Review: Vogon Poetry – ‘The Prefect Stories’

Vogon Poetry AlbumrezensionWie erzählt man Geschichten, damit diese nachvollzogen und wahrgenommen werden können? Vogon Poetry wählen für ihr Album The Prefect Stories einen elektronisch-poppigen Ansatz, gerahmt von inspirierenden Bands wie IAMX oder Erasure. Ausdruck, Storytelling und Popmusik vereint, bündig vorgetragen in neun frischen Songs.

Vogon Poetry – The Prefect Stories

Am spannendsten sind jene Geschichten, die das Leben schreibt, man muss sie nur erzählen können und erlebbar machen – genau dieser Anspruch markiert das Ziel von Vogon Poetry.

Hinter dem vorliegenden und im August 2015 erschienenen Album The Prefect Stories stecken Roger Tell (Music & Lyrics), Daniel Önnerby (Music & Lyrics) & John Andersson (Vocals), die zum zweiten Mal in kompletter Albumlänge antreten.

Sie arbeiten Ton für Ton daran, den Hörer ganzheitlich in ihre Musik hineingleiten zu lassen, ihre Inhalte nicht nur akustisch zu vermitteln, sondern sie zudem vor dem inneren Auge als Erlebnis entstehen zu lassen.

Dabei bildet klassischer Synthpop ihren Ursprung: Die Faszination für jenen Sound, den Vince Clarke mit Yazoo und Erasure so eingängig und charmant definierte, macht sich deutlich bemerkbar.

Konsequent nennen die Schweden ergänzend S.P.O.C.K und Elegant Machinery als Beispiele für ihre musikalischen Vorlieben, sie lassen in diesem Zuge natürlich einen gewissen 80s-Touch mitschwingen.

Doch dabei verbleiben sie nicht, ein bisschen Drama begleitet den Ansatz, eine klar ge- und leicht überzeichnete Ergriffenheit, wie sie IAMX mitunter vertont, das macht die kühl-reduzierte und sehr intensive Coverversion von Spit It Out deutlich, die gesanglich Chris Corner alle Ehre macht.

Erlebnisreiche Popmusik

Die intensivsten Storys erzählt die Band gleich zu Beginn, denn der Auftakt des Werks bietet neben dem erwähnten IAMX Cover alles, was gute elektronische Popmusik aufweisen sollte.

Stimmlich schwingt sich J. Andersson mit klarer und variantenreicher Betonung in Gefilde auf, in denen sich Andy Bell früher so gerne bewegte. Es ist auffällig, dass derzeit doch einige Bands (Beispiel: Parralox) diesen Weg wählen.

Die Emotionen des Protagonisten machen die Opener Ready Player One und Never Too Late unmittelbar spürbar, verpackt in sehr überzeugende und eingängige Melodien.

Beispiele für zeitlos-schöne Popmusik elektronischer Herkunft, die auf jeglichen unnötigen Ballast verzichtet und genau die richtige Komplexität als Gewand wählt.

Moderne Einsprengsel und Variationen

Danach ergänzt die Formationen ihre wohlklingende Melodik mit einigen modernen Sounds, Vogon Poetry klingen in diesem Momenten teilweise etwas clubbiger und tanzbarer, aber auch glatter (Moments, Afraid).

Guter Synthie Pop spielt gerne mit Naivität, das ist bekannt und erfordert genau jene Dosis Schmerz, die man gerade noch als angemessen empfindet: Hell klingend greift das süßlich-bittere Hyperspace Bypass diese Tradition auf, spielt vorsichtig mit Gegensätzen – und ehe man sich verhört ist das eingängige und sehr gelungene Stück schon vorbei.

Einige Passagen, wie etwa beim temporeduzierten The Great Big Nothing, erinnern in ihrem Pathos an 80er Jahre Soundtracks und wären seinerzeit sicher genau dafür eine Option gewesen.

Die sparsam und pointiert inszenierte Ballade Virtues schließt das Werk stilvoll ab, hier dringt die Faszination für das Duo Clarke/Bell nochmals in den Vordergrund – ein würdiges Ende.

Fazit: Abwechslungsreiche und dennoch nach klaren Ideen konzipierte Synthiemusik klassischer Prägung mit einem gekonnten Schuss Dramatik. Vogon Poetry erzählen die kleinen Geschichte des Lebens dann am besten, wenn sie diese mit einem ergriffenen Unterton ausstatten und sich gesanglich etwas zutrauen. Musik für Freunde von Erasure bis IAMX, die ihre Vorbilder reflektiert, aber nicht zu offensichtlich kopiert. Gut gemacht.

Wertung: 8 von 10 Punkten (8/10)

The Prefect Stories Release Infos

Interpret: Vogon Poetry
Label: ScentAir Records
Release: 28.08.2015
Stil: Synthie Pop

Tracklisting:

01. Ready Player One
02. Never Too Late
03. Spit It Out
04. Possibilities (Bistromath remix)
05. Moments
06. Hyperspace Bypass
07. The Great Big Nothing
08. Afraid
09. Virtues



 
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