Review: Die Krupps – ‘The Machinists Of Joy’

Die Krupps - The Machinists Of Joy - Album 2013Maschinisten überall. Nach Orange Sector entdecken auch Die Krupps ihre Liebe für elektronisch-schweißtreibende Anmut auf The Machinists Of Joy neu. Hier schließt sich der musikalische Kreis der Bandgeschichte und kondensiert alle Etappen zu einer brodelnden Soundmixtur.

Die Krupps – The Machinists Of Joy

Paradise Now, das letzte reguläre Die Krupps Album, stammt aus dem Jahr 1997 und fand seinen Anklang vor allem bei den damaligen Crossover-Jüngern und gemäßigten Metalheads.

Lange her … zum Glück könnte man fast nachschieben, denn derartige Musik gab´s damals an jeder Ecke – mehr oder minder talentiert rausgeschrammelt – auf die Ohren.

Da waren Die Krupps keine Ausnahme, auch wenn man einer so verdienten EBM/Industrial-Legende ihren Erfolg stets gönnte.

Die letzten Jahre machten einen erneuten Wandel dann immer wahrscheinlicher. Auf den Konzertbühnen eh immer ein Highlight, kehrten viele “alte” Elemente ins Set zurück.

Die Krupps spielten ihre alten EBM/Electro-Hits nicht nur wieder verstärkt live, sie arbeiteten selbige auf ihren Compilations zudem druckvoll und detailliert aus – das schrie nach mehr, zumindest aus Sicht einiger Fans.

Skeptische Momente im Vorfeld

Der Titel The Machinists Of Joy, angelehnt an die legendäre Kooperation The Machineries Of Joy (Wahre Arbeit; Wahrer Lohn), weckte (nicht nur im EBM-Lager) Erwartungen und Hoffnungen.

Und doch war Skepsis angesagt. Die EP Als Wären Wir Für Immer und die Vorabsingle Risikofaktor warfen mehr Fragen auf als Antworten zu geben, sie wirkten fast gehemmt bis blutleer.

Wo war die Power der Band geblieben, das Antreibende und Freche – Getriebeschaden?

Fast musste man Sorge haben, dass die Formation um Jürgen Engler in Vergleich zu den neuen EBM-Formationen der letzten 10-15 Jahre nahezu flügellahm wirken könnte. Und das will bekanntlich niemand.

Rückwirkend betrachtet befand sich die Band wohl im Tarnkappenmodus, nach dem leichten Gerät wartet erst The Maschinists Of Joy mit schwerem Geschütz auf.

Die elektronische Soundschmiede im Hochbetrieb

Wer hätte gedacht, dass Die Krupps sich nochmals so intensiv und liebevoll mit ihren Maschinen und Sequenzern auseinandersetzen würden, den pumpenden Bass laufen, wüten und rotieren lassen?

Wer hätte geglaubt, dass die Band es tatsächlich wagt, ihre kommerziell doch erfolgreiche Metal-Phase der 90er Jahre zu suspendieren, ohne komplett auf Gitarrenspiel zu verzichten?

Und wer hätte erwartet, dass die deutlich spürbare Referenz an die “frühen”, elektronisch versierten Krupps so kraftvoll und zeitgemäß tönt und weit entfernt von einem Selbstzitat daherkommt?

Frisch, frech und mit viel Dynamik

Die Krupps greifen auf ihren ursprünglichen Sound zurück, modernisieren selbigen und ergänzen ihn mit den Erfahrungen der 90er Jahre – alles vorgetragen im zweisprachigen Mix von Mastermind Jürgen Engler.

Die Veteranen fokussieren die Elektronik und strotzen dennoch vor rockig/punkig implementierten Passagen. Typisch Die Krupps. Klassisch Die Krupps. Und eben hörbar Die Krupps – kein milde gestimmtes Alterswerk.

In The Machinists Of Joy stecken über 30 Jahre Bandgeschichte, es sind neue, kompakte Songs, die 2013 in einer extrem satten Produktion angerauscht kommen.

Ein Blick zurück im Zorn zelebriert das aufflammende Temperament, gibt der Synthese ein überzeugendes organisches Gewand.

Lediglich die Premiere des Themas “Maschinist” schnappten Orange Sector den Krupps dieses Jahr bereits vor der Nase weg.

Kruppsche Tanzbefehle vom Maschinsten

So wird der EBM-Hammerstampfer Schmutzfabrik wohl in Zukunft in den Clubs gerne in Kombi mit dem OS-Erfolg Der Maschinist seinen Testosteron-Charme versprühen, ein derbes Brüderpaar, das gerne schwer bestiefelt die Tanztempel malträtiert.

Der Stomper dürfte Freunde jüngerer EBM-Bands wie Spetsnaz ebenfalls komplett überzeugen.

Ebenso hitverdächtig: Robo Sapien wird angesichts des ebenso einfachen wie genialen Refrains vermutlich locker zur neuen Die Krupps Hymne heranreifen und zudem Musikfreaks zusagen, die weniger auf die Instrumentierung, sondern eher auf die Songidee achten.

Relaxt bis cool umgesetzt laden gemäßigte Titel wie Part Of The Machine, das Titelstück The Machinist Of Joy und Essenbeck zum wuchtigen Mitwippen ein, während Eiskalter Engel einen fast naiven balladesken Moment generiert. Im Stahlwerk wird neuerdings geschmust.

Bissige Lyrics

Natürlich beißen sich die Düsseldorfer auch im vierten Jahrzehnt der Existenz nicht auf die Zunge: So schütteln Tracks wie Im Falschen Land oder im Schatten Der Ringe nicht nur die Körper durch, sondern geben der hoffentlich vorhandenen Denkfabrik Nahrung.

Die lohnende Zusatz-CD bringt noch etwas mehr Gitatrreneinsatz und enthält das bekannte und flotte Punkcover Industrie-Mädchen, das bereits die alternativen Charts stürmte.

Fazit: Ein unerwartet starkes und elektronisches Album der Legende. Und sicher eines der besten der Bandgeschichte, vorbei die Metalzitate, die stets erfolgreich waren, aber eben musikalisch nie sonderlich befriedigend klangen. Die Krupps generieren 2013 vielleicht kein neues Genre, aber sie (re-)definieren Qualität.

Ein Bonuspunkt für diesen mutigen Schritt auf einem Album, dessen Wucht und bis auf wenige Ausnahmen homogene Qualität lange nachhallt. Der Maschinist dankt, alte und neue Die Krupps Fans ebenfalls.

Wertung: 9 von 10 Punkten (9/10) Klangwelt Musiktipp

Release Infos

Interpret: Die Krupps
Label: Synthetic Symphony
Release: 25.10.2013
Stil: EBM/ Industrial Rock

Tracklisting (limitierte Edition):

  1. Ein Blick zurück im Zorn
  2. Schmutzfabrik
  3. isikofaktor
  4. Robo Sapien
  5. The Machinist of Joy
  6. Essenbeck
  7. Im falschen Land
  8. Part of the Machine
  9. Eiskalter Engel
  10. Nocebo
  11. Nazis Auf Speed
  12. Panik
  13. Sans Fin
  14. Neue Helden
  15. Industrie – Mädchen


 
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