Review: Ultra Sunn – Kill Your Idols EP

Artikelgrafik: Ultra Sunn ReviewNach dem doch überraschend schnellen Erfolg mit Night Is Mine / Body Electric setzt das Brüsseler Cold-Wave-EBM-Duo Ultra Sunn mit ihrer dritten EP Kill Your Idols Maßstäbe darin, wie unterschiedliche Genres zu etwas Eigenständigem evolvieren, wenn deren Trademarks stimmig zusammenspielen.

Ultra Sunn – Kill Your Idols

Dass Night Is Mine 2021 trotz der damaligen Restriktionen so viel Eindruck hinterließ, spricht für die Qualität von Track und EP. Vielleicht auch für eine gewisse Ruhe, mit der die Nummer ihre Hörer erreichte. Gaelle Souflet und Sam Huge schienen klanglich den Zeitgeist berührt, nahezu eingefangen zu haben. Einen Spirit, der die Anreicherung kantiger EBM-Klänge mit Weitläufigkeit umfasst und die immanente Stimmung des Cold Waves gleichzeitig härter und auffordernder als gewohnt präsentiert.

Diesen kreativen Prozess treiben Ultra Sunn, hier ausführlich vorgestellt, mit ihrer neuen EP Kill Your Idols voran. Trotz des identischen Titelnamens stellt der Song keinen Tribut an Philipp Boa dar, er weist auch keine Ähnlichkeit zu dessen rebellischen Klassiker auf. Sechs Tracks bietet das neue Release, wobei der Opener Can You Believe It in zwei Versionen enthalten ist.


Verschärfung des Tonfalls

Ja, Ultra Sunn legen tatsächlich einen Zahn in Hinblick auf Rhythmik und Schärfe des Ausdrucks zu. Fast wirkt es, als lässt das Duo Boy Harsher mit NEP oder anderen EBM-Größen wetteifern, wer mehr Bewegung initiiert.

Vielleicht stehen die Belgier darüber hinausgehend sogar für eine neue Generation, welche auf Basis erkennbarer Einflüsse danach dürstet, ihre eigene Geschichte zu schreiben. Denn das Aufräumen mit der Vergangenheit und der Aufbruch Richtung freiheitlicher Erneuerung schimmert immer durch, wenn die energetischen Nummern zwischen stimmungsvolle Club-Faszination und druckvoller Rhythmik pendeln.

Die EBM-typische Redundanz der stets hypnotischen Bässe erfährt eine ganz neue Interpretation, wenn diese etwa beim Opener Can You Believe It machtvoll besprochen werden. Dezente Flächen sowie gezielte weichere Sounds betonen immer wieder die Tiefe der neuen Tracks von Ultra Sunn, und zwar subtil, weniger nach schnellem Applaus lechzend.

Fusion von EBM und Cold Wave

Ähnlich funktioniert die Mixtur bei Set Yourself on Fire, dessen Imperativ durchaus militant und mit viel Hall in der Aussage aufwartet. Gelungen arbeitet der phasenweise an Nitzer Ebb gemahnende EBM-Bass mit den fast lasziven Cold-Wave-Klängen zusammen.

Obgleich The Speed und The Great Escape nicht ganz die Intensität der beiden oben diskutierten Tracks erreichen und eher einen komplettierenden Charakter aufweisen, so hat die EP mit dem Titeltrack Kill Your Idols noch etwas Besonderes parat.

Schwerpunktmäßig ebenso nüchtern wie beschwörend-auffordernd intoniert und mit einem erneut griffigen Bass ausgestattet, folgt nach einer Minute eine überraschend ruhige Passage. Sie mündet in einem fast rockigen, experimentellem Abschnitt mit zahlreichen Shouts und Ausrufen, bevor der EP-typische Sound wieder die Vorherrschaft übernimmt. Als würden wie in den frühen Silent-Hill-Teilen die Welten plötzlich wechseln und doch zusammenhängen. Überraschung und Wagnis gelungen.

Fazit: Eigentlich müsste man trotz gewisser stilistischer Unterschiede diese EP von Ultra Sunn und das aktuelle Werk von Buzz Kull “wegweisend” nennen. Zielen beide Veröffentlichungen doch in eine ähnliche Richtung, indem sie Trademarks von EBM und Cold Wave mixen. Und siehe da, die wahrnehmbare Frische tut sowohl dem EBM- als auch dem Cold-Wave-Genre gut, zeigt sich doch, was für Möglichkeiten des künstlerischen Ausdrucks diesen alternativen elektronischen Gattungen offen stehen, wenn sie passende Impulse beimengen. Dafür benötigt man natürlich Gespür, Ultra Sunn besitzen dieses zweifelsohne.

Wertung: 8.5 von 10 Punkten (8.5/10)

Kill Your Idols Releaseinfos

Interpret: Ultra Sunn
Release: März 2023
Stil: Cold Wave / EBM

Tracklisting:

01. Can You Believe It
02. Kill Your Idols
03. Set Yourself On Fire
04. The Great Escape
05. The Speed
06. Can You Believe It (Kris Baha Remix)



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