Review: Pankow – Never Trust A White Man

Never Trust A White Man CoverZwölf vorwiegend neue Titel erwarten die Fans auf dem neuen Pankow Album Never Trust A White Man. Während der Albumtitel von Ernest Hemingway inspiriert ist, bietet die Musik die so eigenwillige Mixtur der Band: EBM mit Drive, innovative Passagen, mutige Sounds, Schräges und das Gespür für die dazu passenden Designs der Titel. 100 % Pankow.

Pankow mit Alex Spalck

Besonders langjährige Anhänger von Pankow werden sich freuen, dass der im Jahre 1993 nach Australien ausgewanderte Alex Spalck bei einigen Songs seinen Teil zum neuen Werk beiträgt. Seit 2013 wurden seine Aufgaben von Bram Declercq gemeistert.

Auf Never Trust A White Man singt Alex nicht nur einige Passagen, sondern steuert Lyrics und Melodien bei. Pankow reisten sogar extra, trotz der schwierigen Umstände, nach Australien, um das Maximale zu erreichen.

Alben von Pankow tönen bekanntlich extrem abwechslungsreich, sie machen Laune und jagen diese mitunter postwendend zum Teufel. Stets schmeicheln und reizen die Musiker ihre Hörer.

Ihre Werke bündeln kleine Szene-Hits für Sonderlinge, experimentelle Passagen und vollmundige Erzählungen. Inhaltlich gerne mit dem Finger in der Wunde – meist ein aktuelles sensibles Thema – stochernd. So auch auf Never Trust A White Man.

Never Trust A White Man

Gesanglich wird Song für Song im Jahre 2021 mit klarer, ausdrucksstarker Stimme vorgetragen. Situativ setzen die Vocals Akzente, große Effekte auf der Stimme sind daher kaum nötig.

Bereits der offensive Opener – der Name Universal Kuntz lässt hier keine Fragen offen – triggert den Hörer gekonnt. Der Auftakt von Never Trust A White Man ist ein treibender mehrsprachiger EBM-Track voller Beschimpfungen, wie er typischer für Pankow kaum sein könnte.

Demgegenüber stehen moderate, aber stimmungsmäßig dichte Erzählungen wie Asylum oder Nowhere. Sie binden durch ihre Atmosphäre und verschaffen dabei dem geliebten Thema Wahnsinn in ausgewählten Momenten seinen traditionellen Platz.

Noisig-rhythmisch erhebt Antarxia Anklage, während Minima Immoralia auf musikalischer Ebene gefällig an das bekannte Escape From Beige Land anknüpft.

Anschließend schreiben Pankow mit dem kultigen Almost Cut My Dick explizit eine beachtliche Serie anzüglicher, teils bitterböser, aber gleichzeitig humorvoller Songs weiter. Wer die Ironie in dem pumpenden Track nicht erkennt, ist bei Pankow vermutlich falsch aufgehoben. Aber nur “fast”, nicht wahr?

Ernste, böse und humorvolle Zungen

Ernste Momente finden im fast schon zu anmutig vorgetragenen Ecocalypse ihren Platz: Die Nummer entpuppt sich als Ballade, setzt dabei auf das von den Smiths perfektionierte Prinzip, verstörende und bittere Themen in elegante Gefälligkeit zu verpacken.

Blockupy schleicht sich daraufhin an, um auf der Basis rasender Sequenzen in wütender Agitation zu enden. Als Hörer weiß man tatsächlich auch nach mehreren Minuten nicht, was im Verlauf der Songs noch folgt.

Das maschinell-hypnotische Damaged stellt viele penetrante Fragen, die man eigentlich tanzend beantworten möchte, würden sie nicht so schwerwiegend ausfallen. Auf einem differenzierten EBM-Fundament reichern stimmungsvolle Flächen und noisige Einsprengsel den Track an, verliehen ihm ein faszinierendes Flair. Sicher ein Anspieltipp und eine Nummer, die laut noch besser kommt.

Vergleichsweise balladesk verbreitet Don’t Fall In Love With Death (C230 Remix) ebenso Schwermut wie Der Leiermann (C230 Version). Ob Fans von Covenant diese Version mögen, kann derzeit allerdings nicht abgeschätzt werden, stellt sie doch eher ein intensives Hörspiel dar.

Mit der akustisch untermalten Predigt Dona Nobis Pacem verabschiedet sich die Band, greift dabei das Thema Wahnsinn nochmals kurz auf. Das Erlebnis namens Never Trust A White Man endet.

Fazit: Never Trust A White Man bietet einerseits die jahrelangen Trademarks von Pankow und klingt doch originell, einnehmend und überraschend. Besonders der ausdrucksstarke Gesang verlieht einigen Momenten ihre Brillanz. Das Ideenreichtum der Musiker und dem beteiligten Alex Spalck zieht sich dabei über die gesamte Länge des expliziten, abwechslungsreichen Albums. Ganz klar eine Empfehlung für das Jahr 2021, Pankow sind in Topform.

Wertung: 9.0 von 10 Punkten (9/10)
Klangwelt Musiktipp

Never Trust A White Man Release Infos

Interpret: Pankow
Release: Juni 2021
Stil: EBM/Industrial/Avantgarde

Tracklisting:
01. Universal Kuntz
02. Asylum
03. Ataraxia
04. Minima Immoralia
05. Almost Cut My Dick
06. Ecocalypse
07. Blockupy
08. Nowhere
09. Damaged
10. Don’t Fall In Love With Death (C230 Remix)
11. Der Leiermann (C230 Version)
12. Dona Nobis Pacem



 
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