Review: Finkseye – ‘Deadweight’

Albumcover DeadweightNachdem Finkseye schon positiv auf einigen Electro Arc Samplern auffielen, liegt nun mit Deadweight das Debüt des vielfältigen Projektes vor. Und auf dem probiert man sich erst mal aus, spielt mit allerlei elektronischen Impulsen und beginnt damit, den eigenen Weg zu ebnen. Potenzial ist in einige Richtungen vorhanden, das macht die Scheibe sehr interessant und hörenswert.

Finkseye – Deadweight

Hinter Finkseye steckt Henrik Fink Nilsson aus Trelleborg in Schweden. Kein “Newbie”, denn er fabriziert bereits seit 1996 Musik und war zum Beispiel beim Projekt Struma beteiligt.

Was auf Deadweight sofort hörbar ist: Nilsson produzierte bereits einige Soundtracks für Horrorfilme mit Independent-Charakter. Diese szenischen Tracks eröffnen und beenden das Album (Hellwalker, End Theme), sie zählen zu den Stärken des Erstlings, denn beide konstruieren sofort einen imaginären Film, der ebenso lebendig wie drohend vor dem inneren Auge abläuft.

Gute Soundtracks erzählen eine Geschichte und lancieren den Hörer in seine Mitte, genau das fühlt man hier.

Prozess der Wegfindung

Lauscht man den folgenden Titeln, dann fällt die Vermengung von EBM, Dark Electro, verspielten Rhythmus-Algorithmen und einigen neuartigen Sounds auf, aber auch die bewusste Distanz zu minderqualitativem Hellectro. Das ist auch so intendiert.

Der Musiker selbst beschreibt Kraftwerk, Massive Attack und Front Line Assembly als bedeutende Wegweiser, was sich in der Verwendung von Hardware-Synthesizern und mächtig pumpenden Sequenzen niederschlägt.

Viele Titel abseits der soundtrackartigen Songs starten sehr differenziert im Aufbau und generieren eine leicht düstere und vertrackte Stimmung – zweifelsohne eine anspruchsvolle Form des Electros. Aber auch eingestreuter leicht zugänglicher Stoff für die Clubs überzeugt (A Broken State).

Noch nicht ganz klar scheint bei einigen Beiträgen der ideale Stimmeinsatz zu sein: In mehreren Passagen denkt man, dass mit etwas “Griffigkeit” mehr drin gewesen wäre, um die Nummern beim Hörer zu verhaken.

Als Beispiele seinen This Is What You Get, das schleppende Minds Eye, das tanzbare Steal oder das musikalisch wirklich großartige Slipping Away genannt.

Klare Favoriten

Diese Einschränkung gilt nicht für das bereits bekannte Titelstück Deadweight und das durchschlagende Adrenalin Drive. Düster und energisch im Vortrag, lauern hier echte Hits mit größerem Potenzial, die man durchaus alten Vomito Negro Fans empfehlen kann.

Kühle und Distanz treffen dabei auf eine passende Härte und Grobheit – und diese Vermengung setzt die sequenziellen Soundergüsse richtig in Szene. Stark. Die extrem zackige Deadweight-Sequenz greift übrigens Psychotic nochmals auf.

Ebenfalls sehr gelungen sind jene Nummern, die explizit klassischen Dark Electro referenzieren, denn natürlich schleicht sich ein Silent Stalker an, flüstert und wispert im Hintergrund, ehe er zuschlägt. Passend zu den wechselnden Schritten des Stalkers variiert Finkseye zudem gekonnt die Rhythmen.

Aufgelockert wird der insgesamt abwechslungsreiche Ansatz durch mutige instrumentale Einschübe (Beryllium Blue), denn sie werden in schnelllebigen Zeiten bekanntlich gerne überhört.

Fazit: Deadweight bietet einiges an Potenzial, es nimmt sich Raum und Zeit, den eigenen Weg zu finden. Auffälligen Hits stehen perspektivische Ansätze gegenüber, sodass die Zukunft zeigen wird, wohin der musikalische Prozess führt. Interessanterweise überzeugen die beiden Extremformen am meisten: Die ausgetüftelten Soundtracks und die sehr energischen Nummern. More to come …

Wertung: 7.5 von 10 Punkten (7.5/10)

Deadweight Release Infos

Interpret: Finkseye
Label: Razgrom Music / digital bei Electro Arc
Release: Mai 2016
Stil: Dark Electro/ EBM/ Soundtrack

Tracklisting:
01. Hellwalker (Intro) 01:45
02. Deadweight 04:36
03. A Broken State 03:16
04. The Stalker 03:18
05. This Is What You Get 04:09
06. Slipping Away 04:39
07. Beryllium Blue 04:54
08. Adrenalin Drive (Electromix) 03:52
09. Steal (Leaether Strip Cover) 03:32
10. Death Optimal 04:11
11. Psychotic 03:27
12. The Future (Feat Suzy VP) 04:06
13. Mind’s Eye 04:08
14. End theme 03:31
15. Deadweight (Lennies Drum Inferno mix) 04:36
16. Adrenalin Drive (Heavymix) 03:52
17. Adrenalin Drive (Man-009 & Textbeak remix) 04:57



 
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