Review: Leaether Strip – ‘Mental Slavery’

Mental Slavery CoverEin Tag von Claus Larsen kann unmöglich weniger als 40 Stunden haben. Wie soll er mit Leaether Strip sonst in so kurzer Zeit neben den Arbeiten an den Retention– und Yes I´m Limited Serien ein Album mit 30 Tracks fertig gestellt haben? Das Ergebnis heißt Mental Slavery und soll Clubfutter und Tiefe gleichermaßen bieten.

Leaether Strip – Mental Slavery

Mental Slavery verhält sich ein bisschen wie eine Katze, die einem bei knapper Zeit immer wieder über die Tastatur läuft, vor dem Monitor posiert und Aufmerksamkeit benötigt. Man mag sie ja prinzipiell, aber manchmal ist eine Pause nötig.

Die Clubtracks

No Entry No Exit, Abusive, Invade My Body und Your God Has Left You Tonight transportieren typische Leaether Strip Klänge: Knochentrockene Härte im EBM/Electro-Stil der 90er – glücklicherweise nie überladen und meist mit harten Vocals, dem Solitary Confinement Stil gar nicht mal so unähnlich.

Bilder von Menschenmassen, Demonstrationen und geladener Stimmung drängen dann beim brülligen Turmoil in den Vordergrund. Der Track entpuppt sich neben dem parolenhaften Opener Introvert als Highlight der ersten CD. Die Sprachrhythmik bei Introvert hat zudem die Attitüde von One Foot In The Grave von Pouppée Fabrikk – nimm es mit dem Song auf oder verschwinde.

Poinitierte Distortion und etwas eintönige Drums

Die Vocals sind generell mehr an der Leaether Strip Frühzeit orientiert. Bereits live dominierten dosierte Effekte gegenüber gesanglichen Splatterorgien.

Bisweilen klingen die wuchtigen Songs nach frühen Up-Tempo Songs des Nebenprojektes Klute (heute Klutae).

Etwas störend sind die wiederkehrenden Drums bei den Clubtracks, Variationen hätten sicherlich nicht geschadet. Ebenfalls fehlt beim ersten Hören ein offensichtlicher Hit, wie es seinerzeit Don´t Tame Your Soul oder auch Adrenalin Rush waren. Das kann, muss aber kein Nachteil sein.

Mental Slavery – die atmosphärische Seite

In den 90ern konnte Claus Larsen stets mit dichten Soundcollagen wie Croatia überzeugen. Diese Tradition greift das neue Leaether Strip Album auf: Frankfurt Noir oder das hymnische Thirtyseven Point One zelebrieren düster-elektronische Dichte ohne Clubzwang. Nummern, die auch qualitativ gegenüber den 90er Frühwerken nicht zurücktreten müssen.

Überraschend finden vergleichsweise gefühlvolle Songs ohne jegliche Voice-Effekte ihren Weg durch die Boxen. We Build The Walls, vor allem aber das nachdenkliche Abscido sorgen für fragile Momente. Einigen anderen ruhigen Songs hätte allerdings ein Schuss zündende Melodie gut getan.

Variationen auf Mental Slavery

Natürlich funktioniert nicht jedes Experiment und je nach Geschmack sortiert man ein paar Songs aus. Im Gegenzug überzeugen dann wieder energetische und fast minimal gehaltene Electronummern mit ironischen Vocals (Battle Mind) oder die schräge Kollaboration mit Andi Sex Gang bei What I Have Done.

Gleichermaßen cool und tanzbar stellt Out There den Höhepunkt der zweiten CD dar. Die gesampelte Rede harmoniert mit den klaren Klängen. Claus Larsen greift damit auf ein im EBM-Bereich beliebtes Stilmittel der 80er Jahre zurück.

Leaether Strip Overkill?

Die Menge an Songs birgt leider die Gefahr, dass gelungene Nummern untergehen. Besonders wenn sich rhythmische Titel ähneln, kann schon Mal ein Track aus dem Gedächtnis verschwinden, der mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Das ist das Negative.

Andererseits ist es für hartgesottene Leaether Strip Anhänger natürlich erfreulich, in den gut arrangierten Songs immer wieder Neues zu entdecken. Und das Claus Larsen ein besessener Profi ist, merkt man nicht nur an der technischen Qualität.

Hätte man allerdings nur die besten 12 Songs auf eine CD gepackt, dann wäre das mit Abstand beste Leaether Strip Album seit Ewigkeiten heraus gekommen.

Wertung: 7 von 10 Punkten



 
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