Review: Covenant – ‘The Blinding Dark’

Cover: Covenant - The Blinding DarkTut sich der typische Covenant Fan der letzten 15 Jahre eigentlich mit Änderungen schwer oder gibt es diesen Typus Hörer gar nicht? Eskil hat ja bekanntlich seit einiger Zeit eine Glatze, das wurde viel diskutiert, doch der musikalische Schnitt fällt bei dem neuen Album The Blinding Dark ungleich deutlicher aus. Gespaltene Reaktionen überall, doch was macht das Album eigentlich aus?

Covenant – The Blinding Dark

Am 4. November 2016 erschien mit The Blinding Dark das bereits neunte Studioalbum von Covenant. Die eher mittelprächtige Vorabsingle Sound Mirrors deutete den Fokus und die Stimmung des neuen Werks vorsichtig an – mehr nicht.

Sie ist vielleicht noch eine Referenz an die letzten, kommerziell durchaus erfolgreichen Jahrzehnte der Band, denn sie bot neben einem etwas dunkleren Klang auch Typisches: Eingängige und moderne Clubmusik mit melodischen Facetten, oft und gerne auf passenden Partys angefragt.

Das Album selbst tönt anders und verzichtet fast immer auf die hellen bis trancigen Klänge und das Einfache in der Musik. Die schwedisch-deutsche Band hat mit dieser Modifikation vielleicht ihr künstlerisch bislang ambitioniertestes Werk geschaffen, auch wenn einige “Mitklatsch-Fans” das vielleicht sehr skeptisch sehen.

The Blinding Dark greift Ansätze auf, welche bereits der Longplayer Modern Ruin mit Tracks wie Worlds Collide andeutete. Verschachtelte, düster-wabernde Klänge mit einer oft kühlen Wirkung. Nicht selten komplex bis rhythmisch differenziert inszeniert. Tiefgang als Orientierungspfad.

Die dunkle Seite der Persönlichkeit als Thema

Mehr Feedback als Call The Ships To Port im Ansatz. Daraus resultiert ein stimmiger Soundtrip mit intellektuellem Anspruch: Man widmet sich thematisch ganz der Konfrontation mit der dunklen Seite der eigenen Persönlichkeit.

Das kann musikalisch natürlich kein greller Jahrmarkt sein, sondern eher ein zwielichtiger Abweg, der vertont werden will. So schwierig der Zugang zu einigen Nummern auch sein mag, die Kritik, dass Covenant jetzt plötzlich alles ändern, ist zwar nachvollziehbar, greift aber zu kurz.

Denn frühe Momente der Covenant Geschichte scheinen wieder eine Rolle zu spielen. Die Musiker schreiben bisweilen die Ideen von Sequenzer und Europa fort, nur mit neuen Mitteln und Klängen.

Den beschriebenen Anspruch meistert die auf 5 Mitglieder (Andreas Catjar, Daniel Jonasson, Joakim Montelius, Daniel Myer und Eskil Simonsson) angewachsene Formation ebenso unerwartet wie gekonnt.

Immersion

Verhaltene, unterschwellig finstere Tracks prägen das Werk, welches sogar Raum für extrem schleppende Momente und für fast Trip-Hop artige Soundtrack-Nummern (Summon Your Spirit) lässt. Zudem überrascht man mit einem Cover von Rider On A Wild Horse, einer Country-Hymne von 1977!

All das fordert natürlich Geduld und Offenheit ein, mitunter fühlt man sich in einem drohend-wohligen Soundtrack gefangen. Aus diesen Klangtiefen ragen einige Songs mit extrem immersiver Wirkung heraus. Diese könnten übrigens auch in alternativen Discos “passen”, wenn die Hörer sich denn darauf einlassen.

Cold Reading, das wunderschöne If I Give My Soul sowie das poppig und gesanglich auffallende I Close My Eyes nehmen langsam Anlauf – sie treten fast nüchtern und kühl auf. Ganz subtil wächst die Intensität. Angesichts des geschickten Songwritings und der hinzukommenden Melodik wollen diese Titel nach einiger Zeit gar nicht mehr weichen, so sehr ziehen sie den Hörer in ihren Bann.

Selten klangen Covenant so dunkel und gleichsam faszinierend.

Fazit: Kommerziell sicherlich gewagt, aber künstlerisch ebenso notwendig wie gekonnt schärfen Covenant ihre musikalische Kontur abseits der “einfachen” und typischen Clubnummern. The Blinding Dark ist ein dunkles & szenisches Werk, in das man eintauchen muss, um es fassen zu können. Das erfordert teilweise Geduld und evoziert auch mal Ablehnung. Die Band fabriziert im Gegenzug aber einige Nummern, die in ihrer Machart einfach als hochwertig zu bezeichnen sind.

Wertung: 8 von 10 Punkten (8/10)

The Blinding Dark Release Infos

Interpret: Covenant
Label: Dependent
Release: 04.11.2016
Stil: Electro/Electropop/Soundtrack

Tracklisting:
1. Fullwell
2. I Close My Eyes
3. Morning Star
4. Cold Reading
5. A Rider On A White Horse
6. Interlude
7. Dies Irae
8. Sound Mirrors (Fulwell)
9. Interlude
10. If I Give My Soul
11. Summon Your Spirit



 
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