Schnitt Acht – wie eine Legende in den Startlöchern hängen blieb

Schnitt 8 – Subhuman MindsManche Legenden überdauern die Jahrzehnte, andere leuchten kurz und heftig. Schnitt Acht brachten die alternativen Clubs richtig zum Glühen, sie weckten Hoffnungen, bevor sich die talentierte Band in kurzer Zeit in Rauch auflöste. Hinterlassen haben die Musiker einen absoluten Klassiker: Subhuman Minds.

Schnitt Acht

Jeff “E”, Morgan Lekcirt und Virgil L. Hibbs wirbelten die EBM- und Industrial-Szene von 1989 bis 1995 richtig durch. Führende Magazine wie das Frontpage, das Fanzine Glasnost oder Zillo fragten damals angesichts knapper Informationen mit Nachdruck, wer denn diese Band sei, welche so vieles eine, was die Szene ausmache: Die militante Härte von Front 242, das intelligente Design von Skinny Puppy sowie den rockig-dröhnenden Überseeflair, welchen Ministry auf The Land Of Rape & Honey heraufbeschworen hatten.

Fire Single als Türöffner

Los ging es mit Fire: Die Single preschte wie aus dem Nichts im Jahre 1990 heran – und zwar in zwei variierenden Versionen: Auf dem Album Subhuman Minds puristisch-elektronisch inszeniert, auf der sagenumwobenen Fire 12th bringt eine starke Bassgitarre den Track zur Explosion. Keine Frage, das war ein flächendeckender Angriff auf die Großen des Genres.

Subhuman Minds

Schnell wuchst die Nachfrage, ob es mehr von der Band aus Orlando (Florida) gäbe. Subhuman Minds bot und fusionierte alles, was in Metropolen wie Frankfurt und Berlin gefragt war. Das Debütalbum wirkt rückblickend wie ein komprimiertes Statement der lebendigen EBM-Szene Ende der 80er bis Anfang der 90er Jahre.

Kompromisslose EBM-Knaller wie das Titelstück, die genannte Single Fire, He Bought The Farm oder Grouch ließen synthetische Bässe durch die Körper zucken. Aggressive, bisweilen geshoutete Vocals betonten die Prägnanz.

Sinking oder Good Evening Fraülin beschworen hingegen komplexe bis düstere Emotionen, wie sie nur abwegige Künstler hervorrufen können. Mit Killing All The Time erschufen die Musiker auf dem Werk einen weiteren Knaller, wie ihn Ministry in ihrer elektronischen Phase nicht besser hätten inszenieren können.

In Hinblick auf Machart, Abwechslung und Intensität markierte Subhuman Minds ein Meisterwerk, welches neben überragenden Alben wie Caustic Grip (FLA) bestehen konnte. Alle Türen standen der Formation offen, derart schnell machte es die Runde, dass hier ein großes Ding lauert.

Rage 12th

Die folgende 12th Rage schien den Hype aufzunehmen. Spürbar ruppig und durchaus rockiger im Charakter zündete die diabolische Nummer bei einer breiten Zielgruppe. Ob EBM-Kampftanz oder wohliges Kopfschütteln, derart griffig-böser Sound funktionierte. Man war gewappnet für die herausfordernden 90er. Oder doch nicht?

Slash & Burn

Das Ende kam kurz und heftig: Slash & Burn passte sich dem aufkeimenden Crossover-Trend an und suspendierte viele frühere Einflüsse. Ein Fehler, obgleich dem zweiten Longplayer technisch wenig vorzuwerfen ist.

Die nun dominierenden Gitarren spielten griffig auf, mit dem genannten Track Rage fiel der Einstieg zudem recht leicht. Gewaltig und dröhnend zeigte das wahrlich starke Highlight The War Has Begun, den neuen, am Metal angesiedelten Weg an.

Trotz dieser gelungenen Momente bot das zweite Schnitt Acht Album dennoch zu viel des Einseitigen – Esprit und elektronische Kanten fehlten. Besonders die verbliebene europäische EBM- und Industrial-Szene verhielt sich Mitte der 90er Jahre zunehmend genervt von der Crossover-Anpassung, welche so viele Bands damals durchmachten. Man wandte sich teilweise ab.

Einigen Formationen gelang der neue Mix besser, anderen schlechter. Es ist die Freiheit jeder Band so zu klingen, wie sie will. Hörer entscheiden dann, ob sie gravierende Richtungswechsel mitmachen, das ist ihre Wahl.

Nach der Negation des ursprünglichen Ansatzes folgte 1995 ohne große Gründe die Auflösung. Obwohl sie in den Startlöchern hängenblieben, erinnern sich nostalgische Musikfreaks gerne an die Band. Bs zum heuten Tage leuchten viele Augen, wenn der Name Schnitt Acht fällt.

Schnitt Acht zwischen Kult und stilistischem Bindeglied

Gleichzeitig fungieren Schnitt Acht als Bindeglied zwischen Front 242, frühen bis mittleren Ministry, Skinny Puppy und 90er Bands wie Nine Inch Nails, D.H.I, Chemlab, Volt16, Die Krupps, KMFDM oder Penal Colony. Ein guter Grund, sie ab und an ins Rennen zu werfen!



 
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