Konzertbericht vom ‘Electronic Dreamz Festival 2010’ in Braunschweig

Electronic Dreamz FestivalElektronische Träume der ruppigen Art versprach das Electronic Dreamz Festival am 12.11.2010 in Braunschweig. Die besten Versprechen sind jene, die eingelöst werden – an diese Aufgabe wagten sich Tyske Ludder, Orange Sector, Jäger 90, Necro Facility und Co. heran.

Elektronische Träume der härteren Gangart

Ein Navigationsgerät auf Identitäts- und Kurssuche sorgte zunächst dafür, dass wir den Beginn – die Braunschweiger Formation Human R3source – verpassten.

Schnell nachgefragt: Die Band war mit dem Auftritt zufrieden, aufgrund des frühen Beginns des Festivals (18.30h), war die Meier Music Hall eher mäßig gefüllt. Glücklicherweise finden sich im Artikel des Madgoth Magazins weitere Eindrücke zum Opener.

Frontal

Bei unserer Ankunft legten Frontal los, die geräumige Halle zeigte sich nun gut mit expliziten EBM-Fans bestückt. Reserviertes Publikum? Keine Spur – vor der Bühne tanzten zahlreiche Frontal-Fans zu den wuchtigen Rhythmen. Die Band war gut aufgelegt, suchte Kontakt zum Publikum und sorgte so für eine absolut relaxte und passende Atmosphäre. Beweg Dich forderten Frontal – die Besucher folgten.

Necro Facility

Dominierten an diesem Abend meist gradlinige Klänge, so fielen Necro Facility mit ihrem komplexen und deutlich an Skinny Puppy angelehnten Sound etwas aus der Reihe. Die Schweden konnten bisher im Studio durchaus überzeugen und auch die Liveumsetzung gelang überraschend gut.

Bei aller Komplexität der Musik beeindruckte der klare und hervorragend ausgesteuerte Sound ebenso, wie die mit leichten Effekten versehenen Vocals des Frontmanns.

Die Bühnenshow orientierte sich hingegen weniger an den kanadischen Vorbildern. Der zunächst recht unscheinbar wirkende Sänger produzierte sekündlich frisches Adrenalin, entwickelte eine beißende Energie und so mehrte sich die Anzahl der tanzenden EBMer vor der Bühne.

Kurios der Schluss: Während des vermutlich besten Necro Facility Tracks Do You Feel The Same enterten Fans und mitgerissene Besucher die Bühne und tanzten ausgelassen zwischen der sichtlich überraschten Band.

Ein furioser Moment, dem obligatorischen Sturm der Armageddon Dildos Bühne in den frühen 90ern gar nicht mal so unähnlich.

Der Band gefiel´s und den Namen Necro Facility darf man Zukunft wohl größer schreiben.

Jäger 90

Minimal-EBM DAFscher Prägung folgte. Jäger 90 sind live einfach eine ebenso ehrliche wie sichere Bank, garantieren klasse Stimmung und ordentlichen Pogo. Zu Beginn eine Tanzeinlage im Publikum, Hits wie Dessau, Ich Will So Sein Wie Du & Ich Bin So Verliebt [zum Video] folgten.

Natürlich durfte die Bandhymne Achtung Ein Jäger! samt passendem Outfit nicht fehlen.

Die Stimmung steigerte sich bis zur absoluten Ausgelassenheit und so durfte auch mal ein Fan mehrere Strophen singen. Überhaupt spielten sich Bands und das euphorische Publikum an diesem Abend den Ball ständig zu. Anwesende Soziologen haben vermutlich etwas von ‘hoher Interaktionsdichte’ notiert.

Ohne Zugabe durfte das Duo natürlich nicht gehen. Mit viel Geschrei donnerte noch Wir brauchen Kein Feuer (flagge zeigen) ins dankbare Publikum der vollen Halle. Wie erwartet – ein Highlight der Jäger, die sich ihre wachsende Fanbasis mit viel Fleiß erarbeitet haben.

Orange Sector

Zeit für EBM aus Hannover: Orange Sector spielten endlich mal vor ‘ihrem’ Publikum. Krieg Und Frieden – nicht nur der Name des aktuellen Albums, auch vor der Bühne wies der Titel den ruppigen Weg. Im Gerangel folgten frenetische Reaktionen auf die hervorragende Songsauswahl: So grüßen neben den blauen Flecken wohlige Erinnerungen an Für Immer, Götter, Bitch, Arbeit Ist Not, Tanzbefehl, Dynamit oder den Klassiker Kalt Wie Stahl.

Es ist immer gut, wenn man einer Band ihren Spaß anmerkt. Orange Sector hatten ihn, ließen sich feiern und präsentieren der körperlich erschöpften Fanschar noch die Zugabe Flashback.

Für mich das Highlight eines extrem gelungenen Festivals. An dieser Stelle ein Lob an die Organisation: Schnelle Umbauphasen, guter Sound und passendes Ambiente sorgten für einen absolut angebrachten Rahmen.

Tyske Ludder

Mit der typischen, schnell geschnittenen Videoshow und flankiert von großen Bannern links und rechts enterte das Tyske Ludder Trio in Kampfanzügen zum Abschluss die Bühne.

Ihre Mischung aus EBM und Electro bewegte zahlreiche Tänzer. Ganz so voll wie bei den vorangehenden Acts war es in der Halle zwar nicht mehr, der musikalische Rundgang durch die Bandgeschichte sowie die gekonnte Präsentation garantierten einen stimmungsvollen Ausklang, den das zufriedene Publikum gebührend würdigte.

Das schreit nach Wiederholung.

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