Review: Chrome Corpse – Helmet Mounted Display

Artikelbild: Helmet Mounted Display CoverHelmet Mounted Display – soll das jetzt ne EP oder ein Mini-Album sein? Ach egal, geil ist es! Chrome Corpse sind zweifelsohne eine der besten EBM-Eruptionen der Neuzeit – und dabei gleichzeitig tief im Pioniergeist des Genres verwachsen. Sie greifen die ganz Großen aus EBM und Industrial auf, doch verstecken brauchen sich die jungen Musiker vor den gewaltigen Namen ganz bestimmt nicht, führen sie doch das Ursprüngliche fort. Und zwar ebenso kackfrech wie gekonnt und vor allem extrem temperamentvoll.

Chrome Corpse – Helmet Mounted Display

Darf im verfluchten Jahre 2020 auch mal irgendwas Spaß machen, das gereifte EBM-Herz entzücken und den Regler instant auf Anschlag springen lassen? Natürlich! Es braucht nur eine Erinnerung, wie das Leben eigentlich ist, wie es sich anfühlt, wenn man von einer dynamischen Woge gepackt wird.

Mit Helmet Mounted Display liefern Chrome Corpse diesen Anlass – knapp ein Jahr nachdem ihr Debütalbum Anything That Moves schon mächtig punktete. Helmet Mounted Display setzt den Ansatz fort und zwar mit unfassbar viel Charme und exponentiell wachsendem Temperament.

Inspiriert von EBM-Größen

Auf dem Werk ringen militante Sounds im ursprünglichen 242-Stil, das Anarchische von à;GRUMH und die markige Wucht von Portion Control um Aufmerksamkeit. Chrome Corpse führen einerseits das Ursprüngliche der EBM- und Industrial-Szene fort. Gleichzeitig sprühen die Tracks nur so vor Spielfreude und Abwechslung, ständig passiert was und zerstört gängige Erwartungen.

In Verlauf der sechs enthaltenen Nummern verharren Chrome Corpse stets nur kurz: Mal brüllen sie dem Hörer eine knackig-auffordernde Parole entgegen (Fallsafe), lassen Samples im Cabaret-Voltaire-Stil durchdrehen (In The Shadow Of Dropships ), um dann wieder die eigenen Vocals und deren Betonung zu hinterfragen, ja sogar unerwartet zu switchen.

Genau diese Lebendig- und Lockerkeit im harten Sound macht Chrome Corpse aus: Überbordendes Temperament und stimmliche Ausdrucksvielfalt hieven die Tracks mit ihrem rustikal-analogen Charme (Swedish Ballistics) auf ein eigenes Niveau. Das ist wahrlich ein Statement für alle, welche sich damals in den 80ern und frühen 90ern von der kompromisslosen Body Music so angezogen fühlten.

Chrome Corpse – wenn junge Musiker den Alten Beine machen

Kurz zur Erinnerung: Hinter der (noch) unbekannten Band steckten vor einem Jahr drei Amerikaner aus Seattle, die immer noch in ihren Zwanzigern stecken, sowie ein Franzose, der sukzessiv auf die 30 zugeht.

Aktuelle Beteiligung an dem Mini-Album Helmet Mounted Display:

  • Antoine “Hirnsturm” Kerbérénès – vocals and lyrics for all the tracks, mastering
  • Enrique “Business Casual” Otanez – vocals, backing vocals and lyrics for tracks 2, 5, and 6
  • Michael “F9000” Pinch – instruments, composition, programming, mixing, production for all the tracks
  • James “Jimmy” Shogren – live drums
  • Eddie LaFlash – guitars on track 4

Diese vergleichsweise jungen Musiker atmen und leben die ursprüngliche Body Music. Sie verstehen sich darauf, diesen – nicht selten grimmigen Geist – greifbar zu beschwören und selbigen mit spektakulären und melodischen Wendungen zu vitalisieren. Fast lächelt er ein wenig – erwischt!

Highlights wie The Feeling Is Mutual (It’s Nothing Personal Mix) – flankiert von den ungebremsten Ausrufen “hu!” und “ha!” – und das offenkundig Sturm Café (Sicherheit) aufgreifende Remembering Your Words schlagen einfach durch, machen Laune. Alarm! Heißer Kandidat für das Klangwelt Album des Jahres.

Fazit: Chrome Corpse: Helmet Mounted Display – das ist ursprüngliche, analog betonte EBM, inspiriert von den ganz Großen. Vorgetragen mit Sounds, die einen authentischen Aufgriff erlauben und nicht so beliebig wirken wie gängige, oftmals recht gemäßigte Klänge. Akzente setzen die verspielten Vocals und viel Abwechslung im Songwriting: Es gibt kaum ein aktuelles EBM-Werk, welches derart viel stimmlichen Ausdruck erlaubt. Das Album tönt rotzfrech, frisch und anachronistisch gleichermaßen. Es wirkt in seinem analogen, bisweilen rohen Vortrag immens mitreißend. Einfach auf extralaut arretieren – das tut gut und ist vermutlich extrem gesund.

Wertung: 9.5 von 10 Punkten (9.5/10) Klangwelt Musiktipp

Helmet Mounted Display Release Infos

Interpret: Chrome Corpse
Label: Vertex
Release: Dezember 2020 – digitaler Vertrieb hier
Stil: oldschool EBM

Tracklisting:
01. Failsafe (Single Mix) 03:25
02. In The Shadow Of Dropships 03:31
03. Remembering Your Words 04:11
04. The Feeling Is Mutual (It’s Nothing Personal Mix) 05:06
05. Dance Or Die 04:33
06. Swedish Ballistics 03:38



 
(Anzeige)

"

Deine Meinung – antworte mit einem Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.