Review: Astma – ‘600 Pounds Of Body’

Umfangreiches Doppelalbum von Astma600 Pounds Of Body stellt einen gewichtigen Teil der Sommeroffensive des Electro Aggression Records Label dar. Längst überfällig, finden EBM-Fans eine umfangreiche Werkschau von Astma. Das sollte ihre Schwungmasse schnell und nachhaltig in Bewegung setzen. Futter aus 15 Jahren Bandgeschichte, also ran an den musikalischen Kalorienbomber.

Astma – 600 Pounds Of Body

Astma bilden mit 600 Pounds Of Body einen Teil des aktuellen Releasetrios des EAR Labels, das durch die Serpents und kFactor komplettiert wird. Satte 42 Tracks (!) umfasst die Doppel-CD.

Das macht allerdings im Falle von Astma richtig Sinn, denn ihre Songs lagen bis dato eher verstreut und nicht immer leicht erhältlich vor.

Aber um “leicht” geht es hier nicht, das signalisiert schon der “pfundige” Titel: Masse, Kraft und ein unermüdlicher Vorwärtsdrang, diese Merkmale begleiten die schwedische Band schon lange Jahre, auch wenn sie bekanntheitsmäßig nicht ganz so an vorderster Front steht wie etwa Spetsnaz, Sturm Café oder Spark!

“Astmatische” Schubkraft aus Schweden

Zwei Eindrücke treten nach dem ersten Durchgang in den Vordergrund: Zunächst wirken die vielen Nummern sehr homogen, die Band hat einen klaren Anspruch, was sie mit ihrer kraftvollen Musik ausdrücken will. Trotz der hohen Anzahl an Tracks kommt man nie auf die Idee, dass hier aufgefüllt oder taktisch ergänzt wurde.

Zudem bedeutet der etwas unbekanntere Status keineswegs, dass die Jungs sich verstecken müssen. Die Band steht klar in der Tradition der harten schwedischen EBM Schule und spielt gekonnt mit dem beliebten old school Touch ohne Trancequark.

Sie integriert aber gleichzeitig dezent einige Electrosounds, was manchmal doch überrascht.

Ansonsten geht´s erst mal strikt nach vorne, rein ins Pit und austoben: Klare Synthsounds, eine gewisse Dissonanz in der Songführung und jene vitale Aggressivität in den Vocals, die EBM Fans so bevorzugen, motivieren dazu, sich selbst in die Waagschale zu werfen.

Doch unkontrolliertes Wutgebrüll ist es nicht, der ein oder andere Effekt generiert die Astma-typische “Heiserkeit”, welche mitunter (aber nicht immer) sogar Dark Electro Fans ansprechen könnte.

Deftig & hart, aber in klaren Bahnen wütend und doch etwas düsterer tönend als bei explizitem Konfrontations-Gebrüll. Man erkennt die Band schnell – und ein eigenes Profil ist kein Widerspruch zu hörbaren Referenzen an old school Helden der schwedischen Szene.

Kleiner Wermutstropfen zwischendurch: Der einzige Titel, der auf der Doppel-CD leider fehlt, ist Ringside Fury.

Bissig und voller Tempoattacken

Ein Happen Garstigkeit schwingt häufig mit, die Texte zeigen sich angriffslustig bis bissig. Oft ausgestattet mit einer Vorliebe für “fiese” Themen: Telephone Terror, Stalking You oder Evil Bitches greifen inhaltlich an, widmen sich den Niederungen sozialer Phänomene.

Was bei dieser Compilation richtig Spaß macht, das sind die electropunkigen Nummern, deren galoppierende Sequenzen nur noch durch die abgehenden Rhythmen überboten werden. Es lebe die hohe Schlagzahl.

Setze deinen (massigen) Körper mal richtig in Bewegung und passe ihm dem Tempo an, das ist die Herausforderung, die gerne angenommen wird. Klaro, von seinen 600 Pounds Of Body kann man ein paar durch Schweißabgabe verlieren.

Ob Winter Hate, The Directors Cut, Tune In The ESP, 449 Metal Bulltes (new version) oder Perculator, das ist feinste elektronische Pogomusik.

Selbige treibt wütend, aber eben gut umgesetzt an, ohne auch nur ansatzweise konfus zu erscheinen, denn der Astma-Ansatz ist klar strukturiert bis einfach.

Neue Versionen werten das Album auf

Überzeugend ebenfalls, dass einige ältere (und etwas bekanntere) Titel neu eingespielt worden sind.

Zu nennen der packender Shoutsong Global Game, der unermüdliche Mr. Miller, das leicht psychopathische und dabei so ungemein launige Where Are You oder auch das überraschend poppig eingespielte Dead End zählen zu den Highlights dieser mit viel Mühe gestalteten Werkschau.

Stimmige Auswahl der Remixer

CD 2 bietet Remixe, denen insgesamt der Spagat zwischen eigenen Ideen und der Grundtendenz wuchtiger Astmatracks gelingt.

Kein Wunder, denn mit Autodafeh, MRDTC, Pyrroline, kFactor oder PNE (um nur einige zu nennen) sind hier Profis am Werk, die explizit in der EBM-Szene oder im authentischen Dark Electro beheimatet sind und gar nicht auf die Idee kommen, 08/15 Clubkost abzuliefern.

So verleihen No Sleep By The Machine 449 Metal Bullets einen fast schleichend-schwerfälligen Charakter – und doch ist die Wucht jederzeit ein treuer Begleiter. Und das Body In Japan von DRP geremixt wird, ist natürlich nur konsequent.

Persönliches Remixhighlight: Die Full Contact 69 Version von Mr.Miller, die dem Ganzen spannende Extraebenen verpasst und richtiggehend gefährlich wirkt. Play it loud!

Fazit: Das war wirklich überfällig: 600 Pounds Of Body bündelt endlich den Astma-Output der vielen Jahre, heraus kommt eine umfangreiche und stimmig-homogene Compilation mit viel Drang nach vorne. Der klare, dynamische Ansatz bietet reichlich Akustikfutter für EBM-Fans, spielt mit originellen bis niederträchtigen Themen und beinhaltet mit der Remix CD passende Variationen. Natürlich keine Neuerfindung des EBM-Genres, aber ein satter Beitrag. 600 Pfund eben.

Wertung: 8.5 von 10 Punkten (8.5/10)

600 Pounds Of Body Release Infos

Interpret: Astma
Label: Electro Aggression Records
Release: Juli 2015
Stil: EBM

Tracklisting:
1 Telephone Terror
2 Unknown Soldier
3 No Surrender
4 449 Metal Bullets (New version)
5 Suffer and Pain
6 Perculator
7 Cut It Short
8 Snake Bite
9 Winter Hate
10 Summer Plagues
11 Where Are You (New version)?
12 Mr. Miller
13 Out of Time
14 The Director’s Cut
15 Stalking You
16 Evil Bitches RIP
17 Sleepless
18 Power Plant
19 Human Decay
20 Tune In The ESP
21 A Global Game (New version)
22 Body in Japan
23 Dead End (New version)

CD2: Asthmatic Percussions & Contagious Basslines

1 “Mr. Miller” – Signal Aout 42 -Skinning Mix
2 “No Surrender” – Armageddon Dildos Remix
3 “Cut it short” – Anstalt Remix
4 “Suffer & Pain” – The Psychic Force Remix
5 “Mr. Miller” – Plastic Noise Experience Remix
6 “Dead End” – Pyrroline Remix
7 “Power Plant” – MRDTC Remix
8 “Cut it short” – Octolab Remix
9 “Perculator” – EkoBrottsMyndigheten -Ta En Kopp Mix
10 “Mr. Miller” – The Blister Exists Remix
11 “Suffer And Pain” – Autodafeh Remix
12 “Snake Bite” – Invoke The Insult Remix
13 “Tune in the ESP” – Cardinal Noire -Basses and Handgrenades Mix
14 “Unknown Soldier” – Serpents Remix
15 “Mr. Miller” – Full Contact 69 Remix
16 “Body In Japan” – DRP Remix
17 “A Global Game” – Ondska Remix
18 “Snake Bite” – Brigade Werther Cover
19 “Telephone Terror” – kFactor Remix



 
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