Review: Nomenclatura: ‘Different’

Nomenclatura - DifferentNach über 10 Jahren Todesstille lassen Nomenclatura mit ihrem neuen Album Different von sich hören. Die Vorabsingles Get Out und Stich Me deuteten es bereits an: Es ist auch ein Neustart, eine Ausrichtung mit rockigem Einschlag. Ergebnis vorläufig ungewiss.

Nomenclatura – Different

Different – anders. Der Titel des ersten Nomenclatura-Albums seit langer, langer Zeit (Auflösung 2001) könnte knapper und treffender kaum sein. Und das ist Bürde und Chance zugleich.

Wer kennt denn Nomenclatura noch? Eingefleischte EBM-Fans wissen ihr stählern-ruppiges Torture & Pain bis zum heutigen Tage zu schätzen. Ist ja auch ne klasse Nummer und harmonierte so wunderbar mit alten ‘frontigen’ Klangerzeugnissen. Natürlich gab es mehr, exemplarisch sei das kämpferische Back genannt.

Aber die EBM-Fraktion spricht Different zunächst nur begrenzt an. Kein Vorwurf, eine simple Feststellung. Über 10 Jahre Pause änderten die Struktur der Band. Es ist jetzt eher ein zentrales Projekt von Sänger Michael.

Und der setzt neue Akzente in einem eher songorientierten Vorgehen, er baut auf rockige Arrangements. Die lange Beschäftigung mit der Musik schlägt sich dabei spürbar in der Fähigkeit nieder, bündige und energiegeladene Titel zu generieren.

Der rockige Weg von Nomenclatura

Mehr Rock, mehr Crossover – gerne im Midtempobereich. Scheinbar lassen sich die neuen Titel in diesem Gewand besser umsetzen, so der spontane Eindruck.

Überwindet man die Verwunderung ob des Stilwechsels, so zeigt sich ein reifes Album mit einigen 90er Jahre Crossover-Anleihen. Gebändigt im Wesen und dennoch durchdacht in seinen Zügen.

Heischende Electro-Effekte finden sich auf Different nicht, sie würden nur stören.

Neue Rolle elektronischer Sounds und Ideen

Ganz verschwunden ist die Elektronik zum Glück nicht, sie wird meist begleitend eingesetzt, rundet die Songs ab. Ausnahmen bestätigen die Regel: Help Me rattert und blubbert gekonnt vor sich hin, fast wie zu Beginn von Nomenclatura.

Eine treibende Nummer, in der die rockigen Facetten in den Hintergrund treten. Passt, es ist wie Fahrradfahren, man verlernt es einfach nicht.

Stich Me strahlt hingegen dezent etwas von Depeche Mode Mitte der 90er Jahre aus, gefühlvoll entfaltet es sich sukzessiv. Einige weitere moderate Titel wie z.B. Burn oder You Can brauchen hingegen ihre Zeit, man nimmt sie zunächst als gefällig wahr, die Option auf mehr lugt bereits am Horizont.

Formation mit Können auf Publikumssuche

Bei allen wandelbedingten Irritationen: Die Spannung bezieht Different aus dem Kontrast des gitarrigen Soundbildes und den, wenn eingesetzt, reibeisenartigen Vocals. Besonders das Titelstück zeigt deutlich: Die Dynamik entspringt dem Ungewohnten.

Die ausdrucksstarke Stimme erinnert in harten Momenten an die ruppige EBM-Vergangenheit und sorgt für Stimmungen, die für gitarrige Klänge eben nicht so geläufig sind.

So überzeugt der Opener Don´t Let It Happen in seiner stimmigen und melodiös ansprechenden Machart – ein Hinhörer.

Betont unangepasst rumpelt Get Out los, charakterstark die Vocals, welche tief und hart, aber in konsequenter Abgrenzung zu grunzigen Lauten dominieren.

Später treibt das heavy akzentuierte Die diese Facette der neuen Nomenclatura auf die Spitze. Gereift bedeutet nicht brav, das stellen diese Titel sicher!

Einzig Nacht wirkt trotz des interessanten Sounds etwas fehl am Platze, es tönt etwas zu nah am NDH-Witt.

Fazit: Die Aufgabe für Nomenclatura ist vermutlich nicht leicht. Bekannt ist das Projekt meist bei erfahrenen EBM-Freaks, die zum größten Teil konsequent ihrer Leidenschaft frönen und in den letzten Jahren erfreulich reich beschenkt wurden.

Der potenziellen Zielgruppe stellen sie nur teilweise dar. Wie kommt man jetzt an Hörer? Eine ambitionierte Aufgabe in Zeiten der schier unendlichen Auswahl, der eingefleischten Netzwerke und streng verteidigten Nischen. Schwierig … aber sicher nicht unmöglich, denn Qualität ist vorhanden.

Wertung: 7.5 von 10 Punkten (7.5/10)

Different Release Infos

Interpret: Nomenclatura
Label: BOD Music
Release: 21.03.2013
Stil: Crossover

Tracklisting:
1. Don’t Let It Happen
2. Get Out
3. Burn
4. Help Me
5. You Can (feat. Elektrofreunde)
6. Nacht
7. Stitch Me
8. Midnight Coding
9. Different
10. Die (feat. Da Unexpected)
11. You Can (Unplugged)
12. Get Out (Trance-Cutter Strobotron Mix)
13. Stitch Me (Wamb Mix)



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