Die Würfel und das Ungewisse – das Casino als Songmaterial

Steven Tyler ist auf der Bühne voll in seinem Element. Photo by daigooliva; CC BY-SA 2.0

Musik zu schreiben, ist eine wahre Kunst. Interessante Klangvariationen zusammenzustellen ist die eine Sache, doch auch ein guter Text schreibt sich nicht von selbst. Viele Künstler haben verschiedene Herangehensweisen, um ihre Lieder mit bedeutungsvollem Inhalt zu füllen. Dabei dienen zahlreiche Bereiche des Lebens als Inspirationsquellen. Für viele ist das Schreiben von Lyrics ähnlich wie Poesie und die Bedeutung der Liedzeilen ist nicht immer auf den ersten Blick klar. Stattdessen arbeiten Songtexter mit zahlreichen Metaphern und erlauben es den Zuhörern, ihre eigene Message in der Musik zu finden. Ein beliebtes Symbol für das Glück oder Pech sind Songs über Würfel, Spielkarten und alles, was mit dem Casino in Verbindung steht. In diesem Seitenblick geht es um die besten Lieder mit Casino-Thematik – und was sie bedeuten könnten.

Viva Las Vegas – Elvis Presley

Der Song Viva Las Vegas war Teil des Filmmusicals aus 1964, in dem Elvis Presley die Hauptrolle des Rennfahrers Lucky übernahm. Dieser lehnt im Film nach einem erfolgreichen Rennen die Partnerschaft mit einem reichen Sponsor ab, um seinen Traum auf eigenen Beinen zu verfolgen und es zum Grand Prix in Las Vegas zu schaffen. Dabei warten natürlich zahlreiche Hindernisse auf ihn und als er sich in die Schwimmlehrerin seines Hotels verliebt, muss er sich einer schwerwiegenden Entscheidung stellen.

Können seine Liebe und sein Traum koexistieren oder muss er sich entscheiden? Der Film war ein großer Erfolg, doch besonders das Lied Viva Las Vegas schaffte es zu Weltruhm. Der Song handelt von den abenteuerlichen Erfahrungen eines jungen Mannes in der leuchtenden Stadt, die niemals schläft. Aber nicht nur im Film war Elvis stark mit Las Vegas verbunden. Die Stadt war für ihn ein zweites Zuhause und gleichzeitig der Ort, an dem sein Karriere-Comeback richtig abhob.

Als er am 31. Juli 1969 den Eröffnungsabend seiner vierwöchigen Show in Las Vegas begann, soll er nervöser gewesen sein denn je. Nach zehn Jahren Pause gab er laut Aussagen der Kritiker eines seiner besten Konzerte jemals und der Event ging in die Geschichte von Las Vegas als eine der besten Musikshows aller Zeiten ein. In den folgenden sieben Jahren trat der King noch über 800 Mal in Vegas auf und wurde mit seinen Bühnenoutfits und seinen Showeinlagen zur Legende.

Ace of Spades – Motörhead

Im berühmten Song Ace of Spades singt Sänger und Verfasser Lemmy Kilmister über das Pik-Ass. Die Karte wird oft als wichtigste Karte in einem Deck bezeichnet, da sie in einigen Spielen über allen anderen Karten steht. Auch Kartenleger bezeichnen das Pik-Ass gerne als besonders starke Karte, die sowohl für Transformation stehen kann, als auch für die Geheimnisse des Lebens. Da das Pik der Form eines Blattes ähnelt, wurde es oft als Symbol für einen Baum und damit für das Leben, aber auch den Tod erklärt – eine Balance, der Kreislauf der Welt. Tatsächlich lassen Sätze wie „I know I’m born to lose“ (übers. „Ich weiß, dass ich geboren bin, um zu verlieren“) auf eine tiefe Bedeutung über das Leben spekulieren.

Auf die Frage nach der Bedeutung des Textes antwortete Kilmister jedoch relativ simpel in seiner Biographie*. Darin erklärte er zwar, dass der Text als Allegorie für das Leben gesehen werden kann, er jedoch vor allem gerne Glücksspielmetaphern einsetzte, weil er selbst gerne spielte. Persönlich interessierte sich Kilmister eher für Spielautomaten, diese machten sich jedoch nicht so gut in einem Song.

Für Motörhead, die ihre Sets gerne mit den Worten „We are Motörhead. And we play Rock’n’Roll.“ begannen, ging es in dem Lied also wohl eher um den Lifestyle von Rocklegenden. Dass Kilmister wusste, von was er sprach, zeigt sich besonders darin, dass er in seinem Song die „Dead Man’s Hand“ erwähnt, eine Hand im Poker, die aus zwei Achtern und zwei Assen in Pik und Kreuz besteht. Den Namen erhielt sie durch Westernlegende Wild Bill Hickock, der mit jenen Karten in der Hand erschossen wurde.

Lemmy Kilmisters geht nicht nur leidenschaftlich gerne ins Casino, sondern geht an seinem Bass richtig auf. Photo by Andreas Lawen; CC BY-SA 3.0

Deuces are Wild – Aerosmith

Das Lied Deuces are Wild von Aerosmith wurde 1988 aufgenommen, erschien jedoch erst sechs Jahre später auf einem Album der Band. Der Sänger der Band Steven Tyler schrieb den Hit gemeinsam mit dem professionellen Songtexter Jim Vallance, der auch mit anderen Größen wie Bryan Adams zusammenarbeitete. Die Single wurde in Radios aus aller Welt auf und ab gespielt und war vier Wochen lang auf Platz eins der Billboard Mainstream Rock Tracks in den USA.

Der Text des Lieds lässt auf eine große Liebesgeschichte erahnen, die Phrase „Deuces are wild“ stammt jedoch aus dem Poker. In einigen Pokervarianten kann nämlich so gespielt werden, dass Zweier für alle Karten eingesetzt werden können und somit als eine Art Joker dienen. Ob Steven Tyler damit auf die Wildheit seiner großen Flamme anspielt oder sie als unberechenbar beschreibt, ist unklar, denn er hat sich zu der genauen Bedeutung nie geäußert. Trotzdem lässt die Metapher jede Menge Raum zur Interpretation.

Seit dem 6. April 2019 haben Aerosmith ihre Konzertresidenz in Las Vegas gestartet und tritt damit in die Fußstapfen von Stars wie Elton John, Madonna und Cher. Die Tour läuft passend unter dem Namen Deuces are Wild.

Spielkarten, Würfel und Casinospiele dienen vielen Musikern als Metapher für Spaß, Spannung und schicksalhafte Begegnungen. Manchmal legen wir jedoch auch mehr Bedeutung in ihre Texte, als eigentlich dahintersteckt. Während Steven Tyler in seinem Song Deuces are Wild seine Liebe zu einer Frau besingt, wollte Lemmy Kilmister vielleicht einfach nur seine Freude am Spielen bekunden. Aber das ist ja das Schöne an Musik: Sie lädt zum Interpretieren und Projizieren ein.



 
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