Review: Sampler – ‘Net.Ware Funja’

Net.ware Funja ReviewSchräg, mutig und tendenziell unbekannt. Das Electro Arc Label sucht seine Samplerbands scheinbar nach diesen Vorgaben aus. So auch auf Net.Ware Funja, einer Compilation mit sehr unterschiedlichen Beiträgen. Eine Chance – sowohl für frische Acts als auch für offene, stets das Neue suchende Hörer. Man muss sich nur darauf einlassen können.

Sampler – Net.Ware Funja

Electro Arc Sampler sind auf ihre Weise schon vogelwild. Das fängt bei den gewohnt grellen und kuriosen Coverfarben an und mündet bei ungewöhnlichen, weil oft unerwarteten Klängen im elektronischen Alternativspektrum.

Net.Ware Funja bündelt wie die Vorgänger des Labels “junges Fleisch” aus dem tendenziell düsteren und alternativen elektronischen Spektrum.

Eine Chance für Newcomer, keine Frage. Zudem ein mutiger Ansatz, weil das Label kaum auf etablierte Zugpferde setzt.

Der Electro Arc Labelchef selbst äußert sich konsequent zu seinem Ansatz, indem er betont, keine oder kaum Musik zu hören, die älter als drei Jahre sei.

So etwas klappt natürlich nur mit vorhandener Besessenheit (und einer gewissen kommerziellen Ignoranz) und davon bietet Electro Arc reichlich.

Wenn man also noch etwas sucht, was man ehrlichen Gewissens als Independent bezeichnen kann, dann wohl die ganzen Sampler des Hauses.

Vielseitig in allen Facetten – mit allen Vor- und Nachteilen

Net.Ware Funja gibt extrem unterschiedlichen Bands seine Chance.

Und so kann es natürlich passieren, dass nach einem – natürlich subjektiv betrachtet – tollem Stück das akustische Elend dieser Welt folgt.

Zumindest, wenn man es überspitzt formuliert. Was bleibt also zunächst hängen?

Von Pop bis hin zu düsteren Abgründen

Es geht es ganz harmlos und eingängig los, denn Vainerz sind fast schon als etabliert zu bezeichnen und bieten einfach richtig guten Electropop.

Und dazu zählt ihre Single Love Run. Dem Titel ist schlichtweg Hitpotenzial zu bescheinigen.

Finkseye spielen anschließend ihr Domination Game, ein schicker und düsterer Schleicher im gut gemachten elektronischen Gewand der 90s. Bleibt hängen, obwohl wenig auf Effekte gesetzt wird, was letztendlich für den Song an sich spricht.

Mit den in letzter Zeit öfter diskutierten Pfälzern Akalotz ertönt im weiteren Verlauf ein stimmungsvolles Highlight, das teilweise an frühe Vomito Negro gemahnt und natürlich richtig Stoff für die old school Electro/EBM Fraktion liefert.

Gleich danach folgen die polnischen Minimalisten La Santé, die mit ihren treibenden, hypnotischen Strukturen leider immer noch unterschätzt werden. Das sollte sich perspektivisch ändern, die Mukke funzt nämlich hervorragend.

Das aufkeimende Grinsen kann einem allerdings auch vergehen, wie etwa bei Industrial Ferret: Sie bekommen es hin, diverse abgelutschte und überhörte Aggrotech-Sounds der letzten 10 Jahre mit überflüssigem Vocalgefauche zu kombinieren.

Wenn schon derbe Stimmeffekte, dann besser mit The Aenigmachine, die mit ihren Song Not Exist durchdachten Dark Electro in die Welt setzen. Passt.

Produktionsniveau

Hochglanzproduktionen sind auf Samplern mit jungen Bands meist nicht zu erwarten und einige Projekt sollten ob des Klangs tatsächlich nochmals nachbessern (A Industrya).

Dennoch legen nicht wenige Formationen richtig ausgetüftelte Nummern vor, deren Anspruch sich vor bekannten Gruppen eben nicht zu verstecken braucht.

Nemesis21 beispielsweise überzeugten auf den Electro Arc Samplern schon mehrmals und liefern in Form von Nuclear Heart dieses Mal wieder eine klasse Nummer ab.

Diese benötigt zwar etwas Entwicklungszeit und bindet dann einfach.

Gradliniger Clubstoff mit EBM-Habitus und provokanten Samples von Machine Revenge spricht die Muskeln direkt an. Einfach und vor allem einfach gut gemacht.

Der Track treibt an und erinnert an Cauterized von Cyber-Tec. Das war bekanntermaßen seinerzeit ein Knaller.

Zum Schluss noch ein abgefahrener Hinhörer: The Paradox tragen Dance It All Away vor.

Ein schräger, spaciger Soundtrip, der moderne Sounds wunderbar verquer und originell auf den Floor bringt und die Frage aufwirft, ob im Kaffee doch noch etwas Anderes war…

Der Rest benötigt vielleicht noch ein paar Durchgänge, aber das muss kein Nachteil sein – die Hälfte aller Skinny Puppy Alben funktionierte genau so.

Fazit: Ob freudiger Entdeckerstolz, interessiertes Lauschen oder die Tendenz zur Spontanflucht – Net.Ware Funja ruft so ziemlich das komplette Verhaltensspektrum hervor. Es ist also nicht ganz unanstrengend. Dennoch lohnt sich das Wagnis, weil hier ein komprimierter Blick auf das, was kommen könnte, geworfen wird. Und den Vorwurf, nur ausgetretene Pfade zu begehen, braucht sich das Label ganz bestimmt nicht machen zu lassen.

Wertung: 7.5 von 10 Punkten (7.5/10)

Net.Ware Funja Release Infos

Label: Electro Arc
Release: 24.10.2014
Stil: Industrial/EBM/Electro/Dark Electro/ Electropop/Aggrotech

Tracklisting:
01 Vainerz – Love Run (Club Net.Ware Mix).. 4:43
02 Finkseye – Domination Game (Club Mix) .. 4:27
03 A Industrya – Temporary Loss (Feat. Hatech) .. 4:54
04 Akalotz – Body Crashed Bones (Muscles on the Move Rmx) .. 4:54
05 La Santé – Ty I Nikt .. 3.29
06 Industrial Ferret – Unstoppable Tropical .. 5:24
07 The Aenigmachine – Not Exist .. 6:12
08 Nameless City – Leng (Concert Version) .. 8.11
09 Nemesis21 – Nuclear Heart V 1.0 .. 5:33
10 Ghost Of Decline – Under Water .. 5.12
11 Machine Revenge – Absolut Reaction Control .. 5:27
12 Blinky Blinky Computer Band feat. Inside Agitator – Flesh Eating Zombies .. 4.51
13 Industrial Organisation – Kriegsmaschinen .. 3:24
14 The Paradox – Dance It All Away .. 4:18



 
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