Review: Project Pitchfork – ‘Look Up, I´m Down There’

Project Pitchfork Albumcover 2016Look Up, I´m Down There ändert vieles bei Project Pichfork: Es ist Neuorientierung und Aufgriff der frühen Ideen zugleich: Frisch, gewagt und vielfältig im Ausdruck. Peter Spilles ergreift die Chance, sich weiter zu entwickeln und dabei dennoch die klassischen PP-Hörer wieder mit an Bord zu nehmen.

Project Pitchfork – Look Up, I´m Down There

Look Up, I´m Down There erschien überraschend und ohne große Vorabwellen zum 25. Geburtstag des Pioniers und Bandkopfes Peter Spilles.

Ein Einschnitt mit inhaltlich sehr persönlicher Prägung, der Zugang zur inneren Welt des Protagonisten.

Auch musikalisch sollte es nicht so weiter gehen wie die letzten Jahre. Kommerziell waren diese sicher nicht zu unterschätzen, in Hinblick auf den Ausdruck wirkte man aber – mit Verlaub – zeitweise etwas eingenordet. Schwierig, wenn eine Band sehr vom expressiven Moment lebt.

Besinnlich und sphärisch startet Into Orbit, bevor Titanes wuchtig losscheppert. Eine durchaus spürbare EBM-Härte im Bass flirtet mit derben rockigen Ideen und brummelt grantig vor sich hin. Gerne zucken die Beine zu dieser Wucht.

Es ist allerdings auch jene Nummer, die noch am stärksten mit dem jüngsten Output verbunden ist, denn danach legt das Album in Sachen Charme und Ausdruck eigentlich erst richtig los.

Ebenfalls mit Gitarre im Gepäck, läutet das fast launige Propaganda Child die neue Etappe endgültig ein. Positiv das Soundbild, hier nimmt sich die Band jene Portion Freiheit, die man abseits redundanter Clubsounds findet, obgleich die Rhythmik eisern zugreift.

Besinnung und neuer Fokus

Viele Einflüsse seit den 90ern finden im Verlauf von Look Up, I´m Down There ihren abwechslungsreichen Niederschlag. Die Tonart variiert bewusst, macht vieles auf dem Album unvorhersehbar und überrascht den Hörer immer wieder.

Dabei ist es gar nicht so leicht – und vielleicht von PP-Seite aus bewusst nicht intendiert – seine klaren Favoriten zu finden. Zu unterschiedlich, zeitweilig charmant bis nostalgisch (Blind Eye) und rhythmisch variabel wartet das Release auf.

Immer wieder überzeugt die Melodieführung, sie vermittelt oftmals jene, durchaus positiv einzuschätzende “Spleenigkeit”, welche Project Pitchfork lange Zeit die geschätzte individuelle Kontur verliehen hat.

All das verschafft sich in der stimmigen, aber nicht überragenden Produktion Gehör.

Endlich wieder intensive Songideen

Und so tummelt sich das Zackige mit dem inhaltlich Fragenden. Umgesetzt in rhythmischem Druck und musikalischen Ausschweifungen, welche so essentiell für die “Pitchies” sind (Pandora).

Guten Gewissens lassen sich diverse Passagen als “schön” oder gar als “sinnlich” bezeichnen, obgleich sie gar nicht so ruhig, sondern durchaus temperamentvoll akzentuiert sind. Sunset Devastation bündelt etwa das Hymnische und Nostalgische mit einigen modernen Sounds und einer straighten Rhythmik.

In diese Sparte fällt auch Furious Numbers, ein im Refrain ebenfalls auffällig differenzierter Track mit extremer Klangvielfalt. Man hört richtig, wie befreit das Album angegangen worden ist.

Ruhige Songs entfalten ebenfalls ihren Reiz, das verdeutlicht etwa der Titeltrack Look Up, I´m Down There mit seinem skeptisch-persönlichen Text. Ihm folgt die brummelige Ballade Volcano, die mit einem komplexen und genial betonten Refrain aufwartet. Das gab es in der Form wirklich lange nicht mehr.

Nur weniges zündet nicht und so läuft das Jubiläumswerk mit dem getragenen Sky Eye etwas brummelig und doch angenehm sphärisch aus.

Fazit: Eine Zäsur? Zumindest eine nötige und vor allem stilistisch bereichernde Neupositionierung bringt das neue Project Pitchfork Werk mit sich. Es bietet die Chance, viele alte Hörer wieder mit an Bord zu holen, ohne dass jüngere Fans verstoßen werden. Dabei geht der Sound natürlich über die Reproduktion des Damaligen weit hinaus, er vermittelt vielmehr jene Stimmung und eigenwillige Differenzierung, welche der Band einfach gut tut.

Wertung: 8 von 10 Punkten (8/10)

Lokk Up, I´m Down There Release Infos

Interpret: Project Pichfork
Label: Trisol Music Group / SoulFood
Release: 23.09.2016
Stil: Electro/Wave/Underground

Tracklisting:

  1. Into Orbit
  2. Titanes
  3. Propaganda Child
  4. Blind Eye
  5. Pandora
  6. Look Up, I‘m Down There
  7. Volcano
  8. Sunset Devastation
  9. Open With Caution
  10. Furious Numbers
  11. Exile
  12. Sky Eye


 
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