Review: MRDTC – ‘#5 Straight From Nothington’

MRDTC Review 2015Nothington – schon der Name des titelgebenden Ortes löst unheilvolle Assoziationen aus. MRDTC skizzieren auf ihrem aktuellen Album ein unbehagliches Grauen, einen akustischen Bastard mannigfaltiger Gestalt. Der Ort ist dennoch “The Place To Be”, denn seine Tonart wirkt stimmig, bedrohlich und gleichzeitig auf subtile Weise attraktiv.

MRDTC – Straight From Nothington

Tino Claus (Amnistia) und Christoph Lemke alias Christ Dupont (NordarR) aka MRDTC kooperieren gerne: Gleich 4 Stücke generierten sie für #5 Straight From Nothington mit No Sleep By The Machine zusammen.

Als Remixer sind [basementgrrr], Amnistia, Nullvektor, DSX, Full Contact 69 und Mrs. June am Start.

Keine zufällige Auswahl, denn der Klang des Projektes wird zunehmend komplexer, drohender und entfernt sich von der allgegenwärtigen Schnelllebigkeit.

Das vorab bekannte Brain Talk wirkt noch am Gradlinigsten, steht also nicht stellvertretend für das, was einen in Nothington erwartet.

Ab in die beklemmende Vision, die zwei CDs lassen den Hörer nach dem Kick Off 2 auf über 90 Minuten Spielzeit in irritierende Viertel, unwegsame Straßen und beängstigende Gassen abtauchen.

Die akustische Betonung der Szenerie deutet sich bereits an: Das Duo entfernt sich teilweise von den eher gradlinig gehaltenen ersten Tracks der Startzeit, die allerdings auch schon darauf geeicht waren, nicht zu vorhersehbar und redundant zu klingen.

Subtile, stimmungsvolle Aggression und szenische Kälte

MRDTC tüfteln 2015 noch mehr an der Soundvielfalt und arbeiten geschickt mit unerwarteten Wendungen. Kein Schnellschuss-Album mit Schaum vor dem Mund, sondern ein Streifzug durch düstere elektronische Gefilde.

Mal szenisch, dann treibend, oft voller Wendungen bis hin zum Gefühl des Ausgesetztseins.

Mehr Stimmung bedeutet allerdings nicht, dass auf jegliche Härte verzichtet wird: Downside, Shout It Out oder das ewig nachhallende Falling gehen mit ihrer Atmosphäre mitten ins Knochenmark. Bei aller Schwere in Bewegung bleiben, nur so lässt sich Nothington bestehen.

Subtile Aggressivität als Charakterzug – vieles, was im Spannungsfeld von komplex inszenierter EBM und anspruchsvollem, bisweilen futuristischen Dark Electro lebt und schleicht, findet auf dem Album seine akustische und oft faszinierende Heimat.

Dementsprechend unterschiedlich der Vocaleinsatz: Mal herb, dann wieder zurückhaltend, fast dezent, denn wer weiß wer noch mithört …

Nightmares and dreamscapes

MRDTC fühlen sich in allen facettenreichen Vierteln ihres (apokalyptischen) “Nothingtons” heimisch, seien sie nun gewalttätig oder voll unwägbaren Gassen ohne großartige Beleuchtung. Sie ignorieren gängige Erwartungen und setzen statt dessen Akzente.

Wer sich ins nebulöse Hafengebiet verirrt, spürt das psychotische und hoffnungslose Nothington. Das Titelstück wirkt wie ein Traum im Traum, ein Luzid ohne Ausgang. Musik abseits des schnellen (oberflächlichen) Verständnisses, sie braucht Zeit und die Bereitschaft, sich etwas “Anderes”, bisweilen sehr Einsames, zeigen zu lassen.

Viel mehr Distanz und Kälte als bei Outside These Walls lässt sich beispielsweise kaum ausdrücken.

Es wäre falsch, an dieser Stelle selektiv zu favorisieren, Straight From Nothington geht als Konzeptwerk durch – die Zeit, diesen Ort zu erleben, sollte man sich nehmen. Er kann gefallen, muss aber nicht jedem zusagen, dieses Risiko nehmen MRDTC wohl bewusst auf sich.

Fazit: Straight From Nothington ist ein Statement, das fast durchweg in seiner Gesamtheit überzeugt, auf den schnelllebigen Überhit aber verzichtet und tatsächlich für alle Freunde gut gemachter elektronischer Musik einen mehrdeutigen “Trip” anbietet. Mit oder ohne Rückfahrticket, das entscheidet Ihr.

Wertung: 8.5 von 10 Punkten (8.5/10)

Release Infos

Interpret: MRDTC
Label: emmo.biz
Release: 10.05.2015
Stil: Dark Electro/EBM/Experimentell

Tracklisting limitierte Edition:
01. Kick Off 2
02. Brain Talk
03. Falling
04. When The World Is Gone
05. Shout It Out!
06. Unseen
07. Downside
08. Outside These Walls
09. Straight From Nothington
10. Hexited
11. Watcher
12. The Converted Killer
13. Brain Talk (Basementgrrr Remix)
14. Falling (Amnistia Modification)
15. When The World Is Gone (Mrs. June Cover)
16. Shout It Out! (Full Contact 69 Remix)
17. Unseen (Wrecked By Mrdtc)
18. Downside (Nullvektor Remix)
19. The Last Step To Reality
20. Straight From Nothington (Dsx Remix)
21. Splice
22. Close



 
(Anzeige)

"

Deine Meinung – antworte mit einem Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.