Review: Orange Sector – Krieg und Frieden

orange sector - krieg und friedenKrieg und Frieden – ein gewaltiger Name für ein Album. Und tatsächlich stehen mit Nitzer Ebb, D.A.F. und Oomph! der Frühphase eine Menge kämpferischer Bands für das neue Orange Sector Album Pate, deren minimaler EBM-Sound bis heute für ganze Strömungen das Vorbild ist.

Orange Sector gehen back to the roots

Das letzte Album mind.fuck hat durchaus ein schweres Erbe hinterlassen. Melodiearm waren Orange Sector schon immer, einige klumpfußartige Songs des Albums kamen aber nicht bei allen Fans an, so dass selbst ein klasse Track wie etwa Bodybag irgendwie unterging.

Schleppend war gestern: Krieg und Frieden prescht nach vorne, der Opener Angst stampft in bester Der Neue Gott / Ich Bin Du Manier vor sich hin. Die klaren Konturen lassen keine Wahl, das Album animiert zur Bewegung, pumpt sich durch die Gliedmaßen und plötzlich wird klar: Die Produktion ist unglaublich modern, ‘oldschool jetzt!’ lautet das Motto.

Krieg und Frieden Highlights

Das Up-Tempo Titelstück wird die Mitkämpferreihen bei Livekonzerten begeistern und endlich sind die Vocals mal wieder richtig geshoutet. Ein Blick auf den Text lohnt sich – so simpel dieser auch gehalten ist, ein paar sinnige Wortspielereien sind durchaus gelungen.

Dies gilt allgemein für die fast durchweg deutschsprachigen Texte, auf Englisch wirkt das Ganze irgendwie holprig, das musikalisch solide I Hate You fällt dadurch etwas ab.

Der Clubsmasher Kompass klingt dann mit seinen dominierenden Bässen und den wuchtig-konsequenten Rhythmen schon fast ein bisschen gnadenlos. Feuerläufer steht dem wenig nach, spielt aber ein wenig mehr mit Tempo und Ausdruck.

Stimmspielereien und ein bisschen NDW

Das Gute Ist Das Böse Daran ist ein wunderbares und an D.A.F. angelehntes Stück, welches daran erinnert, welch feinsinnige Wirkung eine leicht variierende Betonung in repetitiven Passagen haben kann. Und vielleicht sollten Skeptiker dieser einfachen Form der Musik Innovation mal genau darin suchen, statt immer nur auf neue Sounds zu schielen.

Etwas NDW integrieren die Hannoveraner dann bei dem Song Ein Neues Kleid, der mit flapsiger Ironie das Thema ‘Pleite durch Partnerschaft’ thematisiert. Nebenbei verteilt er bissige Seitenhiebe auf einige Tendenzen der Gegenwart. Musikalisch zeigt sich der Song hingegen relaxt und lässt ein bisschen Erholung zu.

Die Zielgruppe: EBM-Fans und Tanzwütige

Zugegeben, wer mit jener einfachen Art der EBM, welche ihre Wurzeln ganz explizit in den 80er Jahren verortet, nichts anfangen kann, der wird keinen Bezug zu dem Album aufbauen und sich zudem wundern, warum die Spielzeit nur 35 Minuten beträgt.

Alle anderen und besonders jene, die eine minimale und roh interpretierte Form der frühen Electronic Body Music neu für sich entdeckt haben, werden mit dem Album ihren ‘Frieden’ schließen.

Krieg und Frieden – Orange Sector überzeugen

Insgesamt kann man ohne Übertreibung sagen, dass Orange Sector mit Krieg und Frieden trotz kleinerer Schwächen das beste Album seit ihrem Comeback geschaffen haben, welches sich selbst vor ihren 90er EBM-Werken nicht zu verstecken braucht.

Ein direktes und authentisches Statement der Gegenwart.

Wertung: 8.5 von 10 Punkten (8.5/10)



 
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1 thought on “Review: Orange Sector – Krieg und Frieden”

  1. work hard sagt:

    Gefällt mir besser als die vorherigen alben. Nur das instrumentale Stück finde ich nicht so dolle aber der Rest fetzt richtig!

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