.

Diese Ursprünglichkeit eignet sich durchaus für Clubs (etwa bei Naïveté), aber bei diesen Nummern möchte man eigentlich nur tanzende Schatten im Nebel sehen. Etwas von damals für heute, oder?

Experiment und Hymne – zwei Seiten des Endings Albums

Schleppend-experimentell wagt S. Smith mit Forgive Me oder dem industriellen To Visit You Again im Verlauf die Abkehr von bewährten Songstrukturen – und schickt die Hörer auf eine Reise ins Innere und Abwegige, die im nachdenklichen Flatter Me ihr Ziel erreicht.

Mit Strange Times inszenieren TSTI dann hymnische und einfach wunderschöne Momente. Perfekter und intensiver elektronischer Pop der alten Schule mit einem gesunden Schuss Nostalgie.

Abschließend ist zudem die Vorliebe für verlangsamte und dadurch fast drohend tönende Samples zu Anfang einiger Nummern zu erwähnen. Dieser leicht morbide Unterton irritiert beim ersten Hören mitunter – und doch passt er.

Fazit: Hier hat das Basic Unit Productions Label einen richtigen Treffer gelandet. TSTI schließen eine klaffende Lücke, denn ihr Synthpop ist griffig, eigen und bisweilen extrem intensiv. Soundauswahl und Melodieführung fallen weder zu glatt noch betont einfach aus, doch die – aus den differenzierten Strukturen ausstrahlende – Wirkung ist immens.

Wertung: 9 von 10 Punkten (9/10) Klangwelt Musiktipp

Endings Release Infos

Interpret: TSTI
Label: Basic Unit Productions
Release: Frühling 2017
Stil: Synthpop/Wave

Tracklisting:
01. Things I Would Do 4:25
02. Naïveté 4:12
03. Sincerity 4:33
04. Forgive Me 4:59
05. Strange Times 5:47
06. To Visit You Again 4:13
07. Flatter Me 4:02
08. R.A.S. 4:44

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