Amphi Festival 2009: Bericht vom Samstag

Über 13 000 Gäste machten schon den Samstag des Amphi Festivals 2009 zu einem vollen Erfolg. Die vielfältige Bandauswahl sorgte für ein bunt gemischten Publikum, bestehend aus Gothic-Rock Fans, old school EBMern, Cyber- & Electro Freaks oder einfach interessierten Musikfans.

Amphi Festivalbericht 2009

Jäger 90

Wir waren ein bisschen spät dran und verpassten leider die talentierte Electropop Formation Auto-Auto. Das war allerdings schnell vergessen, als uns beim Betreten der geräumigen Rheinparkhalle gleich

Achtung ein Jäger!

entgegen schallte. Nach einem kurzen technischen Problem legten Jäger 90 mit ihren absolut minimalen und an D.A.F. orientierten Sound los.

Der klare Klang und die energische Stimme des Sängers Thoralf sorgten für Stimmung und ordentlich Bewegung in den ersten Reihen der gut gefüllten Rheinparkhalle.

Neben beliebten Tracks wie Blitze In Deinen Augen oder Muskeln wurden auch einige neue Songs vom kommenden Album Drischne Skasal präsentiert.

Den krönenden Abschluss des schweißtreibenden Konzerts im Stroboskop-Kreuzfeuer bildete der mittlerweile zum Kult avancierte Track Stiefelblitz.

Ein sehr guter Auftakt einer immer bekannter werdenden Band, die offensichtlich Spaß daran hatte, das Kölner Publikum mit dem Ausruf “Hallo Düsseldorf” zu foppen.

Jäger 90: Stiefelblitz live auf dem Amphi Festival 2009 (Youtube)
Jäger 90: Drischne Saksal live auf dem Amphi Festival 2009 (Youtube)

The Birthday Massacre

Als Begleitung eines längeren Rundgangs über das schöne Festivalgelände spielten The Birthday Massacre ihren häufig als Synthie-Rock bezeichneten Stil herunter.

Frontfrau Chibi überzeugte mit guter Laune, viel Bewegung und koketter Attitüde. Das kam beim Publikum gut an und war nett zu hören. Mein persönlicher Favorit war Red StarsHappy Birthday wurde leider nicht gespielt. Abzüge gab es beim Sound, der teilweise etwas verschwommen rüber kam.

Absolute Body Control

Es gibt diese nicht planbaren Momente, in denen alles stimmt. Erwartet hatte ich ein gutes und solides Konzert, aber bei Absolute Body Control funktionierte an diesem Tag alles: Ein druckvoller und glasklarer Sound, hervorragende Vocals vom gut aufgelegten Dirk Ivens mit dezenten, aber wirkungsvollen Effekten in bester The Klinik Manier.

Die Songsauswahl war einfach perfekt: Ein Klassiker nach dem anderen gab sich in rhythmischen Versionen die Ehre. Wirkungsvolle Lichteffekte und die passende Atmosphäre der Rheinparkhalle verstärkten den hypnotischen Bann des Auftritts.

Bereits nach dem Auftaktsong Melting Away hatte die Band das Publikum auf ihrer Seite. Die aktuellen Tracks der Never Seen Maxi reihten sicht nahtlos ein, wobei das überragende Into The Light den begeisterten Fans ein furioses Finale bescherte.

Das war melodische und minimal inszenierte Electronic Body Music der belgischen Schule in Perfektion – DAS Highlight des Tages.

ABC: Figures live auf dem Amphi Festival 2009 (Youtube)
ABC: Did You Do It? live auf dem Amphi Festival 2009 (Youtube)

Leaether Strip

OK – Zeit für Emotionen: Das erste Leaether Strip Konzert seit 17 Jahren in Deutschland. 1992 hatte ich ihn in Hannover und Braunschweig gesehen. Nach langen und schwierigen Jahren explodierte der Output der Band die letzte Zeit. Skepsis: Was würde er spielen? Einige der zahlreichen neuen Tracks sind klasse, andere eher durchschnittlich.

Are You Ready For
Some Old School?

Die Frage gab die Richtung vor: Back To The Roots und schon ging es nach dem Intro mit Strap Me Down los.

Das energiegeladene Set vor der größten Zuschauermenge der Leaether Strip Karriere bestand u.a. aus Songs wie Adrenalin Rush, Evil Speaks, Japanese Bodies, Don´t Tame Your Soul – alles Klassiker, die sowohl die damalige EBM-Szene als auch folgende (Dark-)Electro Acts geprägt haben.

Sicher – nicht alles war optimal: Der Sound war ab und an zu leise und die Höhen zu sehr betont. Das Wichtigste aber, die Energie, kam an.

Claus Larsen hat als Reaktion auf den Auftritt das Intro Battle Of Cologne auf die Leather Strip Myspace Seite gepackt. Da hat er offensichtlich die Publikumsreaktionen beim Liveauftritt gut vorhergegehen.

Covenant

Gut wie immer oder nur ganz nett? Für ihre Fans war der durchgestylte Auftritt auf dem Amphi Festival sicher top. Cooles Auftreten, sicherer Gesang und mit Speed ein richtigen Kracher an Bord. Das und obligatorische Hits wie Call The Ships To Port sorgten vor der vollen Hauptbühne für positive Reaktionen, die bei den neuen Tracks nicht ganz so offensiv ausfielen.

Verständlich: Einerseits wirkten diese beim ersten Hören sehr glatt und gleichförmig, andererseits kam immer dann eine gut gemachte Wendung, wenn nicht mehr damit zu rechnen war. Eine Einschätzung fällt dementsprechend schwer.

Feindflug & Laibach

Bei Feindflug war die Rheinparkhalle schlichtweg dicht und überfüllt, daher entfällt eine Beschreibung. Aber das Thema Fallen bekam durch losgelösten Putz von der Decke während des Auftritts von Feindflug eine neue Bedeutung.

Die Rheinhalle wurde vorsorglich gesperrt, so dass der Auftritt von Laibach zu späterer Stunde in das Theater verlegt wurde. Leider für unseren Zeitplan zu spät und vollkommen überlaufen. Mehr als schade – verdammt ärgerlich!

Fields Of The Nephilim

Statt Laibach also die Gothic-Rocker Fields Of The Nephilim. Und es hat sich durchaus gelohnt: Ein sauberer Klang, souveränes Gitarrenspiel und die typischen Vocals von Carl McCoy machten aus dem Auftritt in Nebelschwaden ein atmosphärisch dichtes Erlebnis. Mit Last Exit For The Lost beendeten sie einen stimmungsvollen Auftritt im Sonnenuntergang.

Ehrlich gesagt habe ich selten so viele glückliche Gothic-Rock Fans gesehen, für sie war das sicherlich Kult pur und wahrscheinlich in der Bedeutung das Gitarrenpendant zum Leaether Strip Auftritt.



 
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