Review: White Trash Wankers – ‘Electrobilly Horrorshow’

White Trash Wankers - Electrobilly HorrorshowWas ist eigentlich normal? Im Falle der White Trash Wankers eigentlich gar nichts. Gut so! Denn “No school EBM” wird aufgelegt – und eigentlich noch viel mehr, denn hier liegt das allererste Album vor, das Psychobilly, EBM und allerhand verwirrtes Zeug kreuzt. Perverted, retarded and damn sick…

White Trash Wankers – Electrobilly Horrorshow

Schon der erste Blick auf das Cover vom bekannten Horrorartist Rainer F. Engel lässt erahnen, dass es eher abwegig und weniger normal wird.

Nein, das Duo Slicky Pete & El Weisio (Stechschritt / A.D.A.C. 8286) hat sie nicht alle und kreiert sein eigenes Monster: Rau, dreckig und mit wirrem Blick durch die Gassen eilend.

Hier sägt der rostige old school Sequenzer unermüdlich an Knochenresten, begleitet von fiesen Samples, herb-kranken Gesangseinlagen, echten Drums und passendem Gitarrenspiel – scheinbar direkt aus verlassenen Vororten des Nirgendwo.

Das White Trash Wankers Ejakulat kennzeichnet psychotisches Wabern, hetzende mechanische Einsprengsel und eine gepflegte Hinterwäldler-Konsistenz. Hat die Wyatt-Family etwa doch Verwandte in Deutschland?

Kranke Sounds im gesunden Zusammenspiel

Viele Adaptionen tummeln sich auf der Electrobilly Horrorshow: Darunter Interpretationen von Hochkarätern wie Demented Are Go!, Reverend Beat Man und natürlich von den Psychobilly-Göttern The Meteors – die White Trash Wankers frönen ihren Lieblingen, aber auf ihre Weise.

Die Scheibe geht erwartungsgemäß mächtig nach vorne: Ob The Hate Train, Red Light Queen, Straigt To Hell oder der Killer-Stampfer The Maniac – der gefährliche Klang macht nicht nur besoffen im Kopf, sondern zudem richtig Laune.

Das lädt zum Stompen, Pogen und Wrecken ein, ja nachdem, wo man herkommt. Und bei all dem auch mal prolligen Chaos sind die Songs zudem gut durchdacht und passend von Autodafeh produziert worden.

Wer die Queen-Coverversion Another One Bites The Dust hört, will fortan mutig losstapfen, wohl wissend, dass bereits verstorbene Queen-Jünger wohl gerade erregt im Grab rotieren. Hoffentlich im Rhythmus, so viel Stil muss sein.

Gewagter Underground pur

So unterschiedlich die Sounds, der Werdegang und der Habitus der verarbeiteten Musikstile auch sind, die Jungs mit den nimmermüden Handgelenken brauen daraus eine stimmige Mixtur, die einfach wunderbar undergroundmäßig rüberkommt und natürlich nicht mit anzüglichen Texten spart.

Einfach zusteigen und mit der Band ihren geliebten Stuntman Mike abfeiern, das Ding wird doch wohl hoffentlich in allerlei kaputten Orten zu hören sein.

Den White Trash Wankers ist natürlich klar, dass möglicherweise einige Puristen der verschiedenen Szenen ihre Schwierigkeiten mit einer Electrobilly Horrorshow haben werden. Muss ja auch nicht jeder mögen.

Zu große Ablehnung werden sie sich – gewohnheitsmäßig – vermutlich locker aus den Unterarmen schütteln. Grenzen sind nicht so ihr Ding, “don´t give a fuck” – einfach losspielen und den Killern ihren Lauf lassen.

Psychotische Balladen

Aprospos Killer: Das Duo kann auch Balladen. The Ballad Of the Ripper kreiert eine dermaßen verkommene und versoffen-nebulöse Hafenstimmung, dass der Griff zum Messer einfach naheliegend ist.

Auf dem Album passt vieles: Spirit, Attitüde und auch das Gespür für die Auswahl der benutzten elektronischen Sounds, denn mit 08/15 Electroklängen würde dieses Werk nicht funktionieren.

Also: Einfach die launige Sick Summertime genießen, an morbid-heißen Tagen Spießer verjagen und ab an den Strand. Moment – was treibt da eigentlich im Wasser….?

Sollte es einen neuen rebellischen Punk geben, so könnte er klingen. Bad-ass-music.

Fazit: Auf das ihnen niemals die schizoiden Visionen ausgehen. Das Duo sprengt Konventionen und zeigt dabei dennoch seine verqueren Vorlieben und Vorbilder auf. Lust auf was Neues und Gewagtes? Kommt … und dann gebt den White Trash Wankers doch ein paar flotte Umdrehungen.

Wertung: 8.5 von 10 Punkten (8.5/10)

Electrobilly Horrorshow Release Infos

Interpret: White Trash Wankers
Label: Eine Tasse Jäger Records (Bestellmöglichkeit hier)
Release: Juli 2014
Stil: Psychobilly/EBM

Tracklisting:
1. Introduction
2. T.R.A.S.H.13 (Killbot Blues)
3. Sick Summertime
4. Return of Stuntman Mike
5. The Hate Train
6. Don’t Stop to Wank
7. Red Light Queen
8. Rock Around My Cock
9. Shizophren
10. Straight to Hell
11. Ballad of The Ripper
12. Another One Bites The Dust
13. The Maniac



 
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3 thoughts on “Review: White Trash Wankers – ‘Electrobilly Horrorshow’”

  1. DRK sagt:

    Die Musik ist wirklich super.. wenn die Texte nur nicht so sexistisch wären.

    1. klangwelt sagt:

      Danke für das Feedback: Gerade in dem von der Band getragenen Kontext sollte man das imho humorvoll sehen. Sie spielen ja mit allerlei “retarded”-Elementen. Und die gesunde “don´t give a fuck”-Haltung, war das nicht mal fast punktypisch? Es wäre so langweilig und vor allem restriktiv, wenn jedes provozierende Element tabuisiert wird. Aber jedem steht es natürlich frei, die Texte nicht zu mögen. Viele Hip Hop Acts agieren allerdings beispielsweise deutlich krasser und vor allem gezielt abwertender. In dem Sinne: Am besten locker machen.

    2. Ludo sagt:

      Die Texte erinnern mich in ihrem konstruktiven Sexismus an die Revolting Cocks oder auch Abortive Gasp. Musikalisch scheint mir ebenfalls alles in Butter. Glückauf !

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