Review: Parralox – ‘Aeronaut’

Cover: Parralox - AeronautParralox, die immer bekannter werdende Electropop-Band aus Melbourne, richtet sich auf ihrem bereits sechsten Album neu aus. Mit Aeronaut hat der nun ebenfalls am Mikro dominierende John von Ahlen ein Stück richtig gute Popmusik hingelegt. Doch der Weg dahin war schwierig und mit kniffeligen Entscheidungen gepflastert.

Parralox – Aeronaut

Aeronaut ist ein Album, dessen Bedeutung aus der Geschichte der letzte zwei Jahre resultiert: Im Jahre 2013 stieg die langjährige Parralox-Sängerin Amii aus, um eigene Aktivitäten zu starten.

Sicher ein Einschnitt und Verlust, denn ihr bisweilen kühler und ebenso glamouröser Habitus verlieh der perfekt inszenierten Electropop-Musik ein Stück Klasse, mal in Richtung Dance tendierend, dann wieder die beliebten Pet Shop Boys Gefilde streifend.

Popmusik für die Clubs, die in ihrer Eleganz Spaß machte und zeigte, dass Qualität und kommerzielle Ausrichtung keine Feinde sein müssen, wenn man sich denn auf poppige Strukturen einlassen kann.

Nach dem Abgang folgten zunächst viele Remix- und Re-Releases, denen ehrlich gesagt ein ein gewisser Nervfaktor innewohnte.

Anschließend folgte Coveralbum Recovery, welches als kommerziell durchaus erfolgreiche (hier zu nennen die Single: Eye In The Sky) Überbrückung Sinn machte, aber die Frage offen ließ, was nach dem Abgang der Frontfrau nun aus dem eigentlichen Parralox-Sound wird und ob es eine Zukunft gibt.

Starke Single Aeronaut leitet den Umschwung ein

Aeronaut als Single sowie das gleichnamige Album liefern die Antwort: John von Ahlen hat sich nie darum gerissen, selbst zu singen, doch nun nimmt er – basierend auf der positiven Resonanz des Coveralbums – die Rolle offensiv an.

Den Ruf als extrem talentierter Produzent/Songwriter hat er schon, nun drückt der den Stücken gesanglich seinen Stempel auf. Mit Folgen: Zu den sehr tanzbaren und nach wie vor originell und ausgetüftelten Trackkonstruktionen treten 80s-, New Wave- und Synthpop-Impulse.

Nicht ohne Grund wurden Erasure in letzter Zeit auf Parralox aufmerksam und ließen sie in London als Vorgruppe aufspielen. Viele der neuen Parralox-Tracks weisen Gesangslinien auf, die ein Andy Bell sicher vorzüglich intonieren könnte.

Mehr noch: Die Single Aeronaut zum gleichnamigen Album markiert ein dramatisches, lebhaftes Stück Electropop, das einen echten Ohrwurm markiert, wie ihn Erasure in der Form schon lange nicht mehr fabrizierten.

Der pulsierende Track wirkt ungemein flüssig, fast unverschämt locker und catchy aus dem Handgelenk geschrieben – toll der mehrstimmige Refrain. Hier definiert John Von Ahlen ein neues Parallox-Gesicht. Kein Ersatz zum edlen Danceansatz, sondern eine kleine und passende Kurskorrektur.

Variationen des neuen Sounds

Das Album spielt in diversen Tonarten gekonnt mit dem neuen Ansatz: Companion markiert etwa eine lupenreine Ballade mit leicht kitschigem, aber doch schönem Refrain. Schnell wird deutlich, dass der Ausdruck in den Vocals nach wie vor Teil der Band ist.

Miranda und Somebody tendieren ebenfalls in diese softe, ausladende Richtung. Balladeske Momente zum Augenschließen, in denen John von Ahlen seine Emotionen dosiert, aber doch wirksam transportiert und das klassische Wavefeeling modern adaptiert.

Atmosphere bildet den Kontrapunkt und zeigt dann gängige und moderne Clubmusik; gut gemacht, aber mit nicht ganz so viel Impetus im Abgang wie die Single.

Ein ebenso unerwarteten und schicken Schuss Coolness bringt das nüchtern erzählte Solid State ins Spiel – und das Ding will dann auch nicht mehr weichen. Lässig.

Solide Popsongs wie Mystery, Wrong or Right oder Faded Memory komplettieren das Album. Auffällig die einfachen, aber absolut passenden Refrains, die oft mit hellen 80s Sounds untermalt sind.

Auch Housefreunde erhalten mit Together ihren Moment. Insgesamt dominiert der Eindruck, dass der neue Klang trotz der stilistischen Variationen extrem souverän herüber kommt, auch wenn nicht jeder Track eine Single ist.

Hier sind Profis am Werk, das ist hörbar.

Extended Versions

Abschließend ist darauf zu verweisen, dass auf zu viele Remixe glücklicherweise verzichtet wurde (davon gab´s bereits mehr als genug) und statt dessen klassische Maxiversionen die Stärken der Titel ausarbeiten.

Fazit: Ein Neustart und gleichzeitig eine Runde richtig gelungene Popmusik zwischen 80s Einflüssen und gekonnter Dance-Produktion der Gegenwart. Das klingt ebenso eingängig wie eigen, einige offensichtliche Hits dürften für ordentlich Resonanz sorgen. John von Ahlen kann zu seinem Ruf als extrem talentierter Produzent und Songwriter noch die Eigenschaft “guter Sänger” hinzufügen. Das ist was für die Charts und selbigen würde im gleichen Zuge ein neuer Schuss Qualität innewohnen. Sehr ordentliche Scheibe.

Wertung: 8 von 10 Punkten (8/10)

Aeronaut Release Infos

Interpret: Parralox
Label: conzoom Records
Release: 14.08.2015
Stil: Electropop/Dance/Wave

Tracklisting:
01. Aeronaut (John von Ahlen’s Remix)
02. Atmosphere
03. Companion
04. Do You Feel What I Feel
05. Miranda
06. Mystery
07. Solid State
08. Somebody II
09. Together
10. Wrong Or Right
11. Zero
12. Faded Memory (CD Bonustrack)
13. Together (Extended) (CD Bonustrack)
14. Mystery (Extended) (CD Bonustrack)
15. Companion (Extended) (CD Bonustrack)



 
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