Review: ‘Swedish EBM – The Collection’

swedish_ebm_the_collectionEs war an der Zeit: Auf dem Sampler Swedish EBM – The Collection tummeln sich die Protagonisten und Newcomer der aktuellen Electronic Body Music Szene aus dem hohen Norden. Kein Rückgriff auf alte Recken, ganz selbstbewusst präsentieren sich die schwedischen Elektronik-Löwen rund um Spetsnaz, Spark!, Container 90 & Co.

Swedish EBM – The Collection

Um es zu Beginn kurz zu machen: Hier rotiert das vermutliche Samplerhighlight 2010. Diese Compilation benötigt keine großen Namen der 80er und 90er, um den Bands ein Zugpferd vor den Karren zu spannen. Die Qualität resultiert aus dem Material selbst, aber der Reihe nach…

Achtung, ein Schleicher! Spetsnaz, Schwedens EBM Export No.1, pirschen sich in bester Belief Manier an. Pontus souveräne Vocals gewinnen inmitten zischender Anschläge an Druck und so zeigt sich Satiric Strokes als potenter Opener.

Camp Intel von Autodafeh unterstreicht den wachsenden und vor allem verstärkt eigen klingenden Sound der Band. Wer noch suchte, was man von den Jungs in den Clubs spielen könnte, erhält mehr als eine Empfehlung.

Violent Playground – Våldsam Lekplats

Riecht den Schweiß, spürt den Schmerz und fühlt die Energie, verlassen könnt Ihr den ‘Violent Playground’ nicht. Kropp zelebrieren mit ihrem Beitrag Avreagera NEPs That Total Age Phase. Genau das gelingt in dieser kompromisslosen Konsequenz nur wenigen Bands so authentisch. Respekt.

Herr Stålberg drängt sich nochmals ans Mikro: Mit Unique jagen die Turnbull A.C´s einen packenden UpTempo Track ins Rennen. Dezent eingestreute technoide Töne nordet der Basslauf problemlos ein. Die fordernden Vocal setzen die Linie von Rejected fort. Überraschend die Wende nach 2.30 Min: Der Track gewinnt durch passende Flächen an Raum – ein Highlight der Compilation.

Getarnte Belgier?

No Sleep By The Machine zählen zu den jüngsten Formationen des Samplers. ‘Das sind doch Belgier’ – ruft man angesichts des an Klinik, Vomito Negro und Insekt erinnernden Feelings von Yellow Mica fast aus. Nostalgie pur, ausgestattet mit einem Refrain zum Reinsetzen; ein Newcomer mit enormen Potential. Anspieltipp.

Gekonnt einfach

Die Beiträge von Dupont, Projekt Tanz und der in Sachen Produktion deutlich verbesserten Stockholm Wrecking Crew sind bewusst einfach gehalten und zielen aufs Feiern ab. Im Falle Dupont erinnert man sich schnell daran, dass die Band aktuell doch anders klingt. So kommt die 2009er Version vom Klassiker Behave nicht so wirklich an die ersten Aufnahmen heran.

The Barricades, der Titel von T.W.A.T, stellt klar: “We are the rude boys” – und bringt gesprochene weibliche Vocals ins Spiel. Tempowechsel und ein klarer, an DAF orientierter Basslauf sorgen für ‘erdige’ Akzente und Vorfreude auf das kommende Debutalbum.

Melodische Härte

Die Nische zwischen Power-Synthiepop und melodischer EBM haben Spark! fast exklusiv besetzt. Singelolycka startet etwas sperriger als gewohnt, reiht sich im Verlauf in die Machart der letzten Songs ein. Die positive Resonanz der letzten Jahre hat sich das Duo mehr als verdient.

Seit wann klingen Batch ID eigentlich so inbrünstig? Ifred driftet etwas Richtung Spark!, kann aber von sich behaupten, der bisher mit Abstand beste Song der Band zu sein. Klasse.

Du willst nicht auffallen, alles muss seinen normalen Weg gehen und überhaupt – Änderungen sind eine Gefahr? Genau Dir haben Sturm Café Scheissnomal gewidmet. Viel Humor im bekannten NDW-nahen Stil trifft auf einen bissigen Unterton, der dem eingängigen Song eine nette Gehässigkeit verleiht.

Die Schlussoffensive

Schluss mit lustig: Astma bekommen normalerweise nicht ganz so viel Aufmerksamkeit. Hätten sie mit The Directors Cut aber verdient. Schnelle, in sich rollende Sequenzen und Drums fusionieren mit einem Schuss Dark Electro zu einem militanten Kraftprotz.

Es geht natürlich noch schneller: Copycat vertont knapp 80 Sekunden Pogoklänge typischer Container 90 Machart. Die Band wollte songmäßig noch kürzer und schneller werden – sie haben nicht gelogen. Funktioniert prächtig, Besucher des FT VI werden sich erinnern. Ein Schlusspunkt mit derbem Stil.

EBM der Gegenwart

So ähnlich der Nitzer Ebb, DAF und mitunter Front 242 geprägte Startpunkt vieler Projekte, so unterschiedlich das, was sie in den letzten Jahren daraus gemacht haben.

Swedish EBM – The Collection ist das Statement der Körperklang-Generation 2010. Vielleicht nicht so extrem variantenreich wie Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre, Abwechslung garantiert der momentane Klang mit den klaren Strukturen hingegen allemal. Oder gab es damals schon ein Pendant zu Spark! oder Container 90?

Den Sampler legt man daher Fans, Elektronik-Freaks und begeisterten Stompern nahe. Ebenso denjenigen, welche es schaffen, zum Begriff Electronic Body Music 20 Bands zu nennen, ohne einen einzigen Treffer zu landen – selbst bei Weitwinkelblick. Das ist schon fast eine kleine Kunst. Fies? Das kann schon sein, muss aber nicht so bleiben.

Wertung: 9,5 von 10 Punkten (9,5/10)Klangwelt Musiktipp

Swedish EBM – The Collection Release Infos

Interpret: Diverse
Label: Fist Fight Records
Release: Oktober 2010
Stil: EBM

Tracklisting:
1 Spetsnaz – Satiric Strokes 4:21
2 Autodafeh – Camp Intel 4:24
3 Kropp – Avreagera 3:05
4 Turnbull A.C’s – Unique 2:58
5 No Sleep By The Machine – Yellow Mica 4:37
6 Spark! – Singelolycka 3:22
7 Stockholm Wrecking Crew – Barnsoldat 3:12
8 Dupont (2) – Behave (2009) 2:47
9 T.W.A.T – The Barricades 2:08
10 Batch ID – Ifred 3:53
11 Sturm Café – Scheissnormal 3:58
12 Projekt Tanz – Not The King Of Body 4:26
13 Astma – The Directors Cut 2:34
14 Container 90 – Copycat 1:22



 
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1 thought on “Review: ‘Swedish EBM – The Collection’”

  1. pepperpott sagt:

    Wirklich gelungene Scheibe!! Danke für die Reviwew. Soweit ich das verstanden habe, ist es auch überhaupt die erste CD des neuen Labels “Fist Fight Records”, oder? Da kann man auf mehr freuen :o)
    P.S. Und das Layout mit dem gelb-blau gestreiften EBM-Tiger^^ ist auch wirklich witzig.

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