Review: T.W.A.T. – ‘Blood, Sweat & Teargas’

twat-album-coverSeit 2008 konnte man die spannende Entwicklung von Martin und Mary Sax aka T.W.A.T. verfolgen. Blood, Sweat & Teargas hisst die selbst entworfene OiBM Flagge, ein ruppiges und ehrliches Kondensat dreijähriger Aktivität auf Albumlänge. Deftig? Deftig.

T.W.A.T. – Blood, Sweat & Teargas

Blood, Sweat & Teargas bündelt viele Tracks, die T.W.A.T seinerzeit noch über last.fm, Myspace oder als Fangimmick über One-Click-Hoster auf die Menschheit losgelassen haben. Dazu kommen ein paar neue Stücke.

De alten Songs wurden konsequent überarbeitet, teilweise ging die Schlagzahl nochmals nach oben. Vor allem widmeten sich T.W.A.T. den Details ihrer Fusion aus ruppiger Elektronik und organischen Punk & Oi Einflüssen.

Schnell fällt auf: T.W.A.T besitzen das Potenzial, Leute richtig vor den Kopf zu stoßen. Too Rude For Radio fetzt nicht nur in der vorliegenden Punked Up Version, es beißt auch textlich und signalisiert die Ausrichtung der kompletten T.W.A.T. Idee. Solche Musik spielt “man” nicht im normalen Radio, schon gar im TV. Wer bedroht schon gerne seine unheiligen Scheinwelten?

Aber selbst sogenannte Szenemedien machen um derartige Musik gerne einen Bogen. Man ist ja tolerant, aber sowas lässt sich ja nicht vermarkten (ups) und überhaupt – wer will denn das hören? Ja ja – voll Indie, ey.

Back to the Boots & Roots

twat-promoT.W.A.T sind bei allen old school EBM Referenzen ein Unikat. Kaum eine Band vereint in dieser Konsequenz EBM, Oi und Punk. Ein musikalischer Schmelztiegel der Subkulturen. Keine Musik für jedermann, aber eben auch nicht nur ein Punch für EBM Freaks.

Blood, Sweat & Teargas erinnert daran, dass Bands wie D.A.F. oder Nitzer Ebb in ihrer Frühzeit eine Attitüde an den Tag legten, die schlichtweg rotzig, aggressiv und (post-)punkig war.

Ihre Einflüsse stammten eben aus wilden Zeiten. Das war der widerspenstige Geist, den sie in die elektronische Musik transportierten. Etwas, das als mentaler Input offenen Bands auch in der heutigen Zeit eine unglaubliche Dynamik verleiht. Der Reiz der Gegensätze, eine Konstante.

T.W.A.T. auf Konfrontationskurs

So hart die Scheibe auch ist, sie zeigt sich variantenreich, gerne mal das Tempo variierend und sparsam melodisch. Oder ist der Refrain von Battleground nicht einfach schaurig-schön, etwas, das man gerne in die Nacht schreien möchte?

An Power-Nummern für die gepflegte Saalschlacht mangelt es nicht: Sei es der kämpferische Arbeitersong Working Class (vorab bereits als EP veröffentlicht), Lazy Fuckers, Choke oder das kratzbürstige Conformtity. Alle bestechen durch eine raue und abwechslungsreiche Stimmung, die wenig Effekte benötigt.

Auffällig die Untermalung durch spielerische, ja fast etwas trashige Synthies, die ungewöhnlich produziert daherkommen. Sie verleihen den zackig-sägenden Bassläufen und schnellen Rhythmen etwas Lockeres. Ab und an recht wild die Mixtur.

Abteilung Attacke: die Texte

Textlich geht´s zur Sache: Ein bitterer Blick auf die sich hinvegetierende und abseits täglichen Konsums völlig gleichgültige Gesellschaft. Klar und deutlich formuliert, ganz anders als gewohnt. Man ist ja trainiert, Kritik so adäquat zu äußern, dass der Gegenüber sie sich anhören kann, ohne sie zu bemerken.

Das geht mit T.W.A.T. nicht, denn der ausgestreckte musikalische Mittelfinger … was schreibe ich hier eigentlich? BEIDE Mittelfinger drücken so lange auf die operativ genormte Nase, bis sie blutet. Muss man nicht mögen, bemerkt man aber.

Blood, Sweat & Teargas – die andere Seite

Um der Kritik zu entgegnen, dass es nur ein Haudrauf-Album wäre: Das ist bei den variantenreichen schnellen Tracks schon falsch (Bow And Obey), noch mehr allerdings bei den schleppend-intensiven Songs (My Skin) oder den etwas auf den Dancefloor schielenden Nummern Run The Cameras und Sverige. Letztgenannte werden stimmlich von Mary Sax getragen.

Mutiges und ungewöhnliches Album auf allen Ebenen, ‘Musik als Träger von Ideen’ (Kraftwerk). Respekt.

Wertung: 9 von 10 Punkten (9/10) Klangwelt Musiktipp

Release Infos

Interpret: T.W.A.T
Label: Machineries Of Joy
Release:26.08.2011
Stil:EBM/Oi/Punk

Tracklisting:
01. func.
02. too rude for radio (punked up)
03. lazy fuckers
04. conformity
05. the barricades
06. choke
07. run the cameras
08. battleground
09. my skin
10. working class
11. born and raised
12. bow and obey
13. sverige
14. off
15. sverige (hasse code 64)



 
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4 thoughts on “Review: T.W.A.T. – ‘Blood, Sweat & Teargas’”

  1. Sigrun sagt:

    Danke für die sehr gute CD-Kritik!! Freu mich, dass es die Scheibe endlich gibt. Frage: Wie kommt man denn da ran? Direkt bei der Band bestellen?

    Grüße aus FFM

    1. kw sagt:

      Hi! Ist wirklich ein spannendes und ungewöhnliches Werk. Die CD kannst Du normal via Amazon bestellen, da T.W.A.T mit Machineries Of Joy glücklicherweise ein Label gefunden haben. Unter dem Review ist eine Werbung mit nem Direktlink zum T.W.A.T Album bei Amazon. Du supportest damit übrigens auch die Website :-) – teurer wird´s dadurch natürlich nicht. Gruß nach FFM

  2. Sigrun sagt:

    Oo, bin wohl wirklich ziemlich kurzsichtig! Danke vielmals für den Hinweis und ich werd das dann so machen! :-)

  3. Sigrun sagt:

    P.S. Auf “Eine Tasse Jäger” gibt’s auch grade eine schöne Review zum neuen Album zu lesen (engl.). Link: http://einetassejager.blogspot.com/

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