Review: Cryo – ‘Retropia’

Cryo - RetropiaDas Label Progress Productions sucht sich seine Bands bekanntermaßen genau aus. Musterbeispiel ist das hauseigene Projekt Cryo, das sich seine Sporen auf dem aktuellen Album Retropia mit durchdachter und auffällig variantenreicher Electropopmusik verdient.

Cryo – Retropia

Cryogenic und Hidden Aggression, die ersten beiden Alben von Cryo, zeigten bereits die Stärke der Band: die Suche nach neuen Wegen im weiten akustischen Feld zwischen Electropop und clubbigen Momenten.

Martin Rudefelt & Torny Gottberg führen dies auf Retropia mit spürbar gereiftem Songwriting fort.

In den Tracks finden sich allerlei Einsprengsel aus den bisherigen Dekaden elektronischer Musik. Mal dezent nostalgisch, dann wieder fest in der Gegenwart verankert – das gilt besonders für die wohl inszenierte Soundauswahl und die Drumvarianten.

Die musikalische Spielwiese reicht von hypnotisch und fast trancig (The Portal) bis hin zu rhythmischen EBM/Electro-orientierten Nummern mit Hitcharakter.

Dabei stechen In Your Eyes, Believer oder das rhythmisch brillante und ungemein old schoolig klingende Shelter hervor.

Dazu kommen Titel, wie der Dreiteiler So Close Pt. 1-3, die mit einem experimentellen Unterton Kraftwerk hofieren.

Das bis dato ausgereifteste Cryo-Werk

Cryo umschiffen auf ihrer Reise viele Fallen: So tönen sie weder zu monoton beatlastig, noch zu aufdringlich emotional. Das gilt selbst für die Synthie-Ballade Common Man, die eine fast schwüle Stimmung generiert.

Die Schweden servieren ein Stück elektronische Popkultur, die schlichtweg keine Aufmerksamkeitsheischer benötigt oder kurzfristigen Trends nachläuft.

Nein, Cryo punkten mit Professionalität und Ideenreichtum und setzen beides fast mit einer Portion Understatement in Szene.

Mitunter gestaltet sich der Sound gar nüchtern und doch gleichzeitig packend – aus bekannten Mustern ausbrechend (I Use You).

Im ruhiger gehaltenen Mittelteil weicht die tanzbare Dynamik einem dunklen Ambiente und fordert den Hörer auf, sich einfach treiben zu lassen.

Ein Album, das seine Zeit einfordert

Auch nach wiederholtem Hören fallen neue Details und unterschwellige bis schräge Stimmungen ins Gehör (Too Much), die zum Entdecken einladen.

Das einzige – und wohl bewusst eingegangene – Risiko ist eben das weite Spektrum sowie die Geduld, die Cryo bei einigen sich Schritt für Schritt entwickelnden Nummern von ihren Hörern einfordern, obgleich sie auf sperrige Passagen verzichten.

Dem kurzlebigen Zeitgeist wollen sie sich eben nicht unterwerfen.

Fazit: Retropia zeigt sich als rundum gelungenes, homogenes und doch vielseitiges Electropop-Album abseits rigider Genregrenzen und gespickt mit einigen hitverdächtigen Tracks.

Wertung: 8 von 10 Punkten (8/10)

Release Infos

Interpret: Cryo
Label: Progress productions
Release: 31.01.2014
Stil: Electropop

Tracklisting:
1. In Your Eyes
2. Believer
3. The Portal
4. Common Man
5. I Use You
6. Too Much
7. Shelter
8. Yesterday
9. So Close Pt.1
10. So Close Pt.2
11. So Close Pt.3



 
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3 thoughts on “Review: Cryo – ‘Retropia’”

  1. jennifer sagt:

    das cryo album retropia ist einfach nur spitze. es läuft bei mir momentan in dauerrotation. gefällt mir ein wenig besser, was covenant und vnv nation und auch solitary experiments abgeliefert haben.
    gekonnt wird hier vintage-elektronik mit moderne kombiniert.
    übrigens, torny gottberg ist der inhaber von progress productions

    1. klangwelt sagt:

      Danke für den Kommentar und den Hinweis :-) Um Deine Einschätzung nochmals zu überspitzen: Imho liefern etwa VNV mit ihren aktuellen Tracks nicht mal ansatzweise die Qualität von Cryo ab.

  2. jennifer sagt:

    schade, nur das sich cryo hierzulande live sehr rar machen. ich hoffe, sie finden den weg mal nach deutschland.
    noch ein kleiner hinweis, martin rudefeit hatte vorher schon ein projekt namens soundsequence laufen, mit den alben climbing the mountain und top of the mountain. letzteres greift schon ein wenig die sounds von retropia auf.

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