Review: The Next Generation – ‘Anniversaries & Splendid Tragedies’

next_generation_coverNach über 20 Jahren Pause schmeißen The Next Generation mit Anniversaries And Splendid Tragedies erneut die Maschinen an. Eine Band, die aus familiären Motiven eine Pause einlegte und nun zurückkommt, als wäre diese Zeitspanne nur ein kurzer Atemzug gewesen.

The Next Generation – Anniversaries And Splendid Tragedies

Letztes Jahr reanimierte Mastermind Tom S. seinen altes Projekt. Passend – 2010 charakterisierte sich generell als Zeitraum, in dem neben frischen EBM-Acts viele alte Veteranen ihren Weg zurück zur Musik fanden.

Ein Jahr später stellen die Schweizer The Next Generation ihr vollendetes Werk vor, an dem viele alte Bandmember ebenfalls mitwirkten und dessen Sound Kontinuität und Erneuerung gleichermaßen widerspiegelt.

Variantenreiche und kraftvolle EBM ohne Schablone

Der Opener Bloody Pierced ebnet den Weg – ein Basslauf, der etwas an Go Back von The Klinik erinnert, treibt den Track an. Kräftige und tiefere Vocals als zu 80er Zeiten schaffen einen mörderisch guten EBM-Track. Zugreifend die Melodie, antreibend die Rhythmen – ein Clubmonster. Hält mit der Härte jüngerer Bands locker mit.

Konsequent zieht die Band alle Register: Ausgefeilte Drums, ungewöhnlich betonte Vocals und geschickt arrangierte Soundspielereien lassen das Werk in den verschiedensten Nuancen erklingen. Mal hart wie beim Opener, dann wieder schnell und frisch (Compassionate Torture) oder tanzbar entrückt (Billabong Killer) wechseln The Next Generation schnell ihr klangliches Angesicht.

Ganz klassisch hingegen die recht wuchtige und dennoch tributartige Neuinterpretation von Coitus Interruptus, welche als Vorabdemo schon auf das Album hoffen ließ.

the next generation promo Bei allen Referenzen an den klassischen EBM-Sound sind The Next Generation vor allem eines: individuell. Keine abgegriffenen Presetsounds, nein – hier dominieren ungewöhnliche Arrangements und konsequente Tempowechsel – das Werk von Profis. Vor allem entzieht sich die Formation einer vorschnellen Pauschalisierung, zu eigenwillig die Ideen und originell die Umsetzung.

Ungeahnte inhaltliche Aktualität

Besonders die düsteren Sprachfetzen, geschickt eingebaut, verleihen den Songs ein dunkles und industrielles Feeling. Und dann kommt jener Moment des Albums, der jetzt wie eine Vorahnung wirkt. In Anbetracht der derzeitigen Lage in Japan, bekommt Nuclear Accident einen bitteren Unterton.

Der Soundtrack einer realen Hölle, inhaltlich und musikalisch mehr als eine Gänsehaut verursachend.

Everything in under control.

No Comment.

Ein paar Passagen erinnern an das völlig unterschätzte Terror Against Terror Werk Psychological Warfare Technology Systems. Nicht zwangsläufig in der Machart, sondern durch die atmosphärische Dichte. The Next Generation bauen unterschwellig experimentell-lärmige Ideen ein. Elemente, die in der EBM-Musik in dieser Form länger nicht zu hören waren. Creeping Pollution baut diesen Ansatz rund um die klaren Vocals dosiert aus.

Den Gegenpol forcieren einfache, danceorientierte Tracks wie Fearless, das stompende Next Hang It On oder das überraschend gut gelaunt und beschwingte The Wait Is Over! Gekonnt ist gekonnt. Durch den Verzicht auf seichte Sounds wirken diese Songs nicht vorhersehbar und angepasst, sondern locker und aufmunternd.

Anniversaries And Splendid Tragedies erkundet das härtere, elektronische Terrain neu, lotet verwaiste Wege aus und verliert dabei nie die Orientierung. Variantenreiche Body Music weit weg von Hellectro-City, Futurepop-Town oder den neuen, so-called Industrial-Suburbs. Kurzum: originell und geil.

Wertung: 9 von 10 Punkten (9/10)Klangwelt Musiktipp

Anniversaries And Splendid Tragedies Release Infos

Interpret: The Next Generation
Label: Thexoomo
Release: März 2011
Stil: EBM / Industrial / Electro

Tracklisting:
1. Bloody Pierced 3:46
2. Compassionate Torture 4:51
3. Billabong Killer 4:12
4. The Wait Is Over 4:16
5. Fearless 5:10
6. Coitus Interruptus 4:43
7. Nuclear Accident 4:41
8. Creeping Solution 4:05
9. Hang It On! 4:09
10. Mom Is Gone 3:04
11. Billabong Killer (Live, St. Michaelsparty, 03.10.2009))



 
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