Review: Front Line Assembly – Shifting Through The Lens

Shifting Through The Lens CoverWenn Front Line Assembly Neues herausbringen, dann schnellen die Erwartungen meist in ungeahnte Höhen. Shifting Through The Lens geht das nicht anders, dazu klangen die musikalischen Appetizer zu gut. Befördern die Mannen um Bill Leeb ihr Projekt nochmals in den Electro-Industrial-Olymp?

Front Line Assembly – Shifting Through The Lens

15 Jahre liegt das letzte richtig überzeugende und wegweisende Album Hard Wired zurück. Es folgte mit dem unsäglichen Flavour Of The Weak der Tiefpunkt der Bandgeschichte. Ab und an blitzte in den letzten Jahren die Klasse von Front Line Assembly auf (Civilisation), aber selten überzeugte die Formation komplett.

Shifting Through The Lens – der richtige Song zur richtigen Zeit

Los geht´s. Die Anfangssequenz der langen Version von Shifting Through The Lens erinnert etwas an Confusion von New Order aus dem Streifen Blade . Dann legt der Song schnell und direkt los, Bill Leebs Robo-Voice zischt in Electric Dreams Manier durch die Boxen. Die zackigen Elektroniksounds treiben das Lied an und verbreiten dabei richtig Druck.

Und diesmal bringt das Quartett den Song nach Hause: Ohne das Tempo zu drosseln, powert sich nach einigen Minuten ein ebenso einfacher wie vom Songwriting her überzeugender Refrain durch die elektronischen Soundwälle.

Front Line Assembly PromoDas fehlende Puzzelteil, der letzte Schlüssel – nennt es wie ihr wollt, aber genau diese Fähigkeit fehlte lange Zeit. Der Bezug zu den 90er Frühwerken, bei aller Modernität, hier ist er. Shifting Through the Lens schreit geradezu nach schweißdurchtränkten Clubeinsätzen.

Natürlich ist dies nicht die beste Front Line Assembly Single aller Zeiten. Gun, Provision, Mindphaser & Iceolate stehen sicher noch eine Stufe höher. Verdammt gut ist der Track abseits aller Superlative dennoch. Komplex und dennoch gradlinig, trotz hartem Vocodereinsatz auch eingängig. Du magst Plasticity ? Genau diese Richtung schlägt Shifting Through The Lens ein.

Front Line Assembly mit ihrer ganzen Bandbreite

Angriff und Endless Void klingen ganz anders: Angriff trägt deutliche Züge der gitarrigen Millenium-Ära. Es fängt ganz harmlos an, um sich dann in einen schleppenden Hybriden aus Elektronik-Spielereien und harten Gitarren zu wandeln. So klingt eine musikalisch gelungene Drohung, Front Line Assembly hauen ganz lässig einen Refrain wie zu besten 90er Zeiten raus.

Stimmlich zeigt Bill Leeb tiefe und moderat bearbeitete Vocals, die von vielen Fans lange vermisst worden sind. Daumen hoch.

Wer vergessen hat, dass F.L.A. mit dem Nebenprojekt Delirium vor den Charterfolgen Ende der 90er großartige atmosphärische Musik umsetzten, der findet in dem knapp 10-minütigen Stück Endless Void eine Reminiszenz mit Soundtrackqualität.

Eine Herangehensweise, die bei Front Line Assembly ebenfalls Tradition hat: Man denke nur an Infra Red Combat, The Chair oder Silent Ceremony. Ein dichtes, fast räumliches Stück mit einigen Effekten. Remixe finden sich auf der Single übrigens keine, wer vermisst die schon?

So klingt es, wenn Anspruch und Wirklichkeit sich mal wieder begegnen. Das Album kann kommen.

Wertung: 8 von 10 Punkten (8/10)



 
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