Review: Liquid G. – ‘Overdose’

Liquid G. - Overdose Overdose, das neuste Werk von Liquid G. erinnert an die Stärken derber belgischer Elektronik. Kein Werk, das sich leicht zugänglich zeigt. Der Reiz entfaltet sich stetig. Vergleiche zu frühen Vomito Negro oder The Klinik drängen sich passagenweise auf, bilden aber nur die eine Seite von Liquid G. ab.

Liquid G. – Overdose

Peter Van Bogaert aka Peter Punk beackert schon im dritten Jahrzehnt die alternativ-elektronische Musikszene.

Ein Rebell mit eigenen Ideen. Vielleicht ein Grund, warum ihm der größere Erfolg bisher verwehrt blieb. Aber auch ein Merkmal, das davor schützt, in den allseits drohenden Gleichklang zu verfallen.

Overdose rotiert, brodelt und rumpelt abseits gängiger Konventionen. Minimale Midtempo-Rhythmen fordern zum Technologie-Tanz auf, der Gesang geht in Echos, Nachhall und entfremdenden Melodien auf.

Peter Punk verpasst auf seinem neuen Album den Hörern zwar keine Überdosis, aber eine krachende Dröhnung. Und ganz nebenbei subtil wirkende Nadelspitzen akustischer Machart.

Lärmend abseits puren Krachs

Liquid G.bannen Dissonanzen in eine charismatische Struktur. Harte Vocals, fordernde Samples und industrielle Einflüsse fusionieren zu einem heftigen Gebräu.

So klassisch ‘old school’ dieses Vorgehen anmutet, ergänzende moderne Sounds sorgen stets für überraschende Ausbrüche. Ganz klar: Vorhersehbar soll die Scheibe ganz bestimmt nicht klingen.

Nicht immer zünden die Titel sofort, ihr Reiz wirkt aber nach; er fixt den Hörer an – mehr! Und nach dem ein oder anderen Durchlauf steigt man gerne nochmals ein. Die ‘Überdosis’ kommt in Schüben, geschickt Herr Punk!

Eine Überdosis in Schüben

Ein ambitioniertes Spektakel, das Liquid G. mit Overdose abliefern. Allerlei harte elektronische Genres spielen zusammen – generieren einen herbes Erlebnis: Electro-Punk, Industrial und EBM.

Und natürlich die schrägen bis teilweise experimentellen Ideen (Control Your Mind) des Peter Punk.

Das kann durchaus in clubtauglichen Eruptionen münden, wie Drop That Fat Bomb oder das furiose Inferno zeigen.

Rhythmischer Lärm mit entfremdeten Geschrei (Lies) verstört und packt den Hörer gleichermaßen. Ein Lehrstück für alle Bands, die denken, sie machen Industrial und die in Wirklichkeit nur übersteuerten Billig-Techno produzieren.

Die Nähe zu belgischen Kollegen wie The Klinik, Vomito Negro oder auch frühen Insekt schält sich beizeiten (Fuck The System, Overdose) in den Vordergrund.

Gelernt ist gelernt und die Konstruktion einer elektronisch-beängstigende Szenerie versprüht stets ihren eigenwilligen Reiz.

Die belgische Klang-Provenienz verleugnen Liquid G. somit nie. Overdose zeigt sich futuristisch bis harsh und doch angenehm traditionell im Habitus.

Fazit: Nichts für Hörer, die nur nette, tanzbare Musik benötigen. Eher was für verwegene Haudegen, denen der gut gemachte und durchdacht(!) inszenierte musikalische Schock nahe steht.

Wertung: 8 von 10 Punkten (8/10)

Overdose Release Infos

Interpret: Liquid G.
Label: EK Product
Release: 21.06.2013
Stil: Industrial/EBM/Electro

Tracklisting:
01. Introduction
02. Drop That Fat Bomb
03. Lies
04. Fuck The System
05. Explanation
06. Inferno
07. Pills
08. Overdose
09. Insomnia ( EK edit )
10. Lost In Your Dreams
11. Control Your Mind
12. Overdose pt. 2
13. Reject Religion
14. World Hunt
15. Overdose ( extended Chaos remake )



 
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