Review: Lucifer´s Aid – ‘New To Reality’

Cover: Luzifer´s Aid - New To RealityBei ihrem neuen Signing Lucifer´s Aid hat sich das schwedische Label Progress Productions promomäßig ganz schön ins Zeug gelegt und die Band ordentlich gepusht. Doch leichte Kost, die auf breites Gefallen stößt, ist nicht zu erwarten. Kalte Härte, düster-noisiger Electro und die Rehabilitation des Begriffs harsh kennzeichnen New To Reality.

Lucifer´s Aid – New To Reality

Auch wenn der Albumtitel New To Reality es suggeriert, Mastermind Carl Nilsson ist beileibe kein Frischling in elektronischen Gefilden. Er ist und war z.B. mit Lithium und The Operating Tracks aktiv.

Auf seinem Lucifer´s Aid Werk verarbeitet er langjährige Erfahrungen und Einflüsse. Schon der Opener Unfollow Me zeigt die rhythmische und gekonnt “harsh” anmutende Tonart an.

Die krachig-düstere Nummer wirkt so, als hätten Trial seinerzeit ihren Weg konsequent fortgesetzt – etwa so könnten sie heutzutage tönen. Sicher ein hypothetischer Vergleich, aber einer, der schmeichelt.

Eine Schwierigkeit wird das Album wohl haben, ohne etwas dafür zu können: Beschrieben wird es vom Label als düstere Electro/EBM Attacke, gepaart mit früher Industrialwut.

Das ist übrigens völlig richtig und trifft den Sound gut, doch wurde eben jene Einordnung jahrelang in bekannten Magazinen für wirklich jede talentlose Band verwendet, wenn diese irgendwie elektronisch, bemüht düster und fauchig auftrat. “Wir machen Industrial”, dieser Satz wurde zu einer beliebigen Aussage.

Genau jetzt wird die vom Label skizzierte Verbindung sauber umgesetzt und die prinzipiell adäquate Beschreibung kann den frischen Output aufgrund ihrer inflationären Verwendung nicht so richtig abbilden. Sei´s drum.

Abseits des Eingängigen

Von dem angeblich modernen Industrial der letzten 10 Jahre ist New To Reality glücklicherweise weit entfernt: So tanzbar die bisweilen noisigen Rhythmen in ihrem garstigen Temperament auch sind, zu eingängig oder “overacted” böse klingt New To Reality beileibe nicht.

Catchy Melodien sind nicht Teil des Konzeptes, weil sie in der Perspektive der Band unpassend wären. Herbe und passend mit Effekten besetzte Stimmen und Stimmungen liegen statt dessen über den Drums. Ein Soundsetting für leerstehende Fabrikgebäude, weniger zum Wohlfühlen, denn zum wohligen Erschüttern geeignet.

Immer bleibt Raum für Unheimliches, die schleppenden Tracks Deep Inside, The Taste und das großartige Click Desease beschwören das Unbehagen, welches irgendwie stets außerhalb des gerade noch Wahrnehmbaren lauert.

Ihren bisweilen etwas übersteuert produzierten Ansatz leben Luzifer´s Aid homogen und konsequent aus. Das Spiel mit Tempo und Komplexität sorgt dabei für jene Varianz, die Stiltreue mit Abwechslung garniert.

Beispiel: Wer sich gerne musikalisch schütteln lässt, findet mit dem straighten No Way Back auch einen klassischen EBM Kracher der alten belgischen Schule auf dem Tonträger.

Industrial mal richtig

Damit nicht genug: Ant-Zen Stuff trifft auf die frühen The Klinik – zu hören beim Highlight Currupt. Ein satter Hieb mit Folgen für das Gehör, das Hypnotische fräßt sich fest. Zudem punktet die Nummer mit wohl akzentuierten Vocals, die in diesem Fall moderat, aber nicht minder intensiv daherkommen.

Lärmige Tonfolgen für das Maschinenfest zelebrieren Lucifer´s Aid dann mit Dead Colors, derbe und noisig rumpelt der Rhythmuszug los. Durchaus schwere Kost mit Dive Feeling. So klingt etwas, was durch und durch harsh ist.

Monoton und mit Samples gespickt rundet das parolenhafte Nobody Cares im Verlauf das musikalische Können ab, ehe das abschließende The Dark nochmals alle Einflüsse eint und für einen stimmungsvollen und sehr düsteren Abgang sorgt.

Fazit: Eine elektronische Mixtur herber, harter und harsher Töne, die überzeugt. Lucifer´s Aid brodeln ein wummerndes Gebräu zusammen. Man hört dabei immer, dass keine Anfänger am Werk sind, zu souverän wirkt der Umgang mit verschiedenen Elementen alternativer elektronischer Musik. Keine leichte, aber dafür bisweilen szenische und intensive Kost an der Schnittstelle von Industrial, Dark Electro und EBM.

Wertung: 8 von 10 Punkten (8/10)

New To Reality Release Infos

Interpret: Lucifer´s Aid
Label: Progress Productions
Release: 26.08.2016
Stil: Industrial/EBM/Electro

Tracklisting:
01. Unfollow Me
02. Deep Inside
03. The Taste
04. Corrupt
05. Follow Me
06. Dead Colors
07. Click Disease
08. Nobody Cares
09. No Way Back
10. Keep The Dark



 
(Anzeige)

"

Deine Meinung – antworte mit einem Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.