Review: Pandoria – Clean

Pandoria Debütalbum Clean Ein ebenso harter wie melodischer Strike in Krisenzeiten: Martin Bodewell (Orange Sector) und Stephan Tesch (Paranoid) bringen sich auf ihrem Debüt Clean in Form, lassen harte Bässe und gepresste Vocals anrollen – doch griffige Melodien suspendieren sie nicht. Nein, das Gespür für Eingängigkeit und Stimmung ist Teil des Ansatzes, öffnet Perspektiven und beschwört fast vergessene Synergien.

Pandoria – Clean

Nicht nur, dass ein Musiker der EBM Kultformation Paranoid wieder aktiv ist, auch der Bandname selbst greift die Vergangenheit von Paranoid auf, denn Pandoria ist nichts anders als ein Anagramm.

OK – so weit, so gut, doch wie klingt´s? Bereits auf der Vorabsingle Crush zeigten die Musiker ihren Weg an – den Aufgriff zackiger Body Music klassischer Prägung ergänzt mit melodiösen Passagen, mit “catchy” Momenten. Und genau diesen Balanceakt setzt das Debüt Clean fort.

Crush oder Surrender entpuppen sich als jene Art von Songs, die auf reinen Underground-Events genau so funktionieren würden (ja, im Jahre 2020 ist das leider ein Konjunktiv) wie auf Depeche Mode Partys mit gemixtem Publikum.

Nummern wie diese sind Türöffner für Menschen, die noch gar nicht wissen, dass sie eingängige Formen der EBM mögen bzw. denen gar nicht bekannt ist, was es abseits von Depeche Mode und Co. eigentlich so an geiler Musik gibt.

Saubere Arbeit, Jungs

Pandoria leisten auf Clean wirklich saubere Arbeit, denn die beiden Musiker ziehen ihr oben skizziertes Grundmotiv ebenso gekonnt wie konsequent durch. Apropos Clean: Der Opener betont die ursprüngliche EBM-Stilistik der alten Schule extrem kraftvoll und mit den richtigen Sounds. Ein Track wie gemalt für unvergessene Nächte im Frankfurter Dorian Gray, Ihr erinnert Euch sicher?

Er funktioniert derart gut, dass man sich fragt, warum zum Teufel dieses knackige Motiv in der EBM-Historie nicht bereits vertont worden ist. Fast meint man, die Clean-Schreie größerer Massen zu vernehmen.

Melodische Härte auf den Punkt gebracht

Auf dem Debütalbum bieten Pandoria mehrheitlich kernig-treibende Strophen, um im Refrain oftmals einen eingängigen Refrain mit etwas reduzierter Wucht anzubieten, etwa in Nature.

Unerwartet düster geht Deja Vu unter die Haut, provoziert Dramatik und eine wohlige Paranoia. Das komplette Temperament des Duos bahnt sich bei Sound, Mind und Memory seinen Weg, zeigt, dass eine melodische Kontur rohe Energie nicht eindämmen muss, sondern diese wohlwollend flankieren kann.

Eben diese lebendige Frische im Kontext der zackigen, oft extrem zügigen Bässe taucht immer wieder auf, bringt Fans und Hörer auf Trab (Chain Around My Heart).

What Have You Done To Me punktet hingegen mit überraschender Mehrstimmigkeit, spielt mit Referenzen in Richtung And One. Dadurch bekommt der Ausdruck etwas Mitreißendes: Dieses Merkmal distanziert Pandoria von Bands, welche in “weichen” Passagen ungewollt ihre Dynamik einbüßen.

Zum Schluss taucht sogar eine Ballade auf: Spark beendet, zugegebenermaßen etwas hölzern, das ansonsten komplett überzeugende Debüt Clean.

Fazit: Pandoria agieren frisch und selbstbewusst an der stets abzuwägenden Schnittmenge von EBM und Synthpop, kombinieren Oldschool-Härte mit Wohlwollen, Kraft mit Melodie. Das öffnet Möglichkeiten, denn das Duo vermittelt nicht nur Dynamik, sondern dockt an den Hörgewohnheiten jener Menschen ein, die Stimmung und melodische Nuancen schätzen. Und das, ohne in seichte Gewässer abzudriften. Das konnten früher Bands wie Zero Defects oder Second Voice recht gut, heutzutage stoßen Pandoria absolut gelungen in dieses Horn. Nice.

Wertung: 8.5 von 10 Punkten (8.5/10)

Clean Release Infos

Interpret: Pandoria
Label: Infacted Recordings
Release: August 2020
Stil: EBM/Synthpop

Tracklisting:
01. Clean
02. Crush
03. Natural
04. Déjà Vu
05. Sound, Mind And Memory
06. Surrender
07. Chain Around My Heart
08. What Have You Done
09. What Is Love
10. Spark
11. Crush (Single Version)
12. Crush (Rob Dust Remix)



 
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