Review: Pokémon Reaktor – ‘Strahlsund’

pokemon reaktorPokémon Reaktor. Allein der Name sorgt schon für Aufruhr. Wie kann man nur so heißen. Strahlsund nennt sich das Album, auch nicht viel besser, die spalten wirklich (die) “Zähne” – so die Befürchtung. Wissen sie auch noch, was sie tun – oder hatte das Majamon recht und 2012 ist alles vorbei?

Pokémon Reaktor – Strahlsund

Pokémon Reaktor formen Musik für (die kritische) Masse: Das Imperium schlägt nun in heischenden Tönen zurück, die Rache der Entnervten oder einfach: Wer Neonfarben sät, wird Pokémons ernten.

Und das sind die vier “Fehlfarben”:

– Schmu van der Kröt (voc, keys, samp, groupies)
– Problem-DJ dRiLL (keys, samp, weiber)
– Pauke Hech (konfetti, gute laune, rosa keys)
– Haloumi van Wuppi (tastenlampe, bühnendesignerin)

SIE, das sind Pokémon Reaktor, jene Bande mit den “komischen” Klamotten, den verstrahlten Pokémons als Logo und den nicht minder durchgeknallten Groupies. Die werden irgendwie von Video zu Video auch immer mehr.

Sie spalten, polarisieren und ärgern die Szene. Und zwar mit Genuss, Esprit und ohne sich irgendwie formen zu lassen. Dabei wollen sie doch nur spielen.

Pokémon Reaktor sind das Zerrbild der “schwarzen” Szene, jener pragmatischen Zwangsgemeinschaft, die nur von außen als homogen betrachtet wird, aber abseits der zeitweiligen Anwesenheit in musikalisch kuriosen Orten wenig gemeinsam hat.

Das ist nicht weiter wild, man sollte es bloß wissen.

Humor und Spaß als Bindeglied

Ausschließlich Comedy bietet Strahlsund nicht, das würde sich vermutlich schnell erschöpfen.

Spaß und Humor sind schlichtweg der Kleber zwischen den Pokémon Reaktor Nummern. Man merkt der Band bei jedem Ton, jeder Betonung und der entsprechenden Mimik ihre diebische Freude am “Tabubruch” an.

Die Band hat Bock auf launige, elektronische Musik und die Möglichkeit, diese auch umzusetzen, da sind in den Videos auch schnell ein paar (erschreckend gut sitzende) Hip-Hop Moves zu sehen.

…. und musikalisch?

Natürlich geht es um Musik, lange im Bandreaktor gekühlt und nun auf dem Weg nach draußen.

Strahlsund ist vielleicht kein Meisterwerk in Sachen Produktion, aber es versprürt derart viel Punk im Geiste, dass die zwanghafte Bewegung zum Repeatknopf eine einzige Freude ist.

Pokémon Reaktor kommen dabei lange nicht so harmlos wie ihre abgebildeten Geiger-Zähler-Fetisch-Pokemons daher. Nein, Strahlsund ist ein streckenweise derbes und wuchtiges Werk, natürlich voll bissiger Anspielungen und verbalen Stil-Veräpplungen (Anal Way 2 Live, Summer Slam).

Ein grelles, individuelles und elektronisches Crossover Album

Die akustischen Ideen fusionieren raue Electronic Body Music schwedischer Prägung, die ein oder andere Electro/Rechno Referenz und die Vorliebe für vertrackte, rollende Amirhythmen.

Beizeiten im Spiel mit dem Klischee, aber nie so penetrant, dass der Track darunter leiden würde.

Diese in Gang gesetzte Musikschmelze lässt den im Anschlag bereitgehaltenen Crossover-Geiger-Zähler mitunter nervös ausschlagen (War, Colder). Ob das gesund ist?

Rein stimmlich wird nicht nur geshoutet und fleißig erzählt: Brünstiges Röhren und eine Tonlage, die auch Metalheads beeindruckenden dürfte, komplettieren die Abteilung Attacke.

Der “Hit” Steam, Pressure, Drill & Kick It schüttelt nicht nur EBM-Freaks durch, auch clubfixierte Electrofreaks mit erweitertem Horizont werden bei dieser unendlich launigen Nummer loslegen.

Bei aller Wucht und pfeilschnellen Rhythmen schaffen es Pokémon Reaktor immer wieder, eine fast “fluffige” Melodie oder Synthie-Sequenz in die siedende Mixtur zu schummeln, das lockert Strahlsund so ungemein auf.

Pokémon Reaktor scheuchen auf

Musik, die auffordert, mal wieder Spaß an der Bewegung, am Tanzen zu zeigen. Egal, ob das jetzt perfekt ist oder nicht. Vergiss Dein Image, geh mal richtig ab!

Oder besser, hol Dir ein paar blaue Flecke bei schnellen, sequenzergetriebenen Nummern von Typ Blow Your Head Away, Lies oder dem thematisch passenden Pitmendeath. Das schreit nach einem kantigen EBM-Getümmel voller Flatmons.

Ausbrechend das eher schleppende No Matter, welches einen sehr stimmungsvollen Höhepunkt markiert. Aber nicht zu sehr relaxen, denn der böse Backwood Butcher folgt auf dem Fuße … Fluchtzauber!

Was ist das Schlimmste, was jetzt passieren könnte? Der nervige Nachbarsrotzlöffel trägt irgendwann plötzlich das gleiche Bandshirt wie man selbst, der coole, unnahbare (hier Szenezugehörigkeit einsetzen) … ?

Wäre das so schlimm? Am besten einfach wissend nicken, das wird schon. Vermutlich ziert sein Gesicht das gleiche breite Grinsen, das Du nach dem Hören der CD bei Dir entdeckt hast.

Wertung: 8,5 von 10 Punkten (8.5/10)

Strahlsund Release Infos

Interpret: Pokémon Reaktor
Label:Terror Dance Records
Release: Juni 2012
Stil:EBM/Electro

Tracklisting:
1. War
2. Blow Your Head Away
3. Colder
4. Lies
5. No Matter
6. Backwood Butcher
7. Anal Way 2 Live
8. Pitmendeath
9. Steam, Pressure Drill And Kick It
10. Back To Fuck
11. Summer Slam
12. No Matter (glumi-mix)
(…)



 
(Anzeige)

"

1 thought on “Review: Pokémon Reaktor – ‘Strahlsund’”

  1. MaschinenChirurg sagt:

    Ich finde es tauglich!

Deine Meinung – antworte mit einem Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.