Review: PIG – ‘Risen’

PIG - RisenHierzulande fast unbeachtet setzen PIG mit ihrer Auferstehung Risen saumäßig hohe Standards. Wie erschafft man packenden bis düsteren Industrial Rock mit dem legendären Wax Trax Touch? Wie passen Gitarren in die Industrialmusik, ohne den Grundansatz zu verdrängen? Das sind keine neuen Fragen, sie wurden in den 90er Jahren heiß diskutiert, aber die frischen Antworten auf dem aktuellen Album reißen erneut Zäune ein.

Schweinischer Industrial Rock mit triebhafter Botschaft

Aktuell erhalten PIG viel Aufmerksamkeit für die Kooperation mit Erotikstar Sasha Grey. Das Resultat hört auf den naheliegenden Titel That The Way (I Like It). Eine dancig-schräge Coverversion, in welcher die Pornodiva stimmlich eine gute Figur macht.

Doch musikalisch ging dem Ganzen im Juni das neue PIG Album Risen voraus. Die derzeit heiß diskutierte Single ist nicht Teil des dritten Werks seit dem Comeback der Formation Anfang dieses Jahrzehnts. Nein, es punktet mit ganz eigenen Botschaften.

Kurzer Rückblick: Besonders in den 90er Jahren zeigten sich PIG mit ihren engen Beziehungen zu KMFDM als wichtiger Bestandteil jener großen Bewegung, welche ausgewählte rockige Einflüsse mit dem amerikanischen Verständnis von Industrial verband.

Viele von diesen Bands landeten auf dem legendären Wax Trax Label. Mastermind Raymond Watts (auch bekannt als Nainz, Nainz Watts und Ray Scaballero) formte mit PIG in dieser Zeit einen abgefahren und degenerativen Bastard ganz nach seinen Vorlieben.

Populär in den 90ern, danach überspielt und ohne große Ideen im folgenden Jahrzehnt – die nötige Pause folgte. Für PIG ging es bis vor einige Jahre zurück in den hauseigenen Saustall. Ein Gang, der sich offenbar lohnte.

Wenn Electro, Metal & Goth Rock zusammenpassen

Interessanterweise war es die B-Seite Hard Machine, die unlängst auf einem limitierten, nur live zu erwerbenden 12th Release anzeigte, dass eine neue Metal-Machine-Fusion auch abseits der Krupps oder Edriver69 existiert.

Der Titel ist glücklicherweise in einer etwas härteren und sehr stringenten Version auf Risen enthalten. So satt im Charakter, dass man sich als Hörer wahrhaft sauwohl fühlt. Diese Charakteristik prägt das gesamte Album. Schon der schleppende und doch so kraftvolle Opener The Chosen Few bringt Industrial-Freaks zum Mitrocken, wenn sie ein offenes Ohr für diese Art der Klangerzeugung besitzen.

Trotz der antreibenden Gitarren kommen synthetische Momente nicht zu kurz, dafür sorgt schon das gekonnte Songwriting abseits klassischer Rockkonzepte. Triebhaftigkeit, Wünsche und die inneren Dämonen finden ihren inhaltlich Platz in den auskeilenden Nummern. So präzise die Musik, so klar und direkt ins Gesicht verspritzen PIG ihre Botschaft: Truth Is Sin.

Souverän und auffällig strukturiert spielen Metal, Gothic Rock und elektronische Industrial-Einflüsse zusammen. Auf diesem schwierigen Weg sind wahrlich viele Bands verendet, doch PIG nicht, denn sie können überzeugende Songs kreieren, selbige pflastern und sichern den eingeschlagenen Weg.

Wucht paart sich mit tierisch gutem Songwriting

Komprimiert formuliert: Vision Thing von den Sisters, ein ganz klein bisschen Manson oder Type O Negative (z.B. in Leather Pig) stehen ebenso Pate wie intensiv-verschachtelte Chemlab-Momente oder das Brachiale der mittleren Ministry-Phase. Das muss man erstmal hinbekommen.

Oft schleichen sich die besten Nummern an (Hard Machine, Truth Is Sin), um dann mit schwerer Artillerie in einem grandiosen Refrain zu münden. Gerne gepresst, böse und morbide (The Revelation ) vorgetragen.

Den marschierenden und gnadenlos maschinellen Overkill besorgt Euch dann Prey & Obey (Disobey Mix). Ein echter Hit und weiterer Anspieltipp mit virtuosem Songwriting. Aber nicht immer dominiert die Härte: Cult Of Chaos zeigt das Gespür für intelligente, fast subtile Melodien – und mit When I´m Done hat sich sogar eine Ballade eingeschlichen.

Echte Stinker sind auf diesem Werk kaum zu finden. Unterschätzt PIG nicht, dieses Schwein agiert mehr als schlau und lacht Dich dreckig an. Die Vierbeiner wissen, wie es läuft.

Fazit: Saugeil auf vielen Ebenen: Auf Risen steht die wuchtige, beizeiten schleppende und gleichzeitig so intelligent designte Musik im Vordergrund. Als Hörer suhlt man sich in den tief-röhrenden Gitarren, den packenden Melodien sowie den geschickt arrangierten elektronischen Sounds, welche die Eruptionen komplettieren. Es wirkt fast so, als würde das Beste dieser – in den 90er Jahren etablierten – Idee nochmals Gestalt annehmen, natürlich besser produziert. Damit dies gelingt, sind starke Songs nötig – und die schütteln PIG lässig aus der Hand. Wohl eine der besten Industrial Rock Veröffentlichungen der Neuzeit.

Wertung: 9 von 10 Punkten (9/10) Klangwelt Musiktipp

Risen Release Infos

Interpret: PIG
Label:Metropolis Records
Release: Juni 2018
Stil: Industrial Rock

Tracklisting:

01. The Chosen Few
02. Morphine Machine
03. Loud Lawless & Lost
04. The Revelation (Misinterpretation Mix)
05. Truth is Sin
06. The Vice Girls
07. Rise & Repent (Descent Mix)
08. Leather Pig
09. When I’m Done
10. The Cult of Chaos
11. The Hangman’s Wooing
12. Prey & Obey (Disobey Mix)
13. Hard Machine (Lard Machine Mix)
14. Ecstacy & Exorcism (Excoriation Variaton Mix)



 

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