Review: My Love Kills – Back To Life

Artikelgrafik: Review – My Love Kills – Back To LifeNachdem sich das Qualitätslabel Progress Productions im Februar 2022 das französisch-schwedische Duo My Love Kills geschnappt hatte, schiebt es prompt eine erste, sehr vielversprechende Single namens Back To Life nach. Und diese siedelt sich hoffnungsvoll zwischen damaligen und aktuellen Dark-Electro-Größen an, ergänzt differenzierte elektronische Strukturen mit Drive und Melodie.

My Love Kills – erste Single via Progress Productions

Es war spürbar, wie sehr Progress Productions die Single Back To Life von My Love Kills pushte. Offensichtlich verspricht sich das Label, das seine Bands sehr dosiert und bewusst aussucht, mehr von dem Signing als die bloße Komplettierung des Portfolios.

Dass die Wahl auf Duo fiel, resultiert natürlich nicht aus bloßer Intuition. My Love Kills sind bereits seit dem letzten Jahrzehnt aktiv. Sie veröffentlichten in Eigenregie – und dadurch mit begrenzter Reichweite – bereits zwei Alben und diverse EPs/Singles.

Eine Entwicklung ist dabei klar erkennbar: Fabrizierten die Member V.V. Arkames (Gesang, Mitglied von Ad Inferna) und Fredrik Sigeback (Sythies, Mitglied von Erotic Elk) auf der ersten Single Love Undone noch tiefgehenden Electropop mit Drive, so näherten sich die Tracks bereits auf dem Debüt Glitch (2019) mehr dem düsteren, geschickt vertrackten Sound des klassischen Dark Electros an.

Auf explizite aggressive Aussprache, Bilder und Wortschöpfungen verzichteten die Musiker aus Frankreich und Schweden zu Beginn allerdings ganz bewusst. Sie agierten eher “moody”, boten dabei unverfälschte oder nur leicht effektbesetzte Vocals. Auf dem Nachfolger Imitatio Dei (2020) wurde der Vortrag anschließend morbider, der Ausdruck mitunter derber und der Gesang phasenweise scharfzüngiger.

My Love Kills etablierten sich in der Schar ernstzunehmender junger Dark-Electro-Acts. Und wenn man zu diesem Zeitpunkt Vergleich zu aktiven, namhaften Genre-Kollegen zog, dann lagen Dead When I Found Her bisweilen zumindest nahe.

Back To Life

Back To Live bringt nun die skizzierten Eigenschaften von My Love Kills auf den Punkt und haucht der ewigen Faszination morbid-vielschichtiger Klänge neues Leben ein.

Die Flächen gemahnen im morbiden Intro in ihrer unheilsschwangeren Wirkung an Größen wie Skinny Puppy, während die Strophe mit einer brodelnden EBM-Sequenz auffällig kraftvoll einschlägt.

Finster und gepresst die Vocals, welche im Refrain eine überraschende Wendung vollziehen: Sie agieren gleichberechtigt zu den durchdacht arrangierten Sounds, wirken mehr aus dem Hintergrund und ändern den gesamten Ausdruck des Titels. Melodie und eingespielte Gitarren bilden hier einen überraschend eingängigen und fast rockigen Gegenpart zur Strophe.

Das Wagnis gelingt, denn die Komposition von Viconte und Arkames gewinnt nun an Gestalt und Eigendynamik. Ebenso schaffen es die Musiker ihre (nordamerikanischen) Einflüsse in einer Form zu integrieren, welche das Individuelle in ihren Tracks nicht verdrängt. Spannend!

Fazit: Der Zeitpunkt, vor allem aber das musikalische Können für die erste Single auf einem renommierten Label stimmt. Back To Life bietet stimmungsvolle Dark-Electro-Kost mit angenehmen EBM-Einfluss und einer unerwartet melodiösen Wendung im Refrain. Spürbar die Tradition dieser Gattung, die Nähe zu den Größen von damals und heute, aber auch das Selbstbewusstsein, den Klang an den aktuellen Möglichkeiten von Produktion und Technik auszurichten. Da kommt hoffentlich mehr, denn die Single setzt ernstzunehmende Akzente.

Wertung: 8.5 von 10 Punkten (8.5/10)

Back To Life Releaseinfos

Interpret: My Love Kills
Release: Februar 2022
Label: Progress Productions
Stil: Dark Electro

Tracklisting:
01. Back to Life 03:59
02. Back to Life (Nuclear Sludge Remix) 04:42



 
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