Review: Bathead – ‘Blood, Sweat & Hate’

Bathead AlbumreviewEine Fledermaus im Zahnrad, ein klares Logo und es signalisiert: Das Zeitalter von Bathead startet. Noch wie was von gehört? – Und was zur heiligen Fledermaus ist das denn? Nun, etwas sehr Eigenwilliges aus dem musikalischen Widerstand, angetreten gegen die 08/15 Musik. Wer sich mal einer verqueren Mixtur zum Freispülen der Ohren von gängigen Hörschemata aussetzen will, bekommt genau jetzt die Chance. Comic-Helden & analoge Bodysounds from hell, das Tor in das faszinierend Abwegige.

Bathead – Blood, Sweat & Hate

Bathead setzt sich aus Vadim H. (Batster) & Ralf P. (Live Machinist) zusammen.

Prinzipiell ein Projekt, dass in der härteren elektronischen Welt zu verorten ist ist, gerne analogen Experimenten und Sequenzen frönt, viel auf EBM Konzerten rumtobt und jetzt einen akustischen Marker setzt, der auffällig mutig abseits des Bekannten platziert wurde.

Denn die Debütscheibe ist schon ein bisschen Rock´n Roll im Geiste – ohne Kompromisse rotzig und schräg losbügeln, der Welt den Stinkefinger zeigen und sein Ding machen.

So klingt Underground

Wie kann man sich das vorstellen? Eine gewisse Comic-Besessenheit, explizite Horrorvorlieben und elektronisch fabrizierte, oldschoolige Impulse generieren den Soundtrack zur verdrängten Kindheit.

Jener in schwarz-weiß, mit klaren Vorstellungen von Gut und Böse – die frühe Etappe im Leben mit den Monstern unter dem Bett. Dabei wirkt es so, als würde Batman versoffen und aggressiv-hallend ins defekte Mikro shouten, oft gehässig lachend. Ein morbide Inszenierung – ohne Zweifel.

Kennt Ihr noch die California Games von früher? Suspendiert die Gitarren und verlegt das Kultgame und vor allem den Soundtrack ins Reich des Abseitigen, in das Viertel der Verbrecher und der comichaften Gegenspieler, dann passt es, das macht schon das Intro Bathead klar.

Besonders beim giftig tönenden und doch irgendwie lässig-kritischen Buy And Comsume lässt sich zudem bestimmt prima Surfen, worauf auch immer.

Abgefahren, schräg und so richtig B-Movie mäßig. Wer in der Lage ist, sich diese Szenerie musikalisch vorzustellen, bekommt eine Ahnung vom Bathead-Sound. Monoton-antreibende Bässe in Konkurrenz zu noisig-verqueren Analogsounds, das durchdacht Entstellte als Prinzip.

Rasant die Sequenzen, heftig die Distortion, die es in dieser Form wohl nur in dunklen Subwelten gibt. Dürfte einige vor den Kopf stoßen und doch ist der musikalische Absatz für Punks, schräge EBM-Fans, vielleicht sogar für einige Psychobillys auf der Suche nach neuem Horror (Slaughterhouse) mehr als geeignet.

Comic, Verbrechen und der dazu passende Tanz

Vergleiche helfen generell, um ungewohnte Ideen skizzieren zu können und selbige dem Leser etwas näher zu bringen. Doch sie greifen leider immer etwas zu kurz. Ganz einfach deshalb, weil die Messlatte des Bekannten eben nur bereits identifizierte Informationen beschreiben kann.

Das mag zwar zuverlässig und nützlich sein, vernachlässigt aber eben doch das Eigene, das als kritischer Vergleichs-Vorspann.

Den Versuch einer Annäherung ist folgendes Bild dennoch wert: Nehmt Suicide auf Speed (genau: doppeldeutig gemeint!), frisch raus aus dem Sanatorium, in welchem ihnen ein tief-schnarrendes Distortion-Modul vor die Stimmbänder getackert wurde. Will jemand nen bündigen Begriff? Electro Rock´n Horror als Idee.

Klingt monströs. Aber hallo: Alles voller Killer sowie mental entrückter, irre lachender Clowns (Clownface – und ja: Clowns sind nicht lustig!) – Rettung naht natürlich auch, das Batmobile Muscle Car ist elektronisch-pogomäßig unterwegs und eilt zur Hilfe.

Blood, Sweat & Hate, das ist vielleicht ein authentischer Soundtrack für richtige Undergroundfilme. Möglichst in verlassenen U-Bahnen der Zukunft spielend, die dennoch voll sind mit urtümlichen Maschinen. Alles eingetaucht in unheimlich flackerndes Neonlicht.

Unheimlich bis antreibend

Die skizzierte Szenerie lotet das Werk konsequent aus: Ob man sich in den Bavarian Backwoods rumtreibt, dem schleppenden Midnight Crime lauscht oder einem Silent Killer entflieht, irgendwer scheint einem immer im Nacken zu setzen.

Besonders der letztgenannte Killertrack mutet besonders unheimlich und gespenstisch an, in der Unruhe gemahnt der Sound fast etwas an moderate Dive – sehr coole Nummer.

Den direktesten Ansatz des Albums verkörpert das abschließenden Bloodsport, hier dringt die EBM-Vorliebe des Bathead-Protagonisten deutlich durch und fordert die Hörer zum kompromisslosen Kräftemessen auf. Auf geht´s!

Fazit: Klar ist Eigenwilliges immer eine Herausforderung– und an den Stimmeinsatz muss man sich bei einigen Tracks zunächst gewöhnen. Doch dieser Ansatz macht richtig Laune, denn Bathead tönt ungewohnt, weil frei von der Leber weg und gleichzeitig konsistent verquer im elektronischen Habitus. Erwartet keine schnellen Hits, sondern eine Subwelt, in der ungebetene Gäste und ihre Antagonisten leben. So Horrortronics-mäßig, mal sehen, wie das Ganze weiter mutiert!

Wertung: 7.5 von 10 Punkten (7.5/10)

Blo0d, Sweat & Hate Release Infos

Interpret: Bathead
Label: Eigenrelease
Release: Herbst 2015
Stil: Electro Rock´n Horror

Tracklisting:

  1. Bathead
  2. To the Batcave
  3. Same Shit, Different Day
  4. Batmobile Muscle Car
  5. Midnight Crime
  6. Buy And Consume
  7. Slaughterhouse
  8. Clownface
  9. Bavarian Backwoods
  10. Silent Killer
  11. Bloodsport
  12. Buy And Consume (Cyborgs On Crack Remix)
  13. Bloodsport (Stechschritt Remix)


 
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