Musikvideos im Internetzeitalter

Der rasante Siegeszug des World Wide Web hat das Musikbusiness im 21. Jahrhundert vollkommen auf den Kopf gestellt. Ganz ohne Übertreibung lässt sich hier durchaus von einer Revolution sprechen. Allerdings, und das muss man hinzufügen, betrifft die Revolution weniger die Kunst des Musizierens an sich, als vielmehr deren Vermarktung.

In diesem Kontext sind zwei Entwicklungen besonders hervor zu heben: Zum einem der Übergang von der CD zur Mp3-Datei sowie zur Nutzung von Streaming-Angeboten wie iTunes oder Spotify. Zum anderen der eklatante Bedeutungsverlust von Musiksendern im regulären TV, wie MTV oder Viva, und als Folge daraus, der überwältigende Erfolg von kostenlosen Videoplattformen, allen voran von YouTube. Dieser Artikel möchte einige Besonderheiten dieser Entwicklungen thematisieren und in einen übergeordneten Zusammenhang einreihen.

Videoboom durch das Internet

Es scheint beinahe überflüssig zu erwähnen, dass das Kommunikationsmedium „Video“ mittlerweile das Kommunikationsmittel schlechthin darstellt.

Dies ist insbesondere eine Folge des Monopolverlusts des Fernsehens, welches lange Zeit die einzige Plattform für das Senden und Empfangen von bewegten Bildern war.

Das Internet hat in den letzten 15 Jahren zu einer, wenn man so will, Liberalisierung der Videokommunikation geführt, sodass nun jeder Mensch, der über einen halbwegs passablen Internetzugang verfügt, beliebig oft Videos hochladen und anschauen kann.

Mit dem Aufkommen von Camcordern und Smartphones, ist es außerdem möglich geworden, sehr schnell und einfach, eigene Videos zu produzieren und mithilfe standardisierter, kostenloser Software relativ professionell zu bearbeiten.

Zum Beispiel existieren Smartphone-Apps, mit denen sich kurze Clips innerhalb weniger Minuten, quasi „en passant“, zusammenzimmern und direkt ins Netz hochladen lassen.

Folgen dieser Entwicklung für Musikclips

Für die Welt der Musikvideos bzw. der Vermarktung von Musik haben sich hieraus erhebliche Folgen ergeben. Musikvideos erheben bis auf einige wenige Ausnahmen grundsätzlich keinen Anspruch ein Filmkunstwerk oder ein eigenständiges Produkt zu sein. Vielmehr sind sie in erster Linie Marketing-Vehikel, die dem Verkauf einer bestimmten Single dienen sollen.

Konkret heißt das: Eher wird ein filmisch durchschnittliches Video eines Popstars gespielt, als ein filmisches Meisterwerk eines völlig unbekannten Artisten. Die Produktionskosten trägt in der Regel die Plattenfirma, wobei der Künstler je nach Vertrags- und Verkaufslage an den Kosten beteiligt wird.

Dieses System ist so angelegt, dass es nur dann tragbar ist, wenn eine kostenlose Publikationsplattform zur Verfügung steht. So gesehen sind Musikvideos eben auch keine „klassischen“ Werbespots, für die im Regelfall der Werbende aufkommt.

Der gewöhnliche Deal sieht stattdessen wie folgt aus: Der Künstler bzw. die Plattenfirma liefert den Inhalt kostenlos und generiert somit Sichtbarkeit; der Sender nutzt das jeweilige Video als Werbeumfeld, in dem er Werbung anderer Produktanbieter einschiebt und folglich darin seine Haupteinnahmequelle findet.

Ein individuelles Publikum ansprechen

Im Gegensatz zu dem klassischen Modell der Ausstrahlung von Musikvideos auf speziellen Musiksendern, die ihre Videos nach bestimmten Attraktivitätskriterien auswählen, ändern Plattformen wie YouTube die Sachlage für Künstler radikal.

Videos lassen sich nun problemlos veröffentlichen, ohne zuvor die Barriere bei einem Musiksender ausgestrahlt zu werden überwinden zu müssen. Nun lässt sich gezielt ein individuelles Publikum ansprechen, das auch wirklich an den jeweiligen Inhalten interessiert ist.

Dabei liefert der Künstler nicht mehr einfach nur einen kostenlosen Inhalt, in welchen er zuvor Geld hineinstecken musste. Vielmehr kann er ab einer bestimmten Anzahl von Views/Clicks auch einiges Geld verdienen, indem er z.B. YouTube die Genehmigung erteilt, in seinem Video Werbung schalten zu dürfen und dafür eine bestimmte „Provision“ erhält.

Der Konsument wiederum kann ein direktes Feedback via Kommentar hinterlassen, das Video in seinen sozialen Netzwerken verbreiten und es – zumindest der Idee nach – immer und überall unbegrenzt anschauen, ohne sich nach festgelegten Sendezeiten richten zu müssen.

Ferner lassen sich Videos heute, wie oben bereits erwähnt, unkompliziert selbst herstellen, sodass bestenfalls die Produktionskosten sehr niedrig, während die Einnahmen und Effektivität sehr hoch gehalten werden können.

Dieses Potenzial haben nicht zuletzt auch Unternehmen für sich entdeckt, die mittlerweile immer stärker das Videomarketing in ihr Repertoire aufnehmen. Die sogenannten Erklärvideos sind heute besonders beliebt. Hier können Sie sich ein Bild machen.

Videoportale als Chance

Videoportale und -plattformen bieten also die bahnbrechende Möglichkeit Inhalte und Produkte individualisiert, d.h. zielgruppengerichtet zu kommunizieren.

Das ist ein Potenzial, das gerade erst so richtig entdeckt wird. Der Qualität von Inhalten bzw. Produkten tut dies keinerlei Abbruch, denn schließlich sind auch die Konkurrenz und ebenso die Vielfalt der Angebote enorm angestiegen.



 
(Anzeige)

"

Deine Meinung – antworte mit einem Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.