Review: Kardinaljävel – ‘Jesus 2.0 / Sänka Skepp’

Kardinaljävel ReviewEs sind die unverhofften Momente, die Spannung garantieren. Das gilt ebenso musikalisch, denn wenn eine Doppelsingle wie Jesus 2.0 / Sänka Skepp von Kardinaljävel hereinbricht, dann schaltet das ansässige Stahlwerk auf Krawall und die Emotion auf Wut. Gelenkte Wut, denn ihre Musikvision vertont die Band ebenso querköpfig wie perfekt arrangiert. Raus mit der Sprache, wer zum Teufel ist das?

Kardinaljävel – Jesus 2.0 / Sänka Skepp

Kardinaljävel – noch nie was von gehört? Damit ist man sicher nicht alleine, hier klingelt bei den Namen zunächst erst mal rein gar nichts.

An sich kein Problem, kommt vor. Es allerdings dabei zu belassen, wäre schon etwas kläglich – das wird bereits nach der ersten Soundkonfrontation deutlich.

Der Projektname zeigt es auf, zu hören ist eine schwedische Band, die aus einem sehr religiös geprägten Teil des Landes kommt. Die Übersetzung des Bandnamens – Cardinal Bastrad – trägt dem wohl widerwillig Rechnung.

Und diesen Widerwillen trifft man erneut: Roh und wütend tritt die Doppelsingle Jesus 2.0 / Sänka Skepp auf, sie erscheint – limitiert auf 270 Einheiten – am 15.05.2015 auf dem extrem undergroundigen Sham Recordings Label, das Container 90 Fans geläufig sein dürfte. Passt.

Die alte ehrliche Krawall-Schule

Was wurde der Industrial-Begriff in den letzten Jahren zermatscht, kommerziell ausgeschlachtet und bis zur Unkenntlichkeit entstellt; er mutierte zum ungeliebten Stiefkind, das willenlos auf der Spielwiese schlechter Discomukke rumspackte.

Aber es ist wie bei so vielem Vergessenen und Verdrängten, das Ursprüngliche lauert noch. Ist die Zeit gekommen, dann legt es seine Finger in akustische Wunden der Gegenwart, frech bis hässlich grinsend.

Time! Ja, genau jetzt ist es soweit, denn in der maschinellen Mixtur von Kardinaljävel lauert das Essentielle, der ehemals rebellische Aufbruch elektronischer Musik.

Beide Singles tönen, als würden S.P.K oder Throbbing Gristle mit Sequenzer-Bastarden wie D.A.F und Liaisons Dangereuses um Aufmerksamkeit ringen.

Und stets siegt die archaische Wut, flankiert von reudig-zackigen Bässen und unnachgiebig-konsequenten Drums.

Auf gängige Spuren verzichten

Düster, monoton und mit noisigen Vocals hämmert die Formation ihre Musikvision ins Hirn, selten klang etwas in letzte Zeit so rau, so rotzig gebrüllt und so unangepasst.

Wie sollen Anfänger eigentlich etwas so Deftiges und doch so Gekonntes erschaffen? Die Antwort: gar nicht.

Kardinaljävel sind neu, aber das Projekt ist kein akustischer Erstversuch; die dahinterstehenden Musiker waren schon in mehreren Genres aktiv und veröffentlichten bereits unter diverse Namen verschiedenartige Klänge. Mehr ist noch nicht bekannt.

Fazit: “Do It Yourself” oder “Wir sind der Sound” – jeder nach seiner façon und Gleichklang ist was für Schafe. Wer einfach mal wieder etwas elektronisch Bedrohliches hören und richtige Aggressivität im industriellen Gewand erleben will – ohne auf die gute Prise reduzierter Body Music verzichten zu wollen – der greift zumindest neugierig zu Kardinaljävel. Kommt mehr?

Wertung: 8.5 von 10 Punkten (8.5/10)

Release Infos

Interpret: Kardinaljävel
Label: Sham Recordings
Release: 15.05.2015
Stil: Industrial/EBM

Tracklisting:
A1. Jesus 2.0
A2. Sänka Skepp



 
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