Review: Razz -‘With Your Hands We´ll Conquer’

Razz CoverAuf das Debüt With Your Hands We´ll Conquer von der jungen Vierertruppe Razz konnte man sich richtig freuen – und setzte es damit gleichermaßen hohen Erwartungen aus. Kein Problem für die Emsländer, die in einen ebenso melodischen wie packenden Erstling präsentieren, welcher die deutsche Indie-Landschaft gehörig durchwirbeln sollte.

Razz – With Your Hands We´ll Conquer

Niklas Keiser, Steffen Pott, Christian Knippen & Lukas Bruns sorgten mit ihren vorab bekannten und viel gespielten Tracks Youth & Enjoyment, Turning Shadows und Black Feathers für aufgesperrte Ohren und erstaunte Blicke. Viel zu gut für eine Schülerband, so eine häufige Reaktion.

Nicht wenige blickten zunächst irritiert auf die sehr jungen Musiker (“die spielen schon jetzt, weil sie morgen ein Diktat schreiben”- ein Satz, den die Band wohl nicht mehr hören kann) mit dem großen Talent und der Fähigkeit, ihre unbekümmerte Spielfreude mit einem sehr reifen und griffigen Sound zu verbinden.

Und genau diese Stärke setzt die Band auf With Your Hands We´ll Conquer weiter in Szene: Sie bringen jenen Schuss Melodie und Unbekümmertheit in die hiesige Independent-Szene, die ihr doch lange abging. Das Alter des Quartetts ist gar nicht wichtig, es zählt nur der Klang und die Wirkung.

Keine Gefangenschaft in von außen formulierten Ansprüchen, wie man zu klingen habe und welche progressive Elemente man unbedingt verarbeiten müsse. Nein, die Jungs schreiben ihre Lieder, erzählen ihre Geschichten und die widmen sich der Liebe, der Jugend, und den vielen (wütenden) Emotionen. Stimmig und passend.

Durchweg gelungenes Debüt mit starkem Gesang

Skizziert man ihren schon spürbar eigenen Sound und will dennoch hilfreiche Vergleiche bemühen, dann sind Bands wie Kings Of Leon, die Editors oder Interpol sicher nicht zu hoch gegriffen.

Die Nummern kommen meist schnell auf den Punkt und bieten dennoch Raum für durchdachte Intros, Tempowechsel, Variationen und überraschende Momente. Indie Rock in bester Tradition, gleichermaßen fix im Jetzt verankert.

Ihre Fähigkeiten zeigt die Formation bereits im gefühlvoll startenden Opener Black Feathers, der nach dem hallenden Auftakt an Intensität gewinnt und die bereits jetzt sehr reife und charismatische Stimme von Sänger Niklas in den Vordergrund stellt.

Der Hörer folgt ihr gerne, derart überzeugend gestaltet sich der Vortrag, welcher neben Temperament auch Raum für Zwischentöne lässt.

I´ll be Your Ghost bringt dem Hörer Emotionen und einen schönen Schuss Nostalgie nahe. Selbige wirken nie überzogen oder nach Aufmerksamkeit heischend, man lauscht den Geschichten einfach gerne, lässt sich mitnehmen, atmet durch.

Rising Tide und Broken God tendieren ebenfalls in diese Richtung.

Jene positive und gleichermaßen unverkrampfte Intensität setzt sich nahtlos im starken Refrain von Blink Of An Eye fort, der leicht heisere Unterton der Vocals macht das Erlebnis so erdig, lässt den Hörer schlichtweg mitfiebern.

Rotzig & unangepasst können die Musiker ebenfalls klingen, das belegt das bockstarke und überbordene Postlude, welches die Ohren mal richtig durchspült. In Zeiten des bisweilen furchtbar angepassten Mainstream-Indie-Pops einfach befreiend.

Spielfreude

With Your Hands We´ll Conquer versprüht vieles: Spielfreude, Zeitlosigkeit, ein bisschen Wehmut und auch den Drang nach vorne, wie die beliebte Single Youth & Enjoyment eindrucksvoll vertont.

Das wavig-wabende und doch quicklebendige Gitarrenspiel erinnert hier besonders an die frühen Editors, jeder Griff sitzt, wenn im Refrain die Nummer ihre komplette Wirkung entfaltet.

Die meisten Nummern des Albums festigen den Klang der Band, es geht noch nicht darum, das große Experiment zu wagen. Man findet sich, definiert das eigene Ding, nur ganz wenige Songs bleiben nicht sofort hängen.

Als weiterer Anspieltipp sei 1953 – Hillary genannt, ein Track, der eine unfassbar schöne Stimmung erzeugt und den Ritt auf den Gitarrenwellen perfektioniert.

Schon an der im Vergleich längeren Spielzeit merkt zum Ende des Werks, dass die Schlussnummer The Blood Engine andere Wege geht: Und tatsächlich klingt das Razz Debüt mit einer ordentlichen Ballade aus.

Fazit: Tür auf für eine neue Generation: Razz werden ihren Weg machen, da kann man sich fast sicher sein – ein wunderschönes Debüt, das eigentlich alle Indie Rock & Post Punk Fans ins Mark treffen sollte. Wenn die Band sich von der steigenden Aufmerksamkeit nicht aus der Ruhe bringen lässt, dann startet mit With Your Hands We´ll Conquer was sehr Spannendes.

Wertung: 8.5 von 10 Punkten (8.5/10)

With Your Hands We´ll Conquer Release Infos

Interpret: Razz
Label: Long Branch Records (SPV)
Release: 30.10.2015
Stil: Indie Rock / Post Punk

Tracklisting:
01. Black Feathers
02. 1953 – Hillary
03. I’ll Be Your Ghost
04. Blink Of an Eye
05. Turning Shadows
06. Gigantic Windows
07. Rising Tide
08. Ember & Dust
09. Youth & Enjoyment
10. Broken Gold
11. Postlude
12. The Blood Engine



 
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