Review: tEaR!doWn – ‘Shades Of Apathy’

Shades Of Apathy CovertEaR!doWn legen nach vier Jahren Anlaufzeit einen Meilenstein ihrer Bandhistorie vor: Der hybride Charakter von Shades Of Apathy provoziert und generiert intensive Momente. Dabei schafft es die Band, ihren differenzierten Dark Electro Sound mit griffigen Ideen auf ein neues Level zu heben. Ein Level, das mitunter überraschend “kickt”.

tEaR!doWn – Shades Of Apathy

tEaR!doWn greifen nicht nur den ursprünglichen Electroklang dunkler Machart auf. Im Jahre 2017 ist es an der Zeit, diesen zu verfeinern und fortzuschreiben. Sei es mit durchschlagenden Songideen oder mit dem Stil angemessenen eingängigen Momenten.

Das fängt schon bei den Vocals an: Oliver Spring intoniert die Nummern relativ unverzerrt, zumindest für diese Gattung Musik. Und damit schafft er es, Kanten und Akzente zu setzen, welche dem komplexen und extrem durchdachten Soundbild oft Richtung und Botschaft verleihen. Es gestaltet sich weitläufig, verliert sich aber nie.

Raum für längere instrumentale Passagen bietet Shades Of Apathy ebenfalls. Und diese szenischen Düsterklänge gehen immer wieder mit jener Schönheit einher, welche sie so eindringlich einfärbt.

Die längere Vorlaufzeit von Shades of Apathy ist dabei von Vorteil: Man hatte lange Zeit, ausgearbeitete Strukturen, wie sie etwa die titelgebenden und Tracks Apathy I – III vorbildlich zelebrieren, zu kreieren.

Auffällig im Albumverlauf: Ein bisweilen kantiger Rhythmuspunch und fast brodelnde Bässen dynamisieren viele Nummern. tEaR!doWn agieren somit klarer und treibender als Genrekollegen, ohne dabei auch nur einen Funken Stimmung einzubüßen.

Immersion als zentrales Merkmal gut gemachten Dark Electros

Positiv macht sich bemerkbar, dass sich die feinen Stimmungen aus den Songs selbst entwickeln: Dosierte Flächen, verschachtelte Rhythmen betonen das potente Songwriting. Das belegt zum Beispiel Addiction spürbar.

Endlich schafft es eine Band zudem, solch anspruchsvolle Nummern mit einem passenden und intensiven Refrain nach Hause zu bringen! Eine Besonderheit, die auch im Highlight Mirror zum Tragen kommt.

Hybrider Ansatz

Bei diesem durchaus clubtauglichen Track tritt der oben angerissene hybride Charakter von tEaR!doWn hervor. Sie transzendieren die klassische Dark Electro Idee, indem sie melodische Synthlinien hinzufügen. Genau diese selektive Eingängigkeit konkurriert mit dem oftmals unruhigen und abwechslungsreichen Background, das macht das Hörerlebnis mitunter so spannend.

Immersion tritt als zentrales Merkmal anspruchsvollen Dark Electros immer mehr in den Vordergrund. Nummern wie Across The Sky bewegen nicht nur, ihr herber & eiserner Griff lässt nicht mehr locker. Sie packen den Hörer, injizieren Bilder und Emotionen voller Abwegigkeit und doch fühlt sman sich schnell heimisch dabei.

Hervorzuheben sind zudem die ideenreichen Remixe und verschachtelte Nummern wie My World, die in ihrer nachdenklich-mentalen Wirkung fast etwas an frühe Necro Facility erinnern.

Sollte man bei diesem grundsätzlich sehr eigenständigen Werk zudem nach Vergleichen suchen, dann liegt der versierte Hörer mit Skinny Puppy oder Placebo Effekt sicher nicht ganz falsch, ohne dass diese Nähe überstrapaziert wird.

Wie vielfältig tEaR!doWn agieren können, zeigen sie zudem mit Shades. Ein Titel, der einfach als beste Kinomusik zu beschreiben ist. Ausfälle verzeichnet das Werk übrigens nicht, es gibt immer wieder Neues zu entdecken.

Fazit: Die Idee, welche mit dem differenzierten Dark Electro in den 90ern auf den Weg gebracht wurde, schreiben tEaR!doWn nun auf ihre Weise fort. Variantenreich, undogmatisch und doch immer mit der Faszination ausgestattet, welche diese Richtung einfach ausstrahlen muss, um zu funktionieren. Die ein oder andere Gänsehaut folgt postwendend. Die Band kreiert einen Bogen von derb bis entrückt, dem man als elektronischer Musikhörer gerne folgt. Dass einige richtige Hits eben diesen Bogen schmücken, veredelt das Werk, welches dieses Jahr stimmungsvoll ausklingen lässt.

Wertung: 9 von 10 Punkten (9/10) Klangwelt Musiktipp

Shades Of Apathy Release Infos

Interpret: tEaR!doWn
Label: Electro Aggression Records
Release: Dezember 2017
Stil: Dark Electro

Tracklisting:

01. Apathy Part 1
02. Apathy Part 2
03. My World
04. Rivers
05. Mirror
06. Skin
07. Pathfinder
08. Desire Machine
09. Across the Sky
10. Shades
11. Addiction
12. Apathy Part 3
13. Pathfinder (The Psychic Force Remix)
14. My world (Pyrroline Remix)
15. Mirror (kFactor Remix)

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