Review: Akalotz – ‘Confront’

Akalotz ReviewMit Bravour lösen Akalotz die Aufgabe, auf ihrem zweiten Album Confront einen Schritt nach vorne zu machen. Sie konfrontieren ihre Fans mit wuchtigen und gleichsam ausgearbeiteten EBM-Klängen alter Schule, scheuen aber im selben Atemzug nicht davor zurück, passende moderne Impulse dosiert einzubinden.

Der Vorgeschichte von Confront

2007 gegründet, entwickelten Akalotz kontinuierlich ihre ganz eigene Musikmixtur, welche persönliche Vorlieben aufgreift. Sie setzen auf klassischen Electro und EBM im Stile der 80er Jahre und kombinieren diesen Ausgangspunkt mit geeigneten (!) modernen Einsprengseln.

Dabei ließ man sich Zeit zum Reifen, denn nach dem Einstieg von Nico Klenner (2013 als Drummer) und gesteigerten Liveaktivitäten erschien erst 2014 das Debüt Shift To Evil. Mit Wirkung, denn die anfangs noch sehr kleine Fangemeinde wuchs an. Dafür sorgten auch die überzeugenden und intensiven Gigs der Band.

Doch wie geht´s nun weiter? Album Nummer zwei gilt immer als eines der schwierigsten, will man denn den Status als Eintagsfliege hinter sich lassen. Identität stärken und Raum für Fortschritt lassen, diese beiden Anforderungen gilt es zu einen.

Akalotz auf straightem Konfrontationskurs

Schon der Opener Man On The Run ist mehr als gut gewählt, denn er bündelt die Qualitäten des Confront Albums perfekt: Knallige EBM-Beats, deren Groove durchweg animiert und gleichzeitig fesselt, sowie griffig-mitreißende Bässe treffen auf gepresste Vocals.

Die Band generiert oftmals jene Faszination, welche die EBM Musik vor einigen Jahrzehnten fast durchweg ausmachte. Sie sind Beschwörer des harten und klaren Klangs, in den man komplett verschwitzt eintauchen möchte, immer der aufziehenden Gefahr mutig entgegen blickend.

Heraufbeschwören, nicht blind reproduzieren – diese Differenzierung ist hier allerdings wichtig, denn moderne Einsprengsel, welche den Akalotz Ansatz an passenden Stellen verfeinern, treten hinzu.

Selbige verorten die Musiker trotz retrospektivem Respekts glücklicherweise schnurstracks in der Gegenwart. Und so können etwa alte 242 und Vomito Negro Fans ebenso ihre Ohren aufsperren wie jüngere Hörer, welche einen straighten EBM Ansatz favorisieren und es düster mögen.

Umfangreiches Album auf konsistent hohem Niveau

Zudem fällt der Umfang des Albums ins Auge: Satte 16 Tracks und 5 ausgearbeitet Remixe (u.a. von den belgischen Altmeistern à;GRUMH) geben den EBM Fans das, was sie brauchen. Kein Zufall, das EAR Label legt Wert auf gefüllte Alben mit Anspruch.

Und zwar auf konsistent hohem Niveau: Mit Warzone hat man nicht nur einen der besten Bandsongs überhaupt Start, sondern zeigt gleichzeitig eine Weiterentwicklung beim Einsatz der Vocals. Sie werden trotz hart-gepresster Ausrichtung etwas mehr variiert – und das eröffnet einfach mehr Möglichkeiten des Ausdrucks.

Dieser neue Schritt verstärkt die Eigendynamik in den Songs (Rapt. Tears) und wird hoffentlich noch weiter ausgebaut, denn hier ist noch Potenzial vorhanden.

Konsistenz kennzeichnet ebenso die Klangauswahl, die absolut durchdacht und in sich stimmig wirkt. An vielen Stellen keimt ein Gefühl auf, welches man als Gefahr im Verzug beschreiben könnte. Und genau so etwas macht gute EBM/Electro Klänge mit hartem Anschlag bekanntlich aus. Dieses alte Front 242 Vermächtnis aufzugreifen, entpuppt sich als wirksamer und geschickter Schachzug.

Im Verlauf überzeugt die Vorliebe für zackige Bässe (Orange Is Black) ebenso wie die geschickt implementierten Samples (Escalate To Dominate). Und wenn einige wütende Shout-Passagen hinzutreten, denn wird die Kraft von Akalotz fast physisch greifbar.

Passende Rhythmuswechsel sorgen zudem immer wieder dafür, dass das homogene Album nicht zu eindimensional daherkommt. Für die Clubs bietet man gleich reihenweise Titel an: Neben den genannten Nummern sind etwa Take Like A God, Exit oder das zügige Maverick Safety gut geeignet. Hier einen die Pfälzer die Aspekte Tanzen und Mitkämpfen, so sehr dringen die Klänge durch Mark und Bein.

Etwas verspielter und dadurch überraschend kommt im Verlauf mit No Signal Response ein weiteres Highlight zum Vorschein, das kultige 242 Fanfarensounds enthält.

Passend gestaltete Remixe

Bei den Überarbeitungen merkt man als Hörer schnell, dass die Remixer nicht nur eigene Ideen hatten, sondern sich auf die Nummern gut einlassen konnten. Hervorzuheben der abgefahrene à;GRUMH Remix von Confront – man könnte fast meinen, beide Bands würden gerade gleichzeitig auf der Bühne herumtoben!

Fazit: Akalotz absolvieren mit Confront einen selbstbewussten Schritt nach vorne. Sie schärfen und verfeinern ihren wuchtigen EBM-Sound gleichermaßen – und zwar durchgehend. Dosierte moderne Einsprengel ergänzen die hörbaren Vorbilder und zeugen davon, dass in dem Konzept eine Perspektive integriert ist. Positiv und weiter ausbaubar die besseren Vocals. Sicher eine der spannendsten und natürlich umfangreichsten EBM-Releases im Jahr 2017. Weiter so!

Wertung: 8.5 von 10 Punkten (8.5/10)

Confront Release Infos

Interpret: Akalotz
Label: Electro Aggression Records
Release: Juni 2017
Stil: EBM

Bezug via Bandcamp

Tracklisting:
1 Man On The Run
2 Take Like A God
3 Warzone
4 Rapt Tears
5 Ages Of Sorrow
6 Canting Monger
7 Awake The Force
8 Orange Is Black
9 Mad Mind
10 Confront
11 Maverick Safety
12 Nothing Between Us
13 No Signal Response
14 Escalate To Dominate
15 Mirage Over Limit
16 Exit
17 Canting Monger (Serpents Remix)
18 No Signal Response (Nuclear Remix By Plastic Noise Experience)
19 Rise And Fall (Pyrroline Remix)
20 Confront (à;GRUMH… Remix)
21 Mirage Over Limit (kFactor Remix)



 
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