Review: Haujobb – ‘Dead Market’

haujobb_dead_market_coverMyer und Samardzic aka Haujobb reaktivieren sich selbst. Knapp acht Jahre nach Vertical Theory folgt mit der neuen Single Dead Market nicht nur die Rückkehr, sondern ebenfalls ein musikalischer Richtungswechsel.

Haujobb – Dead Market

Dead Market wartet mit gleich sieben Versionen des Titelstücks auf, die von Letting The Demons Sleep (Nightmare) komplettiert werden. Vorschusslorbeeren gab´s (auch hier) reichlich, kein Wunder, ist das Titelstück durch das Video schon bekannt und für extrem gut befunden worden.

Entschlackt

Reduzierte Flächen, explizite Sounds und eine Melodieführung, die ganz subtil die Ziffernfolge 242 ins Vorbewusste induziert. Selten dominierte bei Haujobb eine Songidee dermaßen über technische Spielereien.

Natürlich ist Dead Market akribisch umgesetzt und ausgetüftelt. Durchschlagend eine gewisse Kantigkeit, die Haujobb in ihrer Frühphase schon auszeichnete. Die Single spricht direkt zum Hörer; nicht zuletzt deswegen, weil Haujobb abgespeckt haben. Musikalisch natürlich.

So generiert man ein komplexes Relikt mit dennoch klarer Figur. Seine Natur strahlt eine irritierende Mischung zwischen drohend und furchteinflößend aus, “scary” würde die Briten sagen. Eventuell auch überfordernd für reine 4/4 Takt Jünger?

Remixe mit Respekt vor dem Original

Für Diskussionsstoff sorgen sicher die recht homogenen Remixe, die auf all zu große Verfremdungen verzichten. Sie alle betonen spezielle Elemente des Originals und verneigen sich gleichzeitig vor ihm. Sind Remixe ohne jeglichen Bezug die bessere Alternative?

Forciert:
Ein ausgetüfteltes Intro im Extended Mix leitet den einfachen Basslauf ein, der durch dissonante Einschübe in seiner Monotonie noch forciert wird. Durchaus repeattauglich, die Details offenbaren sich nämlich Stück für Stück.

Etwas technoider, funktionaler und reduzierter geht der Horrorist Mix mit Dead Market um – die Atmosphäre hingegen bleibt. Ebenso beim Exes Remix, der durch seinen eher rollenden Charakter auffällt und die Störgeräusche rhythmisch kultiviert.

Clubbig:
Der Nomenklatür Mix und die Version von Absolute Body Control schleifen Dead Market in die Clubs. Zweitgenannter kann für sich locker in Anspruch nehmen, wie beide Bands gleichzeitig zu klingen.

Startet man mit typisch gradliniger Absolute Body Control Reduktion und betonten Vocals, so entwickelt diese tanzbare Dead Market Version ihre Wirkung durch unauffällig steigende Intensität. Furios das mit Depeche Mode Nuancen versehene Ende. Vielleicht die beste Version.

Ausgearbeitet:
Der abschließende Engineer´s Dub wendet sich dann an alle Soundfetischisten – oder jene, die es werden wollen.

Die Erkenntnis springt einen förmlich an: Selbst wenn man Dead Market fast alles (musikalisch gesprochen) nimmt, es bleibt ein Erlebnis. Die Songidee, die Essenz stimmt einfach. In dieser Hinsicht sind die Mixe positiv entlarvend.

Letting The Demons Sleep (Nightmare)

Letting The Demons Sleep (Nightmare) hätte ebenfalls locker die Single sein können. Die vorliegende Version setzt etwas mehr auf Rhythmik als die einfache, vorab bekannte Variante aus dem Soundcloud-Stream. Das ist etwas zwischen Filmmusik und Drama, modern und hart elektronisch präsentiert. Mit Letting The Demons Sleep (Nightmare) haben Haujobb entgegen ihrer Absicht die Dämonen bereits geweckt; Schwingungen, die nicht zu ignorieren sind.

Ganz ehrlich: Selten waren Haujobb besser.

Wertung: 9.5 von 10 Punkten (9.5/10) Klangwelt Musiktipp

Dead Market Release Infos

Interpret: Haujobb
Label: Zweieck Recordings / Basic Unit Productions
Release:17.06.2011
EBM/Electro:

Tracklisting:
01. Dead Market
02. Dead Market [Extended Remix]
03. Dead Market [The Horrorist-Remix]
04. Dead Market [Exes-Remix]
05. Letting the Demons Sleep [Nightmare]
06. Dead Market [Nomenklatür-Remix]
07. Dead Market [Absolute Body Control-Remix]
08. Dead Market [Engineer’s Dub]

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