Review: kFactor – ‘Ghastly Monolith’

kfactor Cover100% old school Electro oder besser gesagt: 2CDs randvoll mit Dark Electro klassischer Prägung bietet die Doppel-CD Ghastly Monolith der Südamerikaner kFactor. Ein durchdacht produziertes Konzeptwerk, dessen Finalisierung endlich nach jahrelanger Vorarbeit erfolgte.

kFactor Doppel-CD 2015

Das kFactor Doppel-Album Ghastly Monolith komplettiert die hochwertige Sommeroffensive des Electro Agression Records Labels, die bereits die Veröffentlichungen von den Serpents und Astma umfasste.

kFactor stammen aus Brasilien, dahinter steckt Junior, der Mitte der 90er Jahre begann, mit Synthies herumzuspielen und in diesem Zuge eine explizite Nähe zu der frühen belgischen Musikszene entwickelte.

Dieser Erfahrungs- und Lernprozess dauerte Jahre, aber er vollzog sich. Explizit hörbar die inspirierenden Impulse von Bands wie Vomito Negro, Insekt oder The Klinik.

Dazu tritt der Hang, die Vocals sehr zu verzerren und in die Klanggebilde einzugliedern, sodass sie fast wie eine gleichberechtigte, aber eben nicht dominante Soundspur fungieren.

Daher sind diese 155 Minuten Musikerlebnis trotz der EBM Vorbilder aus den 80ern teils in den klassischen Düsterklängen der 90er Jahre zu verorten. Diese sehr stimmungsvolle Form des Dark Electros hatte es lange schwer, wird aber in letzter Zeit wieder mehr aufgegriffen (Object, Red + Test, Pyrroline usw).

Konsequente Konzeptmusik …

Das Doppelalbum, bestehend aus Ghastly Monolith (CD1) und Old School Prototype (CD2), setzt auf eine meist schleppende oder im Midtempo-Bereich anzusiedelnde Rhythmik, welche mit monoton-wabernden Strukturen und unheimlichen, extrem durchdacht eingespielten Samples angereichert wird.

Im Hintergrund verzerrt-hallenden Vocals untermalen die komplexe Szenerie; die mit einigen unerwarteten Sounds gespickte Klangmischung generiert eine unheimliche Stimmung.

Im Gegenzug lockern einige zackige Bässe das Werk auf und sorgen für die benötigte Stringenz in den Nummern.

Sehr dicht, sehr stimmig, mehr ein konzeptueller Soundtrack, der als Gesamterlebnis funktioniert, als ein normales Album. Man streift durch bedrohliche und doch wissenschaftlich exakt ausgearbeitete Traumlandschaften irritierender Machart.

Als Wegbegleiter fungiert ausschließlich der drohende Unterton, der im diffusen Dunkel durchschimmert. Hätte Lovecraft jemals die Chance erhalten, einen elektronischen Soundtrack seiner Geschichten zu akzeptieren, kFactor wären sicher in der engeren Wahl gewesen, denn sein “kosmisches Grauen” fordert synthetisches Klanggut ein, keine Frage.

… mit Vor- und Nachteilen

Eng umrissen der Musikansatz, glücklicherweise wird innerhalb des Rahmens immer wieder variiert, mal steht beispielsweise die rhythmische Ausarbeitung (Full Pressure), mal die mitunter an Skinny Puppy erinnernde Fläche im Vordergrund.

Ganz leicht wird es das Album dennoch nicht haben, denn die sparsame Wahl der Stilmittel stellen das untermalende Gesamterlebnis in den Vordergrund, weniger die einzelnen Titel an sich.

Manchmal fällt es schwer, einzelne Nummern im Gedächtnis zu behalten, denn der Ansatz setzt explizit nicht auf Melodie oder sehr griffige Passagen.

Er kann zwischenzeitlich durchaus anstrengend wirken, weil angesichts des Umfangs mitunter eine gewisse Ähnlichkeit zwischen den Nummern wahrgenommen wird.

Das ist an dieser Stelle gar nicht so bewertend gemeint, aber die meisten Hörer benötigen diese Anker. Darauf verzichten kFactor ganz bewusst, eine künstlerische Freiheit, die abseits ihre Folgen explizit genutzt wird.

Die Ausgestaltung der “belgisch” anmutenden Klänge an sich wirkt hingegen mehr als gekonnt und in der sehr strukturierten Form richtig durchdacht.

Es ist, wie oben beschrieben, nicht ganz leicht, aus dem sehr geschlossenen Ansatz einzelne Titel herauszupicken – und dennoch sollte man den extrem stimmungsvollen Opener Error anspielen, um zu schauen, ob die Faszination des kFactor Ansatze fest und eisig zugreift.

Zeit zum Hören mitbringen

Ansonsten fordert das Album ein, es mehrmals zu hören, denn es gibt immer wieder wohl platzierte Facetten zu entdecken.

In diesem Zusammenhang sorgen die durchweg gelungenen Remixe für Impulse: So verdeutlicht der You… Worm! Astma Remix schlummernde Perspektiven im kFactor-Ansatz und importiert einen guten Schuss Temperament.

Fazit: Man muss für diese Art bedrohlicher Musik abseits des schnell funktionierenden Trackansatzes sicher in der richtigen Stimmung sein und die nötige Offenheit mitbringen. Dies vorausgesetzt, setzen kFactor auf dem umfangreichen Doppelalbum den klassischen, belgisch inspirierten Dark Electro auf ihre Weise gekonnt in Szene und überzeugen besonders mit ihrem Sampleeinsatz. Man führt den Hörer in faszinierende Parallelwelten. Den großen Hit entdeckt man nicht, wohl aber ein umfangreiches Konzeptwerk, welches einen lauernd-düsteren Film vor dem inneren Auge generiert.

Wertung: 7.5 von 10 Punkten (7.5/10)

Ghastly Monolith Doppel-CD Release Infos

Interpret: kFactor
Label: Electro Agression Records
Release: Juli 2015
Stil: Dark Electro

Tracklisting:

Ghastly Monolith
01. Error 05:26
02. A Blind Spot 05:38
03. Take a Chance 04:28
04. Claustrophobia 04:12
05. Disorient 05:47
06. Lobotomy 04:43
07. Iron Tree 03:57
08. Prototype 06:14
09. Symmetry 05:48
10. White Monolith 06:41
11. You… Worm! 05:02
12. Parallel 05:43
13. Chrome 04:48
14. Casting Shadows 05:13
15. Full Pressure 04:56

Old School Prototype
01. Humans 05:44
02. Nature’s Dreams 04:39
03. Auto-Darwin 04:37
04. Faithful Children 06:07
05. The Right Course 05:29
06. For Vultures 04:35
07. No Land 04:30
08. A Dead Place 05:39
09. Images of a New World 05:41
10. A Dead Place (Jihad Remix) 04:58
11. Symmetry (Pyrroline Remix)05:06
12. A Blind Spot (Factory Automatic by Soillodge)04:39
13. Faithful Children (Serpents Remix)06:00
14. You… Worm! (Astma Remix)04:53
15. Prototype (Rapid Prototyping byTri-State) 04:59



 
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