Review: OMD – ‘History Of Modern’

OMD - History Of ModernTor auf und hinein in das aufflammende Licht der Arena. OMD liefern mit History Of Modern nicht nur ihr erstens Werk seit 14 Jahren ab, sie entern die Bühne der Aufmerksamkeit mit Stil, Klasse und einer Qualität, deren gleißende Vitalität die Konkurrenz locker überstrahlt.

OMD – History Of Modern

OMD und Produzent Mike Crossey (Artic Monkeys) leisten ganze Arbeit. History Of Modern glänzt als vielschichtiges und teilweise sogar überraschendes Album, dessen stilistischer Grundansatz auf die Anfangstage von OMD zurückgreift.

Eine ausschließliche Einordnung von History Of Modern als ‘nostalgisch’ oder ‘pur 80er’ wäre hingegen ein Trugschluss. Während ein penetranter Nostalgiker der guten alten Zeit hinterher trauert, “in der man nichts zu lachen hatte” (Charles Aznavour), zündet abseits aller musikalischen Zitate eine frische und druckvolle Produktion. Sie verleiht History Of Modern etwas ganz Besonderes: Zeitlosigkeit.

Viele potentielle Singles

New Babies: New Toys

Schon der Beginn erfreut die gespannten Ohren: New Babies: New Toys vereint klassische OMD Tugenden mit vorsichtig experimentellen Arrangements und Stimmeffekten, die der Strophe eine passende Schärfe verleihen. Ein offensichtlich von New Order inspirierter Basslauf leitet wie selbstverständlich einen satten Refrain ein.

Dagegen wirkt die folgende aktuelle Single If You Want It fast ein bisschen blass, obwohl die hymnisch angehauchte Nummer durchaus überzeugt.

Sister Marie Says

Sister Marie Says sorgt als Demoversion bereits seit knapp einem Jahr für Begeisterung. Kaum zu fassen, dass der in den 80ern geschriebene Song damals nicht veröffentlicht wurde, weil dieser dem Hit Enola Gay zu ähnlich war.

Mal nebenbei angemerkt: Es gibt doch reihenweise Bands, deren komplettes Geschäft aus der unendlichen Variation einer einzigen, schmalen Idee besteht.

Die Albumversion von Sister Marie Says klingt weitaus spritziger als das Vorabdemo. Unterlegt mit einem modernem Basslauf, wie ihn Console bei ihrem Hit 14 Zero Zero spielend integrierten, fordert die Nummer einen festen Platz in den Musiktempeln. History Of Modern ist in diesen Momenten vieles: Pulsierend, kraftvoll, lebendig und zeitgenössisch.

The Future, The Past & Forever After

The Future, The Past & Forever After tönt bereits jetzt wie ein Klassiker und schreit in aller Leidenschaft nach Gehör. Eine sehnsüchtige Melodie spielt mit dezentem Kitsch und verbreitet in rhythmisch-pumpender Manier etwas Westernartiges. Großartig.

OMD: Nur 80er? Nein – zeitlos!

Die beiden Titeltracks History Of Modern Part I & II wirken fast wie ein Medley von allem, was OMD auszeichnet: Dramaturgisch perfekt inszenierte Songs treffen auf wunderschöne Sounds mit Raum zum Atmen.

All das überstrahlen die tragenden Vocals mit dem so beschwingten und naiven Charme. OMD klingen nach all den Jahren immer noch blutjung.

So zeichnet sich ab, was viele ahnen: Nicht die Rückkehr in die 80er Jahre ist das Interessante, sondern das Erleben zeitloser Musik, die in den 80ern ein Teil der Gegenwartskultur war.

Die stillen Momente auf History Of Modern

Zwischen den schnell greifbaren Songs enthält History Of Modern Momente, die im schummerigen Dämmerlicht eines Herbstzimmers ihren eigenen Reiz entfalten.

Vor allem Green, History Of Modern Part II oder das fast epische Bondage Of Fate beeindrucken mit dosierten Klängen und dunklen Einschüben. Ent-schleunigte Popmusik.

Einziger Kritikpunkt: Mehr als drei OMD Balladen am Stück sind mitunter etwas zu viel des Guten und The Right Side? wirkt schlichtweg zu glatt. Davon abgesehen entpuppt sich History Of Modern als ein Comeback, das die Messlatte für andere 80er Bands richtig hoch legt.

Wertung: 9 von 10 Punkten (9/10)Klangwelt Musiktipp

History Of Modern Release Infos

Interpret: OMD
Label: Rough Trade
Release: 17.09.2010
Stil: Synthiepop / Pop / Electronica

Tracklisting:
1. New Babies: New Toys
2. If You Want It
3. History Of Modern (Part I)
4. History Of Modern (Part II)
5. Sometimes
6. RFWK
7. New Holy Ground
8. The Future, The Past, and Forever After
9. Sister Mary Says
10. Pulse
11. Green
12. Bondage Of Fate
13. The Right Side?

Hinweis: Tracklisting bezieht sich auf die vorliegende Promo-CD



 
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1 thought on “Review: OMD – ‘History Of Modern’”

  1. Leonie sagt:

    Ich habe letztens mal in das Album reingehört. Ich muss sagen die Musik hat etwas. Auf jeden Fall gefällt sie mir. Super CD-Tipp.

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