Review: No Sleep By The Machine – ‘Splice’

No Sleep By The MachineNo Sleep By The Machine starteten in letzter Zeit nicht nur live extrem durch, die schwedischen Musiker spielten auch ihr zweites Fulltime-Album Splice ein. Ein herbes Werk voll verschrobener elektronischer Facetten, das es wahrhaft in sich hat und mit vielen klassischen Industrial-Kanten aufwartet.

No Sleep By The Machine – Splice

No Sleep By The Machine beleben seit 2009 die EBM- & Industrial-Szene. Beeinflusst von Skinny Puppy und einer Vielzahl belgischer Protagonisten entwickelte die Formation einen explizit strukturierten und gleichsam suggestiven Sound.

Mit Yellow Mica konnten sie zudem ihren ersten Cluberfolge einsacken.

Das ist für die Jungs aber kein Grund, auf Nummer sicher zu gehen, im Gegenteil: Splice hat den Charakter eines steilen, schroffen Felsens, den man sowohl als bedrohlich und ebenso als ästhetisch und faszinierend empfindet.

Man will sich mit ihm auseinandersetzen, ihn bezwingen! Aber so leicht geht es nicht, alles hat seinen eigenen Charakter.

Das schroffe Gestein, so klar in der Form, schimmert mal verlockend und zeigt sich griffig, um dann beim Aufstieg voller Unwägbarkeiten, schwierigen Passagen und versteckten Pfaden zu stecken.

All dies spiegeln No Sleep By The Machine auf Splice wider: So reduziert und bisweilen kühl ihr messerscharfer Sound, so komplex die Ideen und das anspruchsvolle Arrangement. Ködern und wegstoßen, belohnen und fordern – nichts für Gelegenheitshörer.

Verlockend und schroff in einem

Der Opener Mammonth lockt und schlägt den versierten Musikfan ohne Anlaufzeit in seinen Bann. Ein kantiger, mitreißend-rhythmischer Titel, der die kultige Liveaura von NSBTM aufgreift und an das Debüt Close sowie die folgenden EPs 1,2 und 3 anknüpft.

Die bereits verströmende Eiseskälte und das rohe, ungestüme Feeling ist typisch für die Schweden und verweist auf die kompromisslosen Starttage der EBM- & Industrial-Musik. Die leicht effektbesetzten Vocals befördern die dosiert vorhandenen Texte/Parolen unvermeidlich ins Gedächtnis.

Kaum ist man konzentriert lauschend beim Aufstieg, da zeigt das Ganze seine Tücken: Viele der neuen Titel sind nicht schnell zu greifen, weisen experimentelle Passagen auf (Firth And Ridge) oder wirken fast hypnotisch (Mogular).

Tempowechsel, schöne Momente und die völlige Suspendierung von Melodie wechseln nicht selten unerwartet – etwas, das erfahrene Industrialfreaks sicher zu schätzen wissen.

Charakterlich durchaus ambitioniert und so führt so manche Passage für den ein oder anderen Hörer sicher in einer Sackgasse, gefällt nicht. Und doch findet man seinen Weg, lauscht und kraxelt unbeirrt weiter.

Zwischenzeitlich wird es dunkel, auch musikalisch (Flummoxication). Schnell wird klar: Verschwitzt, am Fels aufgerieben und mit fanatischem Blick, das ist das Gesicht zu Splice.

EBM/Industrial Eruption mit reduziertem Sound und komplexen Ideen

Soundmäßig ertönt konsequent – wie erwähnt – nur das Nötigste. Die Wendungen und Songstrukturen setzen die Variationen, sie binden und irritieren (Redrumdrum) gleichzeitig.

Das schleppende Spearsity setzt der Reduktion die Krone auf, der ideale Soundtrack, um sich mit steifen Fingern Zentimeter für Zentimeter wieder ein Stück nach oben zu kämpfen.

Dazu passend gemahnt Ramchum gekonnt (nicht geclont) an Dive.

Zwischenstopp auf einem fast komfortablen Vorsprung: Mit Waywarder festigen die Musiker bekanntes Terrain, eine klaustrophobische Eruption in bester The Klinik Tradition und ein Etappensieg für den Akustik-Kämpfer, ehe er sich weiteren verstörenden Reizen widmet.

Bissige und musikalisch perfekt inszeniert Vorwürfe bietet das pointierte Iye und dann heißt es: geschafft! Anchorburn ist der Lohn, wenn man durchhält.

Der Lohn zum Schluss

Ein Titel voller fragiler, ausladender Schönheit, wie ihn Skinny Puppy nicht besser hätten inszenieren können. Der Soundtrack zum in die Ferne schweifenden Blick vom bezwungenen Felsberg.

Die Nummer klingt nach Klassiker und ummantelt den musikalischen Trip, dessen komplettes Verständnis sicher ein paar weitere Aufstiege benötigt.

Fazit: No Sleep By The Machine liefern ein bisweilen sperriges Werk mit Anspruch und elaboriertem Songwriting ab. Derb und stimmungsvoll in einem, die Band ist bereits jetzt ein ganz wichtiger Bestandteil der heutigen alternativen Musikszene.

Nicht, weil sie es dem Hörer leicht machen, sondern weil etwas können und vor elektronischem Spirit nur so sprühen. No Sleep By The Machine ziehen auf Splice fast alle Registeer. Nicht nur ein Album – ein herausforderndes Statement.

Wertung: 8.5 von 10 Punkten (8.5/10)

Splice Release Infos

Interpret: No Sleep By The Machine
Label: E-picenter
Release: 23.11.2013 (Release verzögert sich allerdings auf Anfang 2014)
Stil: Industrial/EBM

Tracklisting:
01. Mammonth
02. Firth And Ridge
03. Kerfuffle
04. Waywarder
05. Flummoxication
06. Redrumdrum
07. New.t.s.
08. Mogular
09. Spearsity
10. Ramchum
11. Iye
12. Anchorburn



 
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