Review: Alphamay – ‘Mellow Collie’

Cover: Mellow Collie Ihr Fünfjähriges feiern Cris Frickenschmidt und Henning Hammoor alias Alphamay mit der liebevoll gestalteten EP Mellow Collie. Auf dieser tummeln sich eben genau fünf Songs, welche die geneigten Hörer in den typischen und doch so eigenwilligen Stilmix der Band eintauchen lassen. Dabei spielt die spürbare Nähe zu düster-getragenen Szenebands eine Rolle.

Ein halbes Jahrzehnt Alphamay – von der Tragik zur Inspiration

Die Geschichte der Formation begann seinerzeit unglücklich, denn erst nach einem gemeinsamen schweren Verkehrsunfall am 1. Mai 2012 gründeten die Musiker ihr Projekt.

‘Alpha’ und ‘May’, das ist der erste Mai, dafür steht der Bandname. Drei Alben, viele Auftritte und einige kleine Perlen (Missing Me) folgten bis jetzt. Ein Prozess, der zeigt, wie Tragik in Inspiration transformiert werden konnte.

Sogar eine bzw. zwei Auszeichnungen konnte man bis dato einheimsen: Im Rahmen des 34. Rock & Popreises (2017) gewannen die Musiker die Auszeichnung in den Kategorien “Beste Elektropop Band” und “Beste Gothic/Wave Band”.

Und im Gegensatz zu qualitativ und inhaltlich völlig aus dem Ruder laufenden Prämierungen wie dem (frisch verstorbenen) Echo kann dieser Erfolg problemlos angenommen werden. Er zeigt zudem gut die – bisweilen widerstrebenden – Eckpunkte des musikalischen Ansatzes.

Düsterer Esprit und die Nähe zu Deine Lakaien

Mellow Collie verdichtet vieles, was die Band bis jetzt auf ihren Alben angerissen hat: Die Songs werden zwar rhythmisch, aber doch auffallend düster inszeniert. Den Vortrag kennzeichnet wiederholt ein recht schwermütiger Charakter.

In diversen Reviews bemühen die jeweiligen Verfasser deshalb Deine Lakaien als Referenz – und liegen damit völlig richtig (Low In Love, Love Must Die). Alphamay nutzen tiefe und subtil leidende Vocals sehr intensiv und greifen im gekonnten Arrangement doch wiederholt Ideen der offenkundigen Impulsgeber auf.

Gar nicht so leicht, damit die vorhandene Fanbase zu erweitern. Für puristische Synthpopfans tönen diverse Songs sicher zu getragen. So kann es sein, dass sie schnell auf ihre in Stein gemeißelten Favoriten wie Depeche Mode, Camouflage, De/Vision etc. zurückgreifen. Dabei stellt diese Art des gothiclastigen Synthpops durchaus eine spannende Facette dar.

Penible Dark Wave Jünger zucken hingegen bekanntlich schnell bei jedem modernen Beat zurück. Aber die gehören ebenfalls zum Alphamay Repertoire dazu, obgleich sie auf dieser EP gar nicht so im Vordergrund stehen.

Dramaturgie und Melodiewendungen

Mit dem eben skizzierten Szenario müssen Alphamay leben. Sie schaffen es deswegen, weil sie oft wunderbare Melodien aus dem Gepäck zaubern. Manchmal sogar dann, wenn man gar nicht mehr damit rechnet. Hör- und fühlbar etwa beim Vorabvideo Black Parasite und nochmals bei Love Must Die.

Genau das baucht es, um den bisweilen anstrengenden Avantgardimus und das ‘Downfeeling’ zu beleben.

Sehr düster klingt die EP zum Ende hin mit Wintertime aus. Eine Nummer, die sich nach einem wirklich langen Auftakt erst im Verlauf komplett offenbart und somit nochmals das Gespür für Dramaturgie zeigt.

Fazit: Gekonnte Schwermut, differenzierte Arrangements und ein immanentes Gespür für melodische Wendungen kennzeichnen Mellow Collie. Die Referenzen sind gelungen und doch traut man der Band noch mehr zu, wenn sie diese selbst gewählten Zügel ab und an lockert. Denn das Potenzial in Hinblick auf Melodie und Songwriting zeigt sich reichhaltig. Auf die nächsten fünf Jahre!

Wertung: 7.5 von 10 Punkten (7.5/10)

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Mellow Collie Release Infos

Interpret: Alphamay
Label: Battersea Electric
Release: Mai 2018
Stil Electropop/ Dark Wave / Gothic

Tracklisting:

01. Black Parasite
02. Low In Love
03. The Carousel
04. Love Must Die
05. Wintertime

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